Wirtschaft | Landwirtschaft

„Die reichen Mercedes-Bauern“

Obwohl Andreas Leiter Reber auf die sinkenden Erlöse im Obstbau hinweist, bleiben die SVP-Bauernvertreter hart: Jüngstes Beispiel sind die Vergünstigungen beim Wasserzins.
Südtiroler Apfelkonsortium

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Im Südtiroler Landtag zeichnet sich immer stärker ein Machtkampf unter den Bauernvertretern ab: Auf der einen Seite pocht die SVP auf eine Fortführung der Förderpolitik mit Fokus auf der Viehwirtschaft, auf der anderen steht Andreas Leiter Reber als Vertreter des Obstanbaus. Der Freie Landtagsabgeordnete ist selbst Obst- und Weinbauer in Marling und fordert eine Gleichbehandlung der landwirtschaftlichen Betriebe bei Gebühren und Förderungen. 

Andreas Leiter Reber: „Kurz vor der Fälligkeit der Wasserzinsen hatten die SVP-Bauernvertreter noch schnell Ausnahmen für die Berglandwirtschaft durchgesetzt.“ Seehauserfoto

„Es ist noch immer von den reichen Mercedes-Bauern die Rede, dabei widerlegen das schon lange die Zahlen“, sagt Leiter Reber im Gespräch mit SALTO. Unverständlich sei deshalb, wieso sein Beschlussantrag für Erleichterungen beim Wasserzins mit 15 Ja- und 18 Nein-Stimmen letzte Woche im Landtag abgeschmettert wurde. Ähnlich erging es seinem Vorschlag zur Öffnung der Landesförderungen für Obst- und Weinbauern Mitte Juni.

„Ich kann Ihnen das relativ schnell erklären“, meint SVP-Bauernvertreter Franz Locher dazu. „Ein Obstbauer verdient das Zehnfache wie der Bergbauer.“ Das sei auch heute noch so. Ein Blick in den Jahresbericht des Raiffeisen Verbands Südtirol aus dem Jahr 2025 bestätigt, dass der Bergbauernwirtschaft im Schnitt weniger Erlös übrigbleibt als dem Obstbau – wenn auch nicht im Verhältnis 1 zu 10. 

Raiffeisen Verband Südtirol / SALTO / Alin Sellemond

Im Raiffeisen-Jahresbericht werden alle landwirtschaftlichen Betriebe Südtirols erfasst, die Mitglied einer Genossenschaft sind und Wein, Obst oder Milch produzieren. „In Südtirol sind das über 90 Prozent der Betriebe“, erklärt Leiter Reber. Während einem Mitgliedsbetrieb im Obstbau für seine Ernte im vergangenen Jahr durchschnittlich 100.300 Euro ausbezahlt wurden, waren es für einen Milchviehbetrieb 76.000 Euro. 

Trotzdem sieht Leiter Reber die Obstbauern mit dem Preisverfall von Apfelwiesen alleingelassen, jüngstes Beispiel sei der Wasserzins. „Kurz vor der Fälligkeit der Wasserzinsen durch die europäische Wasserrichtlinie 2000 / 60 / EG hatten die SVP-Bauernvertreter noch schnell Ausnahmen für die Berglandwirtschaft durchgesetzt“, so Leiter Reber. Diese Ausnahmen sollten laut dem Oppositionspolitiker für alle landwirtschaftlichen Betriebe in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelten.

Wasserzins in der Landwirtschaft

Die Vergünstigungen der Wassergebühr wurden mit dem Beschluss der Landesregierung Nr. 938 / 2022 festgelegt, der Einheitspreis liegt bei 0,007 Euro pro Kubikmeter. Dieser Preis wird bei Tröpfchenbewässerung oder ähnlichen, wassereinsparenden Maßnahmen zu 35 Prozent gesenkt. Weitere Vergünstigungen von 30 Prozent kommen hinzu, wenn der Betrieb eine gemeinschaftlich geführte Bewässerungsanlage nutzt, außerdem gelten 20 Prozent Gebührennachlass für zertifizierte Bio-Betriebe und 10 Prozent Nachlass für die Nutzung von Speicherbecken.

Obstanbau: Laut dem Südtiroler Apfelkonsortium wurde auf rund 80 Prozent der Anbauflächen die Tröpfchenbewässerung eingeführt. Südtiroler Apfelkonsortium

Bei Wiesen- oder Futterflächen – und seit kurzem auch für Ackerbau – wird der Einheitspreis auf zehn Prozent reduziert. Für Wasserableitungen oberhalb 1.060 Metern Meereshöhe, die für mindestens 95 Prozent Wiesen oder Ackerbauflächen genutzt werden, entfällt die Jahresgebühr sogar. Damit sollen vor allem kleinstrukturierte Betriebe in der Berglandwirtschaft entlastet werden.

Für Gottfried Niedermair, Geschäftsführer des Bonifizierungskonsortiums Vinschgau, ist diese Regelung durchaus nachvollziehbar: „In unserem Einzugsgebiet sind alle Arten landwirtschaftlicher Betriebe vertreten, von den Bergbauern mit Grünland bis zu Obst- und Weinanbau“, erklärt Niedermair. Auch ohne Vergünstigung sei der Wasserzins pro Hektar im Jahr maximal rund 80 Euro hoch, berichtet er aus Erfahrung.

„Das ist akzeptabel“, sagt er – trotz sinkender Erträge in der Obstwirtschaft. Leiter Reber meint hingegen, dass die Förderungen für landwirtschaftliche Betriebe „nicht mehr zusammenpassen“. Das, sagt Niedermair, sei wiederum eine politische Diskussion.