Wirtschaft | Tourismus

Kläranlagen in Hotspots überlastet

Eco Center-Präsident Dario Dal Medico fordert, dass Hotels den anstehenden Ausbau von Kläranlagen mitfinanzieren. Unterstützung erhält er von Bozens Bürgermeister Claudio Corrarati.
Südtirols Kläranlagen: Drei Betriebe müssen nun für rund 56 Millionen Euro ausgebaut werden. Bild: Eco Center

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Die vorgelegten Zahlen des Eco Centers überraschen eigentlich nicht, trotzdem werfen sie grundlegende Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung in Südtirol auf: Das Eco Center betreibt in Südtirol 22 Kläranlagen, drei davon werden nun für 56,2 Millionen Euro ausgebaut, weil sie während der touristischen Hochsaison an ihre Belastungsgrenzen kommen. Auch die Anlage in Sinich für das Meraner Einzugsgebiet wurde kürzlich mit insgesamt 26,5 Millionen Euro erweitert.

Kosten auf die Allgemeinheit abgewälzt

20 Millionen in Pontives in Gröden, 22,5 Millionen in St. Martin in Passeier und fast 13,8 Millionen in Sarnthein werden nun in den nächsten Jahren investiert, teilt Eco Center-Präsident und ehemaliger Bürgermeister von Meran, Dario Dal Medico, mit. Während Gröden und das Passeiertal so die Reinigung der Abwässer während der touristischen Hochsaison bewerkstelligen sollen, verbraucht im Sarntal die Industriewäscherei Lavarent einen Großteil des Wassers. 

„Die Zahlen zum Wasserverbrauch in Gröden sind mit jenen einer großen Stadt vergleichbar.“

„Die Notwendigkeit, die Kläranlagen zu erweitern, ergibt sich ausschließlich aus dem Tourismus, denn die Zahl der Hotels steigt, vor allem aber nehmen die Wellnessanlagen und Schwimmbäder zu und werden vergrößert, während die Einwohnerzahl praktisch gleichbleibt“, erklärt Dal Medico gegenüber SALTO. Der Eco Center-Präsident fordert deshalb, dass sich Gastbetriebe über die Ortstaxe an der Finanzierung der Investitionskosten zur Erweiterung von Kläranlagen beteiligen.

Claudio Corrarati: „Es ist kein Zufall, dass die Kläranlage in Gröden ausgebaut werden muss.“ Seehauserfoto

„Wir leiden unter Overtourism, investieren aber das Geld aus der Ortstaxe in Marketing, um neue Märkte anzusprechen – da stimmt etwas nicht“, so Dal Medico, der letztes Jahr von der Civica zu Forza Italia wechselte. Er schlägt vor, zumindest einen Teil der Einnahmen aus der Ortstaxe für die notwendigen Infrastrukturen wie Kläranlagen zu verwenden. 

Diesem Vorschlag kann auch der Bozner Bürgermeister Claudio Corrarati etwas abgewinnen. „Es ist klar, dass der Tourismus und die Gastwirtschaft auch mit dem erhöhten Wasserverbrauch in Südtirol zusammenhängen. Es ist kein Zufall, dass die Kläranlage in Gröden ausgebaut werden muss“, so Corrarati. 

Gröden verbraucht so viel Wasser wie eine Großstadt

Die Kläranlage in Pontives am Eingang zu Gröden wurde bereits vor acht Jahren für fast 9 Millionen Euro erweitert. Dabei leben in dem Einzugsgebiet der Kläranlage nur etwas mehr als zehntausend Einwohnerinnen und Einwohner. Durch die touristische Wertschöpfung steigt aber auch der Wasserverbrauch, die Anlage wurde deshalb im Jahr 2018 ausgebaut und ist nun auf 78.000 Einwohneräquivalente ausgerichtet. 

Wellnessanlagen: Südtirols Hotels haben in den letzten Jahren vermehrt in Qualität investiert. Unsplash / Simona Hantáková

Da aber zu Spitzenzeiten die 100.000er-Marke überschritten wird, soll die Kläranlage künftig über eine Kapazität von 125.000 Einwohneräquivalenten verfügen. Die Kosten für die Erweiterung betragen ganze 20 Millionen Euro. Das Grödnertal mit rund 10.000 Einwohnerinnen hat damit eine riesige Kläranlage, die auch für die touristische Hochsaison gerüstet ist. 

„Die Zahlen zum Wasserverbrauch in Gröden sind mit jenen einer großen Stadt vergleichbar und darüber muss reflektiert werden. Der Tourist muss sich im Klaren sein, dass er wesentlich zum Ressourcenverbrauch im Land beiträgt, ein Kostenbeitrag für Nachhaltigkeit könnte in diese Richtung gehen und muss nichts mit der touristischen Ortstaxe zu tun haben“, sagt Bozens Bürgermeister Corrarati.

Bleibt abzuwarten, ob der Vorschlag vonseiten des Eco Centers folgenlos verhallt oder Begeisterung in der Landesregierung auslöst. 

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