Musik | SALTO Gespräch

„Einfach man selbst sein“

Eurovision Song Contest: Der österreichische Kandidat Cosmó erobert die Bühnen. Der 19-Jährige über die eingeschlafene Partyszene von heute und sein blaues Markenzeichen.
Cosmó
Foto: Hans Leitner / ORF
  • SALTO: Im Video des italienischen Finalisten Sal Da Vinci wird eine junge Braut durch den Tanzsaal gewirbelt, in Ihrem geht es um mehr Benehmen auf männlicher Seite in Discos: Steht der Eurovision Song Contest (ESC) für einen Kulturkampf?

    Cosmó: ESC steht für Musik, die uns alle verbindet. Es gibt keine musikalischen und kulturellen Grenzen – viele Länder, Kulturen und Sprachen kommen zusammen und feiern gemeinsam. Ganz nach dem Motto: United by Music. Manche Songs erzählen Geschichten oder eine Botschaft über die Gesellschaft, das ist Kunst.

  • Zur Person

    Cosmó vertritt Österreich beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien mit dem Song „Tanzschein“. Beim Wettbewerb gehen nächste Woche Künstlerinnen und Künstler aus 35 Ländern ins Rennen.

    Benjamin Gedeon aka Cosmó wurde 2006 in Budapest in Ungarn geboren und ist in Halbturn im Burgenland aufgewachsen. Der 19-Jährige studiert Zahnmedizin in Wien, trat bereits bei zahlreichen Konzerten auf und hat musikalische Früherziehung mit Klavier und E-Gitarre hinter sich.

  • Wie erklären Sie sich den großen Erfolg von Eurovision Song Contest in den letzten Jahren?

    Das erste Mal, als ich den Song Contest geschaut habe, hat Österreich gewonnen. Ich war acht und Conchita hat gewonnen. Ich war total fasziniert. Ich kenne Eurovision also nur als eine riesengroße Show, bei der Kulturen, Sprachen und Menschen zusammenkommen – es gibt eine so große Vielfalt wo jede und jeder etwas findet, mit dem man sich identifizieren kann, das macht es zu diesem großen Erfolg.

     

    „Als ich zum ersten Mal in einen Club ging, hatte ich hohe Erwartungen: bunte und extravagante Outfits, coole Musik und dass alle tanzen.“

     

    Angesichts des Nahostkonflikts begrüßen nicht alle die Teilnahme Israels am Wettbewerb, wie sehen Sie das?

    Ich vertrete heuer das Gastgeberland – und bei uns ist jeder willkommen. Der ESC feiert Musik, Künstlerinnen und Künstler, und genau darauf konzentriere ich mich. Und darum geht’s auch in meinem Song „Tanzschein“: Menschen durchs Tanzen zusammenzubringen.

  • Cosmó: „Es wäre so cool, einfach mal zwei Monate lang weg zu sein und auf irgendeiner Insel ein Album zu machen.“ Foto: Cato Ingebrigtsen / ORF
  • Wie erlebt die junge Generation heute die Party- und Musikszene?

    Als ich zum ersten Mal in einen Club ging, hatte ich hohe Erwartungen: bunte und extravagante Outfits, coole Musik und dass alle tanzen. Aber so war es nicht: Wir sind reingegangen, alle waren schwarz angezogen und sind einfach nur herumgestanden. Ich dachte mir: Das müssen wir ändern. Wir müssen uns mehr auf die Musik konzentrieren, aufs Tanzen und darauf, eine gute Zeit zu haben. Genau darum geht es im Song „Tanzschein“: alles loszulassen und sich nicht darum zu kümmern, was andere über einen denken. Einfach man selbst sein.

     

    „Ich dachte, vielleicht, wenn ich mir etwas ins Gesicht male.“

     

    Wer sind Ihre musikalischen Vorbilder?

    Vor allem Cro. Cro ist ein deutscher Rapper, der nicht nur Musiker ist, sondern durch und durch Künstler. Er hat einen unglaublichen Stil und ein besonderes Gespür für Musik und Design. Und auch Tame Impala. Es wäre so cool, einfach mal zwei Monate lang weg zu sein und auf irgendeiner Insel ein Album zu machen. So nonchalant, aber richtig cool. Billie Eilish zählt auch zu meinen großen Vorbildern, sie hat einfach mit ihrem Bruder im Kinderzimmer am Computer selbst Musik produziert, das finde ich sehr inspirierend.

    Und last but not least: Wieso haben Sie sich für einen blauen Stern im Gesicht als Markenzeichen entschieden?

    Das war eine spontane Idee kurz vor dem Casting für „Vienna Calling“, der ORF-1-Live-Show zum nationalen ESC-Vorentscheid. Ich dachte, Cosmó braucht noch dieses eine letzte Detail, damit die Leute wissen: Das ist Cosmó. Es war so schwer, das zu finden, weil was sticht heraus? Ich dachte, vielleicht, wenn ich mir etwas ins Gesicht male. Und ich finde Astronomie spannend, deshalb dachte ich, ein Stern wäre cool. Und meine Lieblingsfarbe ist Blau.