Ein Musikfestival für die Solidarität
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Jetzt S+ abonnierenNormalerweise leistet das Haus der Solidarität (HdS) seine Arbeit abseits des Rampenlichts. Doch am 13. und 14. Juni dreht das Zugluftfest in Brixen-Milland den Verstärker auf. Das Benefizfestival bietet weit mehr als zwölf Live-Acts: Es ist ein kraftvolles Statement gegen die Resignation unserer Zeit.
„Wir haben das Motto ‚Make Hope Loud‘ gewählt, weil das Festival für uns immer einen besonderen Moment markiert“, erklärt Nina Beer, zuständig für Kommunikation und Fundraising beim HdS. „Wir machen unsere Arbeit weitestgehend im Verborgenen. Das Fest ist die Gelegenheit, nach draußen zu gehen und mit der Brixner Gemeinde und darüber hinaus in Dialog zu treten.“ Für Nina Beer ist das Festival ein notwendiger Gegenpol „Wir merken in dieser Zeit, dass die Zukunftsaussichten gerade für junge Menschen nicht mehr so rosig gesehen werden. Dass wir uns solidarisch einsetzen und aktiv versuchen, Zustände zu verbessern, gibt nicht nur den Menschen Hoffnung, denen wir helfen, sondern eben auch uns selbst.“
Die musikalische Programmgestaltung ist das Herzstück des Festivals. Evelyn Fink, die als Teil des Organisationskomitees hauptverantwortlich für die Musik zeichnet, verfolgt dabei eine klare Philosophie. Das Line-up für die 21. Ausgabe ist ein eklektischer Mix, der bewusst Genre-Grenzen überschreitet – von Psychedelic Stubnmusig bis Balkan-Punk. „Wir wechseln jedes Jahr das komplette Programm“, erklärt Fink ihre Strategie. „Es ist uns wichtig, dass verschiedene Gruppen eine Bühne bekommen. Wir versuchen, nicht zweimal hintereinander dieselben Musiker zu buchen, um wirklich eine Plattform für die Vielfalt der Südtiroler Szene zu bieten.“ Dabei achtet sie penibel auf die Mischung „Ein Großteil kommt aus Südtirol, wir fördern die Musik von hier, ergänzen das aber mit interessanten Bands aus dem Ausland, etwa aus Österreich.“
Wir sind im Kleinen, holen aber sehr interessante Gruppen her.
Dass das Budget dabei überschaubar bleibt, sieht Fink nicht als Nachteil „Wir arbeiten ohne staatliche Zuschüsse. Wir sind im Kleinen, holen aber sehr interessante Gruppen her. Es ist uns wichtig, dass man eine gewisse Bühnenerfahrung hat, aber wir geben auch Newcomern eine Chance. Das Wichtigste ist: Die Musik muss gut tanzbar sein, das entspricht unserer Zielgruppe.“
Programm-Übersicht: Das Line-up 2026
Samstag, 13. Juni
Main Stage: Jimi Henndreck, ANGER, CLUB99, Rebel Musig
Small Stage: DanDeLion, Kiuppo & Athomos, Wicked and Bonny’s Echo Syndicate
Sonntag, 14. Juni
Main Stage: Janka, Peppi und die Haislraggler, TurboTrööT
Small Stage: Gasubi, Ben Schlesier
Musikbeginn am Samstag ab 17.00 Uhr und am Sonntag ab 12 Uhr
Weitere Festival-Highlights
15.00 Uhr: Hula-Hoop-Workshop mit Evelyn Fink
15.00–18.00 Uhr: Festival-Styling, Vorlesetreppe & Kinderschminken
16.00 Uhr: Clownshow „Chaos & Charme“
Infostand: „Was bedeutet Wohnen für dich?“ (in Zusammenarbeit mit Miriam Heiler)
Web: zugluft
Wohnen als interaktiver Dialog
Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der existenziellen Frage „Was bedeutet Wohnen für dich?“ In Zusammenarbeit mit der Bozner Künstlerin Mirijam Heiler hat das HdS eine Kampagne gestartet, die als interaktiver Stand auf dem Festival präsentiert wird.
Wir wollten thematisieren, was verloren geht, wenn ein Ort zum Wohnen wegfällt.
Hier werden Statements von unterschiedlichsten Menschen gesammelt – von Politikerinnen und Politikern bis hin zu den Bewohnern des Hauses selbst. „Wir wollten thematisieren, was verloren geht, wenn ein Ort zum Wohnen wegfällt – das geht weit über das Materielle hinaus“, erläutert Beer. Dass das Zugluftfest in dieser Form existiert, ist das Ergebnis einer über Jahre gewachsenen Gemeinschaft. Sämtliche Einnahmen – ob aus dem kulturellen Programm oder der internationalen Küche – fließen zu 100 Prozent in die Sozialarbeit des Hauses, das derzeit rund 50 Menschen in schwierigen Lebenslagen begleitet.
Für Nina Beer ist das Fest mehr als ein Spenden-Event „Es kommen unterschiedlichste Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen und Bevölkerungsschichten zusammen und kommen ins Gespräch. Das ist die Grundlage, um füreinander Empathie zu entwickeln.“ Und natürlich darf der Spaß nicht zu kurz kommen „Wir freuen uns darauf, laut zu feiern, Fans da zu haben und gemeinsam zu tanzen. Es ist auch ein Moment, an die Bevölkerung etwas zurückzugeben.“