Unwissender Zündler
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Jetzt S+ abonnierenAlleanza Nazionale, Il Popolo della Libertà, Futuro e Libertà per l’Italia, L’Alto Adige nel cuore und Fratelli d’Italia. Das sind nur einige der rechtsgerichteten Parteien, denen Alessandro Urzì angehört(e). Allesamt haben sie es nicht so mit der Aufarbeitung der Geschichte – ob während des Faschismus oder in den Nachkriegsjahren.
Spannend wird es aber dann, wenn sich dieses Wissensdefizit – wie auch bei seinen Kollegen Marco Galateo oder Christian Bianchi – mit politischer Macht paart und mit eigens zusammengebrauter Besserwisserei, die immer wieder (k)alte Suppe der sich bekämpfenden Deutschen und Italiener aufwärmt. Vielleicht wollen sie durch menschenfeindliche und pietätlose Aussagen in den sozialen Medien ihre politische Unfähigkeit überspielen. Aber muss das sein?
Mit dem infantilen Sager „I terroristi hanno perso, abbiamo vinto noi“ liefert Urzì vor allem die Bestätigung für eines: mangelnde Sensibilität. Denn es geht in dieser Geschichte nicht um Sichtweisen und Meinungsfreiheit, sondern um Aufarbeitung und Emphatie, nicht um ein Match mit Siegern und Verlierern. Die Geschichte des Landes ist keine partita, und dementsprechend möchten auch viele in Südtirol nicht von Leuten vertreten werden, die das so sehen.
Triumphalismus unangemessen ...
Der stürmische Gegenwind auf seinen Siegesschrei zum Ableben eines Geisteswissenschaftlers Josef Fontana (1937-2026) ließ nicht lange auf sich warten, brachte aber weniger Urzì die Lorbeeren ein als vielmehr dem Historiker und einstigen Attentäter. Auch auf Nachfrage bei Urzì stellt sich heraus, dass er sich aus seinem sehr vereinfachten Schema von Ja oder Nein nicht zu lösen vermag. Dabei sind Geschichte, Gegenwart und Zukunft doch vielfarbig wie ein Regenbogen.
Was könnte helfen? Gewissenhafte Aufarbeitung der Vergangenheit, Offenheit für die Gegenwart sowie ein feines Gespür für das Wesentliche und Zukünftige. Bei all dem scheint Urzì (noch) danebenzuliegen.
‚Unterirdisch‘ ist dafür nur ein bescheidener Hilfsausdruck
„Ich hatte selbst vor geraumer Zeit einen historiografiegeschichtlichen Zwist mit Josef Fontana, gerade hinsichtlich der Einordnung des Südtirolterrorismus“, erinnert sich der Historiker Hannes Obermair. „Sein Ableben für posthume Abrechnungen zu benutzen, finde ich aber befremdlich. Insbesondere ist der hier zu beobachtende Triumphalismus unangemessen, der eigene Überlegenheitsansprüche nur allzu notdürftig kaschiert.“
Die Aussage von Urzì qualifiziere sich von selbst, meint der aktive Historiker und ehemalige Politiker Hans Heiss. „‚Unterirdisch‘“, sagt er, „ist dafür nur ein bescheidener Hilfsausdruck. Mit Polemiken und Streit sollten aber alle Parteien zuwarten, bis Josef Fontana seine letzte Ruhe gefunden hat. Die Polemik verdunkelt das Profil und die Persönlichkeit des Mannes, der ein aufmerksames Urteil verdient, das hinter dem giftigen Schlagabtausch verschwindet.“
Historikerin Sieglinde Clementi kommentiert den Urzì-Sager so: „Fakt ist, dass Fontana Gründungsmitglied des BAS (Befreiungsausschuss Südtirol, Anm. d. Red.) war und dieser Gewalt als politisches Mittel einsetzte. Fontana hat für seine Beteiligung an der Feuernacht mit einer langen Haftstrafe und Folterungen in Haft gebüßt. Diese Seite der Gewalt ist noch nicht aufgearbeitet und gehört zum historischen Gedächtnis wie die Attentate und deren Opfer. Polemik, Verklärung und Überhöhung von beiden Seiten helfen da nicht weiter, im Gegenteil: Ohne Wahrheit keine Gerechtigkeit.“
Für den Wissenschaftler und Journalisten Hans Karl Peterlini bezeugt die Aussage von Urzì, „dass es nicht eine Geschichte Südtirols gibt, sondern weiterhin sehr unterschiedliche und auseinanderklaffende Perspektiven auf unsere Vergangenheit – für Gebiete, die nationalpolitischem und ethnischem Gezerre ausgesetzt waren - und es teilweise immer noch sind-, ist das an und für sich normal.“
Er hat in seinem Leben bewiesen, dass er nicht von Hass getrieben ist, sondern die eigene Vergangenheit reflektieren kann.
Sehr „ungut“ findet Peterlini Urzìs „abbiamo vinto noi“, denn: „Wer kann nach Faschismus, Nationalsozialismus, der nationalistischen Nachkriegspolitik sowie den Attentaten mit viel Leid für alle Beteiligten, Opfer und Mitbetroffenen von einem Sieg sprechen? Das ist niederes Niveau.“ Wenn, so Peterlini weiter, „haben wir alle verloren oder alle gewonnen. Die Geschichte Südtirols ist eine Geschichte staatlicher Verschuldung an einer Minderheit, in der es auch ein gewaltsames Aufbäumen gegeben hat.“
Und zu Urzìs „Gewalt-Argument“, mit dem er sich selbst im Lichte des Friedensstifters sonnt? „Gründe für Gewalt sind vielfältig, kollektiv und individuell, aber ohne Zweifel trägt die gespürlose Nachkriegspolitik der damaligen Mitte-rechts-Regierungen einen hohen Anteil an Schuld. Entsprechend saß beim Mailänder Prozess nach Aussagen sehr ausgewogener Beobachter am Ende der Staat auf der Anklagebank. Wer hat also gewonnen?“, fragt Peterlini. Es gebe in dieser Geschichte eben „weder Gewinner noch Verlierer“, sondern vor allem „sehr viel Leid, das nicht in allen Fällen ausgeheilt werden konnte“.
Dai, dai. Zu spät ist nie.
Im Gegensatz zu Josef Fontana fehle Urzì die „Gabe der Differenzierung, die ein Politiker, der in Südtirol aufgewachsen ist, doch haben sollte“, betont Peterlini. „Fontana war sehr jung, als er zum Sprengstoff griff. Er hat keine Anschläge auf Menschen verübt; auch jener auf die Außenmauer der Villa von Ettore Tolomei kann nicht darunter fallen – das war ein symbolischer Anschlag auf einen Repräsentanten des Faschismus, den Urzì offenbar als Angriff auf seine eigene politische Herkunft empfinden muss.“ Zudem wurde Fontana noch „vor der Feuernacht verhaftet, er hat seine Taten bis auf den letzten Tag – acht Jahre – abgebüßt“, und „er hat in seinem Leben bewiesen, dass er nicht von Hass getrieben ist, sondern die eigene Vergangenheit reflektieren kann“.
Alessandro Urzì könne diesbezüglich „etwas von diesem Verstorbenen lernen, den er praktisch am Grab noch verunglimpft hat“, betont Peterlini. Ob aber Urzì noch dazulernen will?
Dai, dai. Zu spät ist nie.
Ist das ein Kommentar? Dann…
Ist das ein Kommentar? Dann bitte als solchen kennzeichnen. Ansonsten ist mir da wieder einmal zu viel persönliche Meinung des Redakteurs drin.
Antwort auf Ist das ein Kommentar? Dann… von Lollo Rosso
Es sind eher Interviews…
Es sind eher Interviews würde ich sagen.
Faschismus ist nun einmal…
Faschismus ist nun einmal Schwarz-Weiss-Malerei (mit viel zuviel Schwarz).
Manche furzen eben wie ihnen der Anus gewachsen ist, sie können nicht anders.
Mahlzeit
... vinto noi ...?, gegen…
... vinto noi ...?, gegen soviel politischer Dummheit + - Pietätlosigkeit ist kein Kraut gewachsen.
Als Mensch ist der Fontana dem Urzi sogar Turm-hoch überlegen!
Fontana hat moralisch…
Fontana hat moralisch gesiegt.