Heimat im Gepäck, Freiheit im Sinn
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Jetzt S+ abonnierenDavid Frank sitzt in der SALTO-Redaktion, die Steirische Harmonika immer im Kopf, und erzählt. Er ist ein offener, sympathischer Mensch, der über sein Instrument spricht, als wäre es eine eigene Sprache. In seiner Musik steckt genau das, was er ausstrahlt: ein tiefer Vinschger Kern, aber mit einer Lust am Ausbrechen. Wenn er spielt, verschmelzen vertraute Bergklänge mit den erdigen Akkorden des Blues und der Freiheit des Jazz. Es ist Musik, die von Heimat erzählt – und davon, wie weit man den Horizont im Kopf dehnen kann.
Seine Oma bemerkte das Funkeln in seinen Augen und kaufte ihm sein erstes eigenes Instrument.
Der Anfang seiner Reise war, wie er es selbst sagt, „eigentlich unspektakulär“. Keine Musikerfamilie weit und breit. „Es ist lustig, ich bin der Einzige in der Familie, der Musik macht“, erzählt er. „Mein Vater sagte immer, das habe ich von meinem Opa, der Mundharmonika gespielt hat.“ Seine Kindheit verbrachte er auf der Alm. Dort beobachtete er als kleiner Junge fasziniert den Hirten, der Ziehharmonika spielte. Seine Oma bemerkte das Funkeln in seinen Augen und kaufte ihm sein erstes eigenes Instrument.
In der Musikschule fand er später in Markus Hochkofler einen Lehrer, der sein Potenzial sah. Die „Hoangarts“ im Vinschgau, das gemeinsame Musizieren, waren für David anfangs eine Zerreißprobe „Das war eine totale Belastung für mich, weil ich so aufgeregt war. Ich war eine ganze Woche lang extrem nervös.“ Später, unter der Anleitung von Alexander Pamer, einem Weltmeister auf der Steirischen Harmonika, öffnete er sich für Neues. Pamer förderte ihn, schickte ihn zu Wettbewerben, bei denen er zweimal Vize-Südtirol-Meister wurde. „Als ich dann das erste Mal ein Stück von Herbert Pixner hörte, wusste ich: Okay, das ist die Richtung, in die ich gehen will. Das war eine Offenbarung, denn das ist eine komplett andere Richtung als die slowenische Musik, die ich zuvor kennengelernt hatte.“
Wien, Bozen und die kreative Heimat
Nach der Schulzeit zog es ihn nach Wien zum Studium der Agrarwirtschaft an der BOKU. In dieser Zeit begann er intensiv zu komponieren. „Bevor ich Wien verließ, habe ich 2019 mein Debüt-Album Amazia veröffentlicht – komplett in Eigenregie“, erinnert er sich. Dass er Produktion, Vermarktung, das Design und die Aufnahmeleitung selbst machte, war kein Zufall „Es hat mich gereizt, die ganze Erfahrung selber zu machen, anstatt Prozente abzugeben. Deswegen habe ich beide Alben im eigenen Verlag veröffentlicht.“
„Ich packe zusammen und fahre nach Matsch. Dort bin ich allein, schreibe die Stücke fertig und überlege mir, was dazu passt.“
Heute lebt der Vinschger in Bozen, doch die Wurzeln bleiben „Am meisten entsteht, wenn ich den Wechsel zwischen Wien und Matsch habe; dieser Kontrast war Zündstoff für meine Kompositionen.“ Wenn der Termin für eine Aufnahme drängt, zieht er sich in den Obervinschgau zurück „Ich packe zusammen und fahre nach Matsch. Dort bin ich allein, schreibe die Stücke fertig und überlege mir, was dazu passt.“ Sein zweites Album Venosta zeigt diese Tiefe „Ich habe versucht, mit Stücken wie ‚Inverno nero‘ oder ‚Winter im Tal‘ Melancholie hineinzubringen. Es ist tiefgründig und schwer – was mir bei der Steirischen Harmonika extrem gut gefällt.“ Dabei ist sein Spiel kein konstanter Zustand. „In Phasen ohne Auftritte kann es sein, dass ich das Instrument zehn Tage lang nicht anfasse. Dann steht sie da in der Ecke, und wenn ich vorbeigehe, denke ich mir: Soll ich sie jetzt in die Hand nehmen?“ Wenn er spielt, ist es intensiv. „Beim Komponieren für mein Ensemble denke ich die Geige und die Gitarre von Anfang an mit und überlege mir, wie sie zu meinen Harmonika-Melodien passen könnten. Wenn ich jedoch als Gastmusiker bei anderen Künstlern mitwirke, halte ich mich an deren Vision – das ist für mich eine sehr spannende, neue Erfahrung.“
„Wenn bei einem Konzert nebenbei gegessen wird, bringt mich das völlig aus dem Konzept.“
Für David ist ein Konzert eine eigene Wissenschaft. „Es gibt ganz wenige Konzerte, bei denen ich sage, da passt jetzt alles“, gibt er zu. „Wenn bei einem Konzert nebenbei gegessen wird, bringt mich das völlig aus dem Konzept.“ Sein Ziel: Die Leute für ein paar Stunden aus dem Alltag abholen. Dass sein Instrument oft in die „volkstümlich“ Schublade gesteckt wird, sieht er entspannt „Musik ist Ausdruck von Freiheit – jeder soll hören und spielen, was ihm gefällt.“
David Frank im Juli 2026
19. Juli 2026, 11.00 Uhr | St. Ulrich (Dolomitenregion Gröden) Matinée Sommerkonzert mit David Frank, Magdalena Oberstaller und Marc Perin.
25. Juli 2026, 20.30 Uhr | Stilfs StilZ Festival mit David Frank und Marc Perin.
Weitere Infos unter: www.davidfrankmusic.com Instagram
Die zwei Leidenschaften
Trotz des Erfolgs bleibt die Musik bisher sein „Nebenjob“, da er seiner Arbeit bei der IDM als Agronom mit großer Leidenschaft nachgeht. „Von der Musik zu leben, ist die Königsdisziplin. Das ist brutal schwierig“, sagt er offen. „Sich für ein Musikerleben zu entscheiden, bedeutet, viele Abstriche zu machen. Die berufliche Sicherheit gibt mir die Freiheit, bei einer Anfrage auch mal Nein zu sagen. Ich bin der Meinung, Kultur und Musik müssen fair bezahlt werden.“
Er blickt nach vorne: Statt ganzer Alben setzt er künftig vermehrt auf einzelne Singles. David geht seinen eigenen Weg, tief verwurzelt im Vinschgau, aber offen genug, um Grenzen zu verschieben. Ob er irgendwann den Sprung in die volle Professionalität wagt? Er lässt es offen „Es wäre natürlich spannend, das war schon lange mein Wunsch. Aber ich habe gelernt, den Prozess zu genießen, statt ihn zu erzwingen.“