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Jetzt S+ abonnieren„Man muss einfach dorthin, wo man sich entwickeln kann oder wo man die richtigen Chancen für sein Profil und für sein Lebensgefühl hat“, sagt die Autorin Maria E. Brunner und erzählt zu ihrem neuen Roman Die Ausgewanderte. Allerdings nur am Rand. In ihrem jüngsten Buch verknüpft Brunner autobiografische Elemente mit Fiktion. „Alles ist autobiografisch, selbst das Erfundene“, sagt sie. Ausgehend von ihrer eigenen Auswanderung aus Südtirol reflektiert sie im SALTO-Podcast-Studio über Heimat, Freiheit und das Leben zwischen Südtirol, Oberbayern und Sizilien.
In Zügen saß die Rastlose auf der großen grünen Insel am liebsten, weil sie so langsam über Land klapperten. Schon als Schulkind hatte sie auf den Holzbänken der Centoporte-Waggons der Ferrovie dello Stato die einzigen Stunden der Ruhe verbracht. Neben sich die abgearbeitete Frau mit dem Tod im Gesicht.
Berufliche Chancen führten Brunner vor Jahrzehnten vom Studienort Innsbruck fort, später wurde Sizilien durch ihre Zeit an der Universität Messina zu einer weiteren Heimat. Ein zentrales Thema des Romans ist das Thema Migration, geprägt von ihren Erfahrungen auf Pantelleria, wo sie das Schicksal von Geflüchteten aus nächster Nähe erlebte. Im Gespräch schildert sie die Hilfsbereitschaft der Inselbewohner, aber auch deren Ohnmacht angesichts der humanitären Krise im Mittelmeer. „Man bleibt wirklich sprachlos und man schaut auf dieses Meer und weiß und wiederholt sich das, dass es eigentlich der größte Friedhof ist, den wir inzwischen haben.“ Literatur versteht sie als Möglichkeit, gesellschaftliche Themen zu verarbeiten.
„Wir haben das Meer lange gefürchtet, dann haben wir es lieben gelernt“, heißt es im Buch. Die Ausgewanderte wird Zeugin vieler Fluchtrouten. Bis zum Tod der Mutter im Hochtal auf dem Bergbauernhof harrt sie auf einer unwirtlichen Mittelmeerinsel aus.
Im Gespräch mit SALTO erinnert Brunner auch an Alexander Langer und dessen Vision eines offenen, solidarischen Südtirols. Sie warnt vor zunehmendem Nationalismus und Begriffen wie „Remigration“ und betont hingegen die Bedeutung von Begriffen wie Offenheit und Menschlichkeit.
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