Gesellschaft | Medienkompetenz

Eine Kindheit ohne Smartphone

Ein halbes Jahr nach Projektstart zieht die Präsidentin von "Offline Kids Südtirol", Julika Fink, eine erste Zwischenbilanz. Die Initiative wächst weiter und stößt bei Eltern auf großes Interesse.
Offline Kids Südtirol

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Die italienische Gesellschaft für Pädiatrie (Società Italiana di Pediatria) rät dazu, Kindern vor dem 13. Lebensjahr kein eigenes Smartphone zu geben. Auch Julika Fink, Präsidentin von „Offline Kids Südtirol“, mahnt vor einer Nutzung von Smartphone und Internet in zu jungem Alter. In Anlehnung an den deutschen Digitaltrainer Daniel Wolf, betont Fink: „Wenn du einem Kind ein Smartphone, ein Handy mit Internetzugang, gibst, dann kannst du nicht vermeiden, dass es früher oder später etwas sieht, das nicht für Kinder geeignet ist.“ Denn man öffne nicht nur den Kindern ein Tor in die Welt, sondern auch der Welt ein Tor zu den Kindern.

 

„Mich überraschen die Aussagen der Eltern, wodurch klar wird, wie viel Unwissen herrscht.“

 

„Offline Kids Südtirol“ will den Eltern in Sachen Smartphone & Co. unter die Arme greifen: Primär geht es darum, Erziehungsberechtigte aufzuklären und zu vernetzen. „Ursprünglich wollten wir im November lediglich auf dem Ritten eine Elterngruppe gründen, aber dann hat das Projekt schnell viel Aufmerksamkeit erhalten und wuchs dadurch schneller als erwartet“, erzählt die Initiatorin Julika Fink. Sie hatte das Projekt bereits im vergangenen Dezember im Podcast „SALTO Unterwegs“ vorgestellt.

Das Logo der Initiative: „Offline Kids Südtirol“ gibt es seit November 2025. privat

Quer durch Südtirol

Bei der Frühlings-Infotour 2026 hat „Offline Kids Südtirol“ zahlreiche Südtiroler Gemeinden – wie Bruneck, Dorf Tirol, Sarnthein, Welschnofen, Prags und Prettau – besucht. „Die Personen, die zu den Elternabenden kommen, haben sich grundsätzlich schon ein bisschen mit dem Thema beschäftigt“, berichtet Fink. Die Medienpädagogin Magdalena Gebhard begleitete die Infotour, um Eltern darüber aufzuklären, wie junge Menschen ihre Smartphones nutzen. „Mich überraschen immer wieder die Aussagen der anwesenden Eltern, wodurch klar wird, wie viel Unwissen herrscht. Viele sind sich gar nicht bewusst, was die jungen Menschen mit ihren Smartphones tun“, meint Fink.

 

„Unser primäres Ziel ist es, Gleichgesinnte zu vernetzen, um dem sozialen Druck entgegenzuwirken.“

 

Einige Expertinnen und Experten raten dazu, Kindern erst ab 13 oder 14 Jahren ein eigenes Smartphone zu kaufen. „Natürlich gibt es auch individuelle Unterschiede. Gesellschaftlich hat sich diese Norm herausgebildet, dass man am Anfang der Mittelschule das erste Smartphone bekommt. Wir würden aber sogar eher für Ende der Mittelschule plädieren“, so Fink. Wichtig ist ihr dabei zu betonen, dass „Offline Kids“ niemandem etwas vorschreiben will und es nicht um die „einzig richtige“ Altersgrenze gehe. Vielmehr sollten Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder reif genug sind für die Nutzung eines Smartphones, beziehungsweise sich zuvor eine ausreichende Medienkompetenz angeeignet haben. Außerdem betont Fink: „Unser primäres Ziel ist es, Gleichgesinnte zu vernetzen, um dem sozialen Druck entgegenzuwirken. Wir wollen dafür sorgen, dass ein Kind, das noch kein Smartphone bekommt – weil die Eltern es als zu früh empfinden oder es selbst noch nicht bereit dafür ist – damit nicht allein bleibt.“

Auf Infotour: Julika Fink (rechts) zusammen mit Medienpädagogin Magdalena Gebhard (links). Offline Kids Südtirol

Eine der auf der Infotour empfohlenen Maßnahmen sei, laut der Präsidentin von „Offline Kids Südtirol“, Kinder beim Einstieg in die Smartphone-Nutzung zunächst mit einem gemeinsam genutzten Familiengerät zu begleiten. Schließlich sind die Gefahren und Risiken in der digitalen Welt für junge Menschen groß: Pornografie, Gewaltinhalte und Cyber-Grooming zählen dazu. Deswegen sei es zentral, dass die Eltern ihren Kindern beim ersten Kontakt mit dem Internet begleiten und immer eine Ansprechperson bleiben. Insbesondere bei jungen Mädchen kann zudem das Selbstwertgefühl unter dem ständigen Vergleich mit Bildern in sozialen Medien leiden. „Und natürlich auch die Aufmerksamkeitsspanne: Kinder sind ständig überstimuliert und abgelenkt – obwohl sich das Gehirn in dieser Phase noch stark entwickelt“, sagt Fink. Außerdem nehme das Handy sehr viel Zeit im Leben junger Menschen in Anspruch, die für andere Dinge fehlen würde. (Siehe Infobox)

Die Veranstaltung

Offline Kids Südtirol lädt zum großen Kids Festival unter dem Motto „Weil man offline so viel erleben kann“ auf dem Festplatz Unterinn am Ritten ein. Am 13. Juni ab 10 Uhr erwartet Familien mit Kindern von 0 bis 14 Jahren ein buntes Programm: Tanzshow, Mal-Ecke, Kinderschminken, Grillen, Vorlese-Ecke, Tanzworkshop und vieles mehr. Von 14 bis 16 Uhr findet eine Talentshow statt.

Politik, Plattformen und Verantwortung

Fink hält außerdem ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige, wie es vor knapp einem halben Jahr in Australien eingeführt wurde, für einen guten Ansatz. „So lange Anbieter wie Meta nicht ausreichend Jugendschutz garantieren können, ist die Politik gefragt“, meint Fink. 

Oder die Gerichtsbarkeit: Vor kurzem hatte eine junge Frau in den USA in einem viel beachteten Verfahren gegen Meta und Google geklagt und dabei erfolgreich einen Schadenersatz in Millionenhöhe erstritten, nachdem sie geltend gemacht hatte, dass deren Plattformen ihre psychische Gesundheit geschädigt hätten. Derzeit hat die Thematik eine große Medienpräsenz, auch etwa durch Handyverzicht-Projekte an Schulen. „Bei den Fernsehberichten darüber finde ich spannend, wie sogar die Schülerinnen und Schüler nach der handyfreien Zeit erkennen, was für einen großen Einfluss das Gerät auf sie hat“, so Fink.

Wann ist mein Kind bereit für das erste Smartphone: Die Infotour von „Offline Kids Südtirol“ stießt bei Eltern auf großes Interesse. Offline Kids

In Südtirol bietet das Forum Prävention bereits an Mittelschulen den Smartphone-Führerschein an. Laut Fink hat auch das Forum Prävention Interesse an einer zukünftigen Zusammenarbeit beim Projekt „Offline Kids Südtirol“ bekundet.

Im Herbst 2026 wird die Infotour fortgesetzt: Termine unter anderem in Meran und in Sand in Taufers sind bereits fix. Auch einige Schulen haben laut Fink Interesse an Terminen der Infotour gezeigt. Julika Fink zeigt sich aber bereits zum jetzigen Zeitpunkt zufrieden, da es viel Zuspruch zum Projekt „Offline Kids Südtirol“ gab. Ob die Initiative langfristig erfolgreich ist, will Fink daran messen, wie viele Mittelschüler im Alltag tatsächlich auf das Handy verzichten: Heute seien es vielleicht drei Kinder pro Klasse, später fünf – und in einigen Jahren idealerweise die Hälfte.

Die Herbsttermine der Infotour

  • 5. Oktober: Ritten
  • 7. Oktober: Klausen
  • 14. Oktober: Sand in Taufers
  • 15. Oktober: Gries
  • 19. Oktober: Passeier St. Leonhard
  • 21. Oktober: Eppan
  • 19. November: Glurns
  • 23. November: Meran
  • 24. November: Tisens
  • 26. November: Auer