Film | Rezension

Heilige Maria, Mutter Gottes

Regisseur David Lowery kann eine sehr diverse Filmographie vorweisen. Sein neues Werk gehört eindeutig zur verkopften Riege und erweckt die Geister der Vergangenheit.
Constantin

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Sieht man sich Filme wie A Ghost Story oder The Green Knight an, käme man auf die Idee zu behaupten, der Regisseur David Lowery sei eindeutig dem Arthouse-Kino zuzuordnen. Doch Ausflüge ins Blockbusterkino, oder eines, das dies zu sein wünscht, mit Filmen wie Peter Pan & Wendy oder Elliot, der Drache, widersprechen dieser Annahme. Was ist also nun sein neuer Film, der schon mit dem Titel Mother Mary biblische Assoziationen weckt? Sagen wir, er ist eher dem Kunstkino zuzuordnen, und doch bleibt nach dem Ansehen der Eindruck, dass sich der Film ein Kostüm übergeworfen hat und dass darunter eigentlich etwas anderes schlummert.

 

Die Geister sind anwesend, jene der Vergangenheit, die die Beziehung der beiden Frauen in der Gegenwart heimsuchen und ein Miteinander erschweren.

 

Mother Mary ist nicht nur der Name des Films, sondern auch jener einer Musikerin, die hier die Hauptrolle einnimmt. Sie hat große Erfolge gefeiert, vor einem Millionenpublikum gesungen, meist in opulente Kostüme gekleidet, die wohl ganz bewusst mit visuellen Anspielungen an sakrale Motive arbeiten. Jetzt ist Mother Mary jedoch müde, und das anstehende Comeback scheint von Anfang an keine gute Idee zu sein. Das perfekte Bühnen-Outfit muss her, wofür die Musikerin eine alte Freundin engagiert, die in ihrer Funktion als Modedesignerin dafür sorgen soll, dass die Rückkehr auf die Bühne gelingt. In einer Villa irgendwo bei London ziehen sich die beiden Frauen zurück, nicht im Haupthaus, sondern in einem einzelnen Gebäude, wo sie ungestört sind. Bald zeigt sich im gemeinsamen Austausch, dass von Alleinsein keine Rede sein kann. Die Geister sind anwesend, jene der Vergangenheit, die die Beziehung der beiden Frauen in der Gegenwart heimsuchen und ein Miteinander erschweren. Das liegt zum einen am geistigen Zustand von Mother Mary, die deutlich mitgenommen scheint und auf Vorschläge, Angebote und Zugeständnisse ihrer Freundin gereizt reagiert. Was als Kammerspiel beginnt, öffnet sich durch visuelle Spielereien, wenn etwa das Erzählte vor den Augen der beiden Frauen nachgespielt wird, wenn sich Räume und Zimmer öffnen, und immer wieder Konzertausschnitte gezeigt werden. 

Das perfekte Kostüm muss her, doch zwischenmenschlich hapert es. Constantin

David Lowery erzählt in seinem neuen Film vom Dasein einer Künstlerin, über Freundschaft und Vertrauen, über Bindung und das Geisterhafte der Vergangenheit. Er tut es mit der für ihn typischen Langsamkeit, die jedoch, im Unterschied zu Werken wie A Ghost Story, mit melodramatischen Dialogen ausgeschmückt wird. Da können selbst Anne Hathayway als Mother Mary und Michaela Coel als Designerin Sam nicht viel ausrichten – der Film mutet oftmals eher wie ein Theaterstück an, die Figuren wie Schablonen, nicht wie echte Menschen. Wenn im letzten Drittel surreale Elemente das Steuer übernehmen, verliert sich der Film etwas zu sehr in visuelle und erzählerische Schocks.

 

Feinfühliges Drama, Geschichte einer Freundschaft, Musikfilm, Horrorfilm etwa?

 

 Er stellt dem Publikum ein Rätsel, jedoch eines, bei dem es leider nicht sonderlich reizvoll scheint, es zu lösen. Mother Mary fühlt sich schal an, wie eine Hülle, unter der sich nichts befindet. Der Film behauptet in Bildern, Tönen und Sprache, größer zu sein, als er ist. Lediglich die Musik, die von Produzenten Jack Antonoff, dem Komponisten Daniel Hart und der Musikerin Charlie xcx stammt, kann Akzente setzen und glaubhaft illustrieren, aus welcher Welt Mother Mary kommt. Der Film kann sich bis zum Schluss nicht recht entscheiden, was er sein will. Feinfühliges Drama, Geschichte einer Freundschaft, Musikfilm, Horrorfilm etwa? Anstatt sich zu fokussieren, zerfasert der Film, was angesichts des Talents vor und hinter der Kamera recht schade ist.