Wo bleibt die gelebte Zweisprachigkeit?
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Jetzt S+ abonnierenDie gefälschten Zweisprachigkeitsnachweise im Südtiroler Sanitätsbetrieb haben eine alte Diskussion wieder hochkochen lassen. Nicht die juristische – die wird ihren Lauf nehmen –, sondern die eigentlich wichtigere: Wie steht es wirklich um die Zweisprachigkeit in Südtirol?
Gabriele Di Luca, seit dreißig Jahren Wahlbozner, hat in seinem Buch Lingue matrigne – La menzogna del bilinguismo eine These formuliert: Was als Vorzeigemodell gelebter Mehrsprachigkeit gilt, ist in Wirklichkeit vor allem bürokratischer Zwang – eine institutionelle Fassade, hinter der sich Spannungen und erzwungene Koexistenz verbergen.
Ist das zu hart geurteilt? Oder trifft es den Kern? Und hat die Politik überhaupt noch etwas dazu zu sagen?
Genau darüber wollen wir diskutieren – mit jenen, die politisch Verantwortung tragen und mit Ihnen, die Sie hoffentlich im Publikum sitzen werden.
SALTO und der Verlag alphabeta laden am 16. Juni zum Diskussionsabend ins Waltherhaus: Gabriele Di Luca im Gespräch mit den Landesräten Philipp Achammer und Christian Bianchi, moderiert von SALTO-Chefredakteurin Simonetta Nardin.
Waltherhaus, Sparkassensaal – 16. Juni, 18:00 Uhr. Eintritt frei.
Seit Jahrzehnten nennt man…
Seit Jahrzehnten nennt man vor allem Gründe, wieso man in der Tirol-Provinz angeblich nicht Deutsch lernt oder lernen kann/will und adressiert in ideologischen Engführungen stattdessen vor allem Schuldzuweisungen und Positionen, wie auch hier.
Diese gilt es vielmehr zurückzuweisen und Selbstverständliches einzufordern.
Warum gibt es nicht schon längst mehrsprachige Wettbewerbe, in denen mündliche, schriftliche und praktische Kompetenzen in Deutsch, Italienisch und Englisch umfassend geprüft werden (siehe D.Lgs. 75/2017 bzw. D.Lgs. 165/2020)?
Ebenso wäre es doch naheliegend, dass Mitarbeitende während der Probezeit oder vor Gehaltseinstufungen und -vorrückungen entsprechend begleitet und anhand ihrer Leistungen bewertet werden, insbesondere angesichts der Tatsache, dass immerhin monatlich eine Zweisprachigkeitszulage ausgezahlt wird.
Warum also sollten die steuerzahlenden Bürger, Patienten und Konsumenten Südtirols nicht konsequent eine gleichwertige Dienstleistung in der Landessprache ihrer Wahl – Deutsch, Italienisch oder Englisch – auf einem europäischen Qualitätsstandard erwarten können?