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Politik | Sie haben gut reden

Aus die Maus

Unfrei leben und freiwillig sterben: eine Reflexion zum assistierten Suizid

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Der Landesrat für Gesundheit, Hubert Messner, war im Begriff, einen Gesetzesvorschlag zum medizinisch assistierten Suizid vorzulegen. Der Bischof hat die Nase gerümpft, woraufhin der Landesrat seine Zettel wieder unter der Schulbank verschwinden ließ. Der Gesetzesvorschlag wurde zurückgezogen. Messner will dabei umsetzen, was das italienische Verfassungsgericht bereits entschieden hat: Die Beihilfe zum Suizid ist in Italien unter bestimmten Bedingungen nicht mehr strafbar. So haben die Richter geurteilt und genauso denken viele Leute, die keinen Sinn darin sehen, das Leiden moribunder leidender Menschen unnütz zu verlängern. 

Es ist der freie Tod nach einem unfreien Leben. Umgekehrt wäre es mir lieber.  

Nota bene: Beim assistierten Suizid ermöglicht ein Mensch einem anderen die Selbsttötung. Anders bei der Euthanasie, wo ein Mensch auf Anfrage eines anderen aktiv handelt, um dessen Leben zu beenden. Doch befürchten viele, dass dieser Beistand ein erster Schritt sei, der einen  Dammbruch bewirken werde. Zurecht! Die legale Sterbehilfe wurde im Jahr 2002 in den stets fortschrittlich-liberalen Niederlanden bei Krebspatienten eingeführt. Die Kriterien für die Lebensbeendigung wurden in den letzten 20 Jahren massiv ausgeweitet und viel mehr Menschen als erwartet machten aus unterschiedlichsten Gründen davon Gebrauch. Zu den Gründen gehören mitunter Einsamkeit und die Angst, anderen zur Last zu fallen. Auch wurden 39 unmündige Menschen mit einer geistigen Behinderung getötet, wie eine Studie der Kingston-Universität nachgewiesen hat. Dieselben Niederländer sind heute schockiert.  

Doch unendlich dahinsiechen wollen wir auch nicht. Ganze Abteilungen unserer Krankenhäuser sind inzwischen zu Altersheimen mutiert. Dies ist eine bekannte, wenn auch kaum benannte Tatsache. Die Mediziner walten ihres Amtes – etwas anderes haben sie nie gelernt – und verlängern mit Strom, Schläuchen und Medikamenten die letzten Lebensjahre. Diese Medikalisierung wurde inzwischen auf das restliche Leben ausgedehnt. Eine bürokratische Zwangsweste degradiert uns zur Unmündigkeit und bringt uns um unsere Freiheit. Sobald wir dieser Brutkastenexistenz überdrüssig sind, ziehen wir schließlich aus freien Stücken den Stecker aus der Dose. Aus die Maus. Es ist der freie Tod nach einem unfreien Leben. Umgekehrt wäre es mir lieber.