Wirtschaft | Abwässer

Verkaufsschlager erhöht Wasserverbrauch

Das alkoholfreie Bierchen ist zwar gesünder, aber in der Produktion viel aufwändiger: Die Produktlinie Forst 0,0% der Spezialbier-Brauerei ist dafür ein gutes Beispiel.
Die alkoholfreie Variante: Während die Abssatzzahlen beim klassischen Bier seit Jahren sinken, ist das alkoholfreie vor allem bei jungen Menschen beliebt. Bild: Pexels / Vinícius Caricatte

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Seit Februar 2020 ist das alkoholfreie Bier der Spezialbier-Brauerei Forst AG in Italien auf dem Markt. Durch die geänderten Trinkgewohnheiten sorgte das neue Produkt für erhöhte Absatzzahlen. Und der Wasserverbrauch der Bierproduktion soll sich in Algund seitdem um Einiges erhöht haben: Was als gesunde Alternative zum traditionellen Bier gilt, ist in der Produktion viel aufwändiger. Um die Alkoholmoleküle in den Anlagen für die „Forst 0,0%“-Linie zu entfernen, muss das gesamte System mit frischem Wasser gereinigt werden, wie SALTO vorliegende Informationen bestätigen. 

Die Produktion des beliebten alkoholfreien Biers läuft zu Beginn gleich ab wie beim alkoholischen. Anschließend wird die Flüssigkeit durch die sogenannte Umkehrosmose mit Diafiltration alkoholfrei gemacht. Die organischen Reste des Alkohols gelangen in die Kanalisation und landen dann in der Kläranlage von Sinich. Das wäre an sich kein Problem, gäbe es keinen Rekordhitzesommer, Übertourismus und knappe Ressourcen. Wegen anhaltender Trockenheit musste dieselbe Forst AG heuer sogar die Produktion des Meraner Mineralwassers zurückfahren. 

Seltener berauscht: Laut der 2024 durchgeführten Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen ist der Alkoholkonsum bei Schülerinnen und Schülern im Alter von 15 bis 16 Jahren im Zeitverlauf gesunken. Unsplash / Laura Stefan

Da sich die Produktionsanlagen der Forst in Algund außerdem in einem touristisch hoch entwickelten Einzugsgebiet befinden, hat die Eco Center AG ihre Kläranlage in Sinich kürzlich für 26,5 Millionen Euro ausgebaut: Obwohl in den 15 Gemeinden – Meran, Algund, Hafling, Kuens, Lana, Marling, Partschins, Riffian, Schenna, Dorf Tirol, Tscherms, Naturns, St. Leonhard in Passeier, St. Martin in Passeier und Plaus – nur etwas mehr als 90.000 Menschen leben, hat die Anlage eine Kapazität von 619.000 Einwohnergleichwerten. In der aktuellen Diskussion über die Auslastung einzelner Kläranlagen teilte gestern der Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) in einer Aussendung mit, dass er eine sachliche und differenzierte Betrachtung fordere. 

„Selbstverständlich trägt das touristische Aufkommen zu einer höheren Auslastung der öffentlichen Infrastrukturen bei. Es greift aber zu kurz, dafür in erster Linie die Beherbergungsbetriebe verantwortlich zu machen“, sagt HGV-Präsident Klaus Berger. Gerade in touristisch geprägten Gemeinden und den Städten Bozen und Meran seien zu Spitzenzeiten neben den Gästen der gewerblichen Beherbergungsbetriebe auch viele Zweitwohnungen, kurzzeitig vermietete Wohnungen sowie Privatzimmervermietungen belegt. Hinzu kämen die vielen Tagesgäste. Im Fall Burggrafenamt reinigt die Kläranlage in Sinich auch die Industrieabwässer der Firma Forst und der Firma Zipperle.

Von Bier zu Abwasser

Seit dem Jahr 2020 haben sich durch die Erzeugung von alkoholfreiem Bier auch die Industrieabwässer der Forst AG erhöht. Dabei wird das fertige Bier unter extrem hohem Druck gegen mikroskopisch kleine Membranen gepresst, die die Aromen vom alkoholhaltigen Flüssigkeitsanteil trennen. Um den Alkohol vollständig von den Aromamolekülen abzuspalten und zu entfernen, ohne dass die Filter verstopfen, muss während der Produktion kontinuierlich sauberes Wasser in den Kreislauf gesprüht werden. 

Sobald der Alkohol extrahiert ist, wird die gesamte Masse an Wasch- und Spülwasser zu einem Produktionsabwasser, das entsorgt werden muss. Hinzu kommen die Wassermengen, die zur Kühlung der leistungsstarken Hochdruckmaschinen und für die kontinuierliche Desinfektion der Anlage benötigt werden – ein unverzichtbarer Schritt, da alkoholfreie Produkte wesentlich anfälliger für bakterielle Verunreinigungen sind.

Die Kläranlage in Sinich: Mit 619.000 Einwohnergleichwerten hat sie eine größere Kapazität als die Anlage in Bozen mit 450.000 Einwohnergleichwerten. Eco Center AG

Bei der Erweiterung der Kläranlage in Sinich wurde nun eine eigene anaerobe Hochlastanlage für Industrieabwässer gebaut. So sollen in Zukunft Abwasser von Haushalten und Industrie getrennt werden, was noch fehlte ist die eigene Schwarzwasserleitung für Forst und Zipperle. Diese wurde letztes Jahr für 6,9 Millionen Euro errichtet und verbindet die bereits bestehende Sonderleitung des Getränkeherstellers Zipperle mit einer neuen Forst-Sonderleitung. „Mit der anaeroben Anlage kann ich große Mengen an Biogas produzieren, wodurch sich meine Betriebskosten erheblich senken lassen“, erklärt Eco Center-Präsident Dario Dal Medico auf Nachfrage. 

Hinweis: Die Forst-Sonderleitung wurde bereits letztes Jahr im Herbst fertiggestellt, die fehlerhaften Informationen wurden nun korrigiert (14.09.2026). 

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