Eiersuchen im Alpenland
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Im Jahr 2005 wurde das renommierte Schweizer Institut Malik nach Südtirol gerufen, um Lösungen für einen nachhaltigen Tourismus im Hochabteital vorzuschlagen. Eines der hehren Ziele war der komplette Verzicht auf motorisierten Verkehr im Tal. Man hatte den Eindruck, die Dolomitenladiner wollten zu einer Hippie-Kommune werden, oder, fromm wie sie sind, zu einer frühchristlichen Gemeinde in Gütergemeinschaft.
„Reden Politiker über den Abbau der Bürokratie, so weiß ich: Das Gegenteil wird passieren.“
Seitdem redet man über die Reduzierung des motorisierten Verkehrs auf den Dolomitenpässen, seit drei Jahren reden wir über die Bettenobergrenze, im Volksmund Bettenstopp. Gleichzeitig redet man über die Einschränkung des rasanten Anwachsens der touristischen Kurzzeitvermietung (Airbnb unter anderem). Es wird mit anderen Worten viel geredet. Und die Rede ist manchmal eine Vorstufe zum Handeln, manchmal dessen Ersatz. Wie meinte Joan Baez: „I am so good with words, because I am so bad with anything else.“ Doch schafft man durch Reden Tatsachen, wie die hochgelahrten Sprachtheoretiker von den Kathedern der Universitäten dozieren. Alles ist Kommunikation! Dennoch wird mir Angst, wenn über ein zu lösendes Problem geredet wird. Reden Politiker über den Abbau der Bürokratie, so weiß ich: Das Gegenteil wird passieren.Der Oster-Tourismus in Südtirol zieht sich inzwischen durch den ganzen April und immer mehr Menschen wollen ihre Eier in Südtirol suchen. Die IDM-Strategie besteht schließlich darin, die Saison auf Herbst und Frühling auszuweiten. Nicht mehr eine kurze Hochsaison, sondern Ganzjahreskarneval.
„Anderswo regnet es Bomben, bei uns Touristen.“
Die Blechlawinen auf unseren Straßen bewirken einen kaum zu verschmerzenden Verkehrsstau. Daher hatte der Landesrat für Mobilität die fulminante Idee, den Sellastock mit einem unterirdischen Tunnel zu durchbohren, um einen unbehinderten Verkehrsfluss zu ermöglichen. Irgendwann wird auch der Brennerbasistunnel fertig sein, dann werden die Touristen aus dem Schoß der Berge direkt in unser Weltkultur-Laufband ausgespien. Doch bis wir die Berge ausgehöhlt haben, könnte man in Verona und Innsbruck zwei Katapulte errichten, um die Touristen über die Alpengipfel hinweg direkt ins Hotel zu schießen. Anderswo regnet es Bomben, bei uns Touristen.Gewiss ist, dass die Mobilität im Tourismus in den letzten Jahren nicht nur in Südtirol, sondern in der gesamten industrialisierten Welt rasant zugenommen hat. Aber warum sind wir eigentlich ständig unterwegs? Angeblich weil wir uns von der Arbeit erholen wollen. Auch wollen wir etwas Neues erleben! Also fahren wir weg. Doch je mehr die Menschen unterwegs sind, desto überlaufener werden touristische Orte sein, und desto weniger können wir uns erholen. Und desto weniger Neues erleben wir. Den Tourismus kennen wir ja bereits; ein Teufelskreis, den Enzesberger auf den Punkt gebracht hat: „Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet.“
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