Gesellschaft | Familienplanung

Gonasi HP: Lagerbestand aufgebraucht

Das Medikament für die künstliche Befruchtung muss derzeit in Österreich gekauft werden – für viele Paare ein weiteres Hindernis für die Erfüllung ihres Kinderwunsches.
Künstliche Befruchtung
Foto: Seehauserfoto
  • Die fehlende Verfügbarkeit des Medikaments Gonasi HP für die Hormontherapie bei der künstlichen Befruchtung stellt derzeit viele Paare vor Herausforderungen. „Hinsichtlich der Ursache wurde uns vom Hersteller nicht mitgeteilt, ob diese in der Produktion oder im Marketing liegt“, erklärt Johann Georg Brugger, wissenschaftlicher Leiter des landesweiten Zentrums für Reproduktionsmedizin in Bruneck. Um das rezeptpflichtige Medikament trotzdem zu erhalten, wird es entweder von Apotheken oder den Betroffenen selbst aus Österreich eingekauft. 

     

    Die schwierige Suche nach dem Medikament zeigt einmal mehr die Ursachen für die sinkende Geburtenrate auf.

     

    Durch das steigende Alter von Frauen bei der Geburt des ersten Kindes sinkt auch die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft: Laut dem Gesundheitsbericht des Landesstatistikinstituts ASTAT lag das durchschnittliche Alter der Frau bei der Entbindung bei 31,5 Jahren, in Italien bei 32,5 Jahre. Laut Fachliteratur wird eine Frau Anfang 20 am leichtesten schwanger. Ab dem 30. Lebensjahr nimmt die Fruchtbarkeit kontinuierlich ab und sinkt ab dem 35. Lebensjahr noch einmal deutlich in Abhängigkeit von der Eizellreserve und Eizellqualität.

  • Kinderwunsch: Durch die langen Ausbildungswege hat sich die Familiengründung nach hinten verschoben. Foto: Pavel Danilyuk / Unsplash
  • Genau hier setzt das Medikament Gonasi HP an, das aus dem Urin schwangerer Frauen gewonnen wird und die Reifung der Eizellen und den Eisprung fördert. Das Hormon steht außerdem auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), um die Verwendung bei männlichen Athleten zu unterbinden. Auch im Body-Building-Bereich soll das Medikament dafür missbraucht werden, die körpereigene Testosteronproduktion anzuregen. 

  • Paradigmenwechsel gefragt?

    Die schwierige Suche nach dem Medikament für den Eisprung zeigt einmal mehr die Ursachen für die sinkende Geburtenrate auf. Für Christa Ladurner, Sprecherin der Allianz für Familie, sind die Entwicklungen nicht überraschend. „Viele Frauen haben lange Ausbildungswege an der Universität hinter sich und wollen erst einige Jahre Berufserfahrung sammeln, bevor sie eine Familie gründen. Außerdem haben sich die Erwartungen gut ausgebildeter Frauen an Partnerschaft und Familie geändert. Sie wünschen sich heute aktive Väter, wie auch Studien zu Geschlechtergerechtigkeit der Nobelpreisträgerin Claudia Goldin zeigen.“ 

  • Christa Ladurner: „Dass die Fruchtbarkeit mit steigendem Alter sinkt, ist eine physiologische Tatsache.“ Foto: Seehauserfoto
  • Trotzdem sieht die renommierte Expertin Handlungsbedarf: „Dass die Fruchtbarkeit mit steigendem Alter sinkt, ist eine physiologische Tatsache. Außerdem haben die langen Ausbildungswege zur Folge, dass junge Menschen erst viel später selbstständig werden und von zuhause ausziehen. Damit wird die Pubertät gewissermaßen künstlich verlängert“, meint Ladurner. „Es stellt sich deshalb die Frage, ob wirklich für jedes Berufsbild studiert werden muss oder ob nicht die duale Ausbildung beispielsweise im Sozial- und Pflegebereich gestärkt werden sollte, alleine schon um die Selbstständigkeit junger Menschen zu fördern.“  

    Laut dem Zentrum für Reproduktionsmedizin in Bruneck sind die Anfragen für künstliche Befruchtungen in den letzten Jahren in etwa gleichgeblieben und haben sich auf das Vor-Corona Niveau eingependelt.