„Über Tourismus“: Wie viel ist genug?
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Jetzt S+ abonnierenTourismus ist vor allem im Alpenraum eine Erfolgsgeschichte. Er hat Wohlstand in periphere Regionen gebracht, Arbeitsplätze geschaffen, Abwanderung gebremst und kulturellen Austausch gefördert. Aber was geschieht, wenn aus dieser Erfolgsgeschichte ein Wachstumszwang wird?
„Wer entscheidet darüber, wie viel Tourismus ein Lebensraum verträgt?“
Dieser Frage widmet sich die Ausstellung „Über Tourismus“ des Architekturzentrum Wien, die nach Stationen in Wien, Innsbruck und München nun in Bruneck zu sehen ist. Der Heimatpflegeverband Südtirol zeigt sie bis zum 25. Oktober in der Alten Turnhalle und im NOBIS. Die Ausstellung untersucht Tourismus nicht als isolierten Wirtschaftszweig, sondern als globales Phänomen, das Landschaft, Architektur, Mobilität, Klima, Landwirtschaft und das Zusammenleben in Städten und Dörfern verändert.
CHANGE
Tourismus und Overtourism beschäftigen uns bei CHANGE in den Monaten September und Oktober. Unsere Partner bei der Bearbeitung und Vertiefung dieses Themenkomplexes sind der Heimatpflegeverband Südtirol, die Toblacher Gespräche, Politis und UFO Bruneck.
„Über Tourismus“ ist keine Abrechnung mit dem Reisen und keine moralische Anleitung zum richtigen Urlaub. Die Ausstellung fragt vielmehr, welche räumlichen und gesellschaftlichen Folgen ein Tourismus hat, bei dem Menschen immer öfter, weiter und für kürzere Zeit verreisen. Was geschieht mit Landschaft und Boden, mit Wohnraum und Verkehr, mit Dörfern und Städten, wenn sie immer stärker touristisch genutzt werden?
Die Wiener Originalausstellung gliedert diese Fragen in acht Kapitel. Für die Präsentation in Bruneck wurden sie auf zwei Standorte verteilt und unterschiedlich gewichtet. Fünf Schwerpunkte bilden den Kern der Ausstellung in der Alten Turnhalle: REISE, SONNE, STADT, DORF und NATUR. Dort sind auch ergänzende Südtiroler Beiträge und Projekte zu sehen, welche die internationalen Fragestellungen auf die Situation im Land herunterbrechen.
ÜBER TOURISMUS
Die vom Architekturzentrum Wien (Az W) entwickelte Ausstellung „Über Tourismus“ untersucht die Auswirkungen des global wachsenden Tourismus auf Landschaft, Architektur, Mobilität, Klima und Gesellschaft. Nach Stationen in Wien, Innsbruck und München wird sie vom Heimatpflegeverband Südtirol in Bruneck gezeigt. Internationale Beispiele, Daten und alternative Strategien gehen der zentralen Frage nach: Wie kann ein Tourismus aussehen, der nicht zerstört, wovon er lebt?
8. September bis 25. Oktober 2026
Alte Turnhalle und NOI Techpark NOBIS, Bruneck
Eintritt frei. Mo–Fr 9–12 und 16–19 Uhr; Sa/So 10–16 Uhr (Wochenende nur Alte Turnhalle). Führungen und ein eigenes Vermittlungsprogramm für Schulen werden angeboten.
Reise, Stadt, Dorf und Natur
„REISE“ beginnt mit einer vermeintlich banalen Frage: Wie kommen wir eigentlich in den Urlaub? Damit rückt die Mobilität ins Zentrum – und mit ihr Energieverbrauch, Verkehr und CO₂-Emissionen. Das Kapitel „SONNE“ dreht die Perspektive um: Tourismus trägt nicht nur zum Klimawandel bei, sondern ist selbst zunehmend von ihm betroffen. Schnee, Hitze und Wasser werden zu Schlüsselfaktoren eines Wirtschaftsmodells, dessen natürliche Voraussetzungen sich gerade verändern.
„STADT“ und „DORF“ zeigen zwei unterschiedliche Seiten derselben Entwicklung. In touristisch stark frequentierten Städten konkurrieren Ferienwohnungen mit dauerhaftem Wohnraum, während in ländlichen Räumen Tourismus Arbeitsplätze schaffen, Infrastruktur erhalten und Abwanderung entgegenwirken kann. Zugleich verändert er dort Bodenpreise, Ortsbilder und soziale Strukturen. „NATUR“ schließlich fragt, was geschieht, wenn Landschaft selbst zum touristischen Produkt wird – und damit immer stärker erschlossen, inszeniert und teilweise privatisiert wird.
Im zweiten Ausstellungsort, dem NOBIS, sind die drei weiteren Kapitel „ALM“, „HOTEL“ und „PLANUNG“ untergebracht. Sie behandeln das Spannungsfeld zwischen Tourismus und Landwirtschaft, den Wandel der Beherbergungsarchitektur und schließlich die entscheidende Frage, wie touristische Entwicklung überhaupt gesteuert werden kann. Das Kapitel „PLANUNG“ führt damit viele Fäden der Ausstellung zusammen: Welche Möglichkeiten haben Raumplanung und Politik, wirtschaftliche Interessen, Lebensqualität und den Schutz begrenzter Ressourcen gegeneinander abzuwägen?
DAS RAHMENPROGRAMM
Die Ausstellung wird von Vorträgen, Expertengesprächen, Diskussionen, Film, Literatur und Musik begleitet. Die siebenteilige Reihe „Über Tourismus reden“ in Zusammenarbeit mit POLItiS behandelt unter anderem touristische Mobilität, Landschaftsverbrauch, Klimawandel und die Zukunft der Alpen.
Auch die Toblacher Gespräche am 25./26. September knüpfen mit dem Motto „Tourismus: Seit 40 Jahren nichts gelernt?“ thematisch an die Initiative des Landesverbandes für Heimatpflege an. Darüber hinaus wird es am 2. Oktober eine Diskussion über Tourismus und Baukultur geben. Am 8. Oktober geht es darum, wie „Tourismus in Maßen statt in Massen“ erreicht werden kann. Am 13. Oktober folgt die Buchvorstellung „Wilde Jahre“ und den Abschluss bildet nach dem SALTO talk am 21. Oktober (siehe nächsten Absatz) am 25. Oktober eine Matinee mit der Bumtschak-Welle.
Südtirol als Realitätscheck
Die Ausstellung „Über Tourismus“ in Südtirol zu zeigen, verleiht diesen Fragen besondere Relevanz. Hier ist Tourismus längst nicht nur eine Branche unter anderen. Er formt Landschaft und Architektur, erzeugt Mobilität, beeinflusst Grundstücks- und Immobilienmärkte und prägt die Entwicklung ganzer Täler und Dörfer.
Südtirol ist zugleich ein interessantes Beispiel dafür, dass die Grenzen des Wachstums inzwischen auch politisch diskutiert werden. Mit dem Landestourismusentwicklungskonzept 2030+ wurde versucht, Tourismus stärker mit Raumordnung, Nachhaltigkeit und den Bedürfnissen der ansässigen Bevölkerung zu verbinden. Besonders sichtbar wurde dieser Paradigmenwechsel mit dem Versuch, die Bettenanzahl zu begrenzen. Der sogenannte Bettenstopp muss inzwischen wohl auf Grund zahlreicher Übergangs-, Ausnahme- und Adhoc-Bestimmungen in seiner Wirkung als gescheitert betrachtet werden. Gleichwohl dokumentiert der politische Aktionismus zumindest ein gewisses Problembewusstsein der politischen Akteure: Quantitatives Wachstum kann in einer räumlich begrenzten Tourismusregion nicht unbegrenzt fortgesetzt werden.
„Welche Form von Tourismus ist mit den begrenzten Ressourcen eines Lebensraums vereinbar und wer legt die Regeln dafür fest?“
An diesem Punkt geht die Brunecker Variante der erfolgreichen Ausstellung „Über Tourismus“ tiefer. Die ergänzenden Südtiroler Beiträge machen aus einer internationalen Ausstellung einen Realitätscheck vor Ort.
SALTO TALK | START.KLAR
Einen besonderen Akzent setzt der SALTO talk als Kooperationsveranstaltung mit der UFO-Reihe „start.klar“. Tourismusforscher Thomas Bausch und Autorin und Tourismusexpertin Sylvia Rier diskutieren mit Markus Lobis über Overtourismus und Belastungsgrenzen: Wie steht es um die Tourismusakzeptanz in Südtirol? Wann wird Wachstum zur Belastung? Und wie lässt sich das Verhältnis zwischen Gästen, Einheimischen und Lebensraum neu austarieren? Der Dialogabend wird in Zusammenarbeit von SALTO change und start.klar im UFO Bruneck angeboten.
SALTO TALK | START.KLAR
21. Oktober, 20 Uhr | UFO Bruneck
„Tourismus auf Rekordjagd – Wann kippt die Stimmung in der Destination Südtirol?“
Die fünf zentralen Themen „REISE“, „SONNE“, „STADT“, „DORF“ und „NATUR“ lassen sich beinahe unmittelbar auf Südtirol übertragen: auf den touristisch mitverursachten Verkehr über die Alpen und in die Dolomitentäler, auf die Zukunft des Wintersports im Klimawandel, auf Wohnungs- und Bodenpreise, auf den Umbau der Dörfer und auf den zunehmenden Nutzungsdruck auf Berge, Seen und andere Landschaftsräume.
Die Ausstellung stellt eine grundsätzlichere Frage als die mittlerweile allgegenwärtige Forderung nach „nachhaltigem Tourismus“: Wer entscheidet darüber, wie viel Tourismus ein Lebensraum verträgt?
Genau diese Frage greift auch das umfangreiche Rahmenprogramm der Brunecker Ausstellung auf. Bei Expertengesprächen und Veranstaltungen geht es um Mobilität, Landschaft, Klimawandel und Lebensqualität.
Damit führt „Über Tourismus“ weg von der einfachen Gegenüberstellung von Tourismusbefürwortern und Tourismusgegnern. Auch die Alternative lautet nicht „Tourismus oder kein Tourismus“. Zur Debatte steht vielmehr, welche Form von Tourismus mit den begrenzten Ressourcen eines Lebensraums vereinbar ist und wer die Regeln dafür festlegt.
Das führt zwangsläufig zu Bodenpolitik, Verkehrsplanung, Bettenzahlen, Wohnraum, öffentlichen Räumen und zur Nutzung der Landschaft. Und es verschiebt die Verantwortung: weg von der moralischen Frage, ob sich einzelne Menschen als „gute“ oder „schlechte“ Touristen verhalten, hin zu den politischen und wirtschaftlichen Strukturen, die touristische Entwicklung ermöglichen und steuern.
Vielleicht lässt sich die zentrale Botschaft von „Über Tourismus“ deshalb auf einen einfachen Satz bringen: Tourismus ist zu wichtig, um ihn allein den Touristikern zu überlassen.
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Über-erschlossene Tourismus…
Über-erschlossene Tourismus-Gebiete + die Zweit-Wohnungen, belasten die Wasser-Versorgung + die Klär-Anlagen.
Nicht vom Gäste-Rummel abhägige Bürger fühlen sich an den Rand gedrängt + außerhalb der Saison, im eigenen durch die zu-vielen Tourismus-Bauten geplatzten Dörfern, wie in um 5 Nummern zu groß geratenen Hose!
„Die stets zu wenigen offen-haltenden Betriebe“ sind schwer zu finden, da es „die geschlossenen Betriebe ???nicht der Mühe wert finden,“ die offen-haltende Konkurrenz mit Lageplan bekannt zu geben!
Einzeln herum-irrende Gäste, „finden kaum etwas zu essen + die Einheimischen den Macchiato!“