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Gesellschaft | Sie haben gut reden

Fiskalisch verdächtig

Die Tinte der KI-Enzyklika ist noch nicht trocken, da ersetzen schon digitale Zahlautomaten den traditionellen Klingelbeutel in Südtirols Kirchen. Sicher ist eben sicher.

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Man spricht von einer „Revolution in den Pfarreien“ und Revolutionen sind selten, zumal in der katholischen Kirche. 

Eine ganze Generation wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, also nach 1965, um ihre erhoffte Revolution betrogen. Der gestrenge Pole Johannes Paul II. zügelte bald den Freiheitsgeist. Es galt das Kriegsrecht gegen den Kommunismus, weshalb man zu Zucht und Ordnung zurückkehrte. Nach Tutankhamun-Ratzinger kam der symbolträchtige Hooligan Franziskus, der so viele Worte machte, dass man sich nachträglich fragt: Was hat er eigentlich getan? 

 

Vorbei ist die Zeit der Ministranten, die mit dem Klingelbeutel um die Bänke schleichen. 



Man hatte bereits alle Hoffnung fahren lassen, doch schließlich kam es dazu. Die digitale Neuerung des Gottesdienstes straft alle Kritiker Lügen, die behaupten, dass sich die Kirche nicht erneuert. Anstelle des Klingelbeutels wird in den Kirchen fortan ein Zahlautomat installiert. Hier kann man digital spenden. Jetzt auch in Südtirol. Auf Initiative der sicherheitsbedachten Regierung Meloni haben die italienischen Banken BPM und Numia, Marktführer im Bereich des elektronischen Zahlungsverkehrs, das Projekt 100 Totems in 100 Kirchen gestartet; zuerst in der fortschrittlichen Stadt Mailand und mit landesüblicher Retardierung jetzt auch bei uns. 

Vorbei ist also die Zeit der Ministranten, die mit dem Klingelbeutel um die Bänke schleichen. Die Tinte der just erschienenen Enzyklika Papst Leos XIV. zur künstlichen Intelligenz ist noch nicht getrocknet und schon zeigt uns die Kirche, wie die päpstliche Weisung zur Digitalisierung konkret aussieht. 

„Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut“, predigte Jesus über das Spenden. Ein solcher Satz ist fiskalisch gesehen verdächtig. Deshalb ist jetzt Schluss damit. Die Zahlung wird nachverfolgbar. Nicht nur der allwissende Gott, sondern auch der Zahlungsempfänger und die Agentur der Einnahmen müssen Bescheid wissen. Das Verhindern von anonymen Spenden ist sogar der Hauptgrund für die Einführung der Neuerung. Es geht um sicheren Zahlungsverkehr und Sicherheit geht vor. Ebenso aus Sicherheitsgründen hat man in unseren Kirchen Wachskerzen durch elektrische Kerzen ersetzt. Diese können fortan direkt von der Zahlstation aus mit einer Spende betätigt werden. Oder, warum nicht: von zu Hause aus. In die Kirche geht ohnehin kein Mensch mehr.  

 

Genauso peinlich wie der Freidensgruß

 

Ein weiterer Grund für die Neuerung: Das Suchen nach Münzen in den Taschen sei beschwerlich. Wie wahr, ein entscheidender Grund, weshalb so viele Menschen der Kirche fernbleiben! Außerdem, wie peinlich, wenn man den Klingelbeutel schweigend an sich vorüberziehen lässt, weil man nicht liquid oder nicht willens ist. Genauso peinlich wie der Friedensgruß. Doch selbst diese Berührung hat man seit Corona in den meisten Kirchen abgeschafft. Man könnte sich ja anstecken. 

Den Friedensgruß, die Wachskerzen und jetzt der Klingelbeutel: Nicht aus theologischen, sondern aus Sicherheitsgründen hat man in den letzten 5 Jahren abgeschafft, was in der Liturgie seit 2.000 Jahren Bestand hatte. Die Kirche sagt dazu: ja und Amen.