Umwelt | Trockenheit

„Das Wasser fließt bis in die Adria“

Nun fordern auch die Hoteliers eine Wasserstrategie für Südtirol. Paul Köllensperger (Team K) spricht sich sogar für neue Speicherbecken aus – im öffentlichen Interesse.
Speicherbecken: Bisher sind neue Becken wie hier am Karerpass meist für die technische Beschneiung errichtet worden. Bild: Seehauserfoto

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„Wasser ist keine reichlich vorhandene Ressource mehr, deshalb müssen wir dementsprechend damit umgehen“, sagt Paul Köllensperger, Fraktionsvorsitzender vom Team K im Landtag. Ähnlich wie in München – wo die Wasserquellen lange als „unerschöpflich“ galten – gehört Wasserknappheit auch in vielen Südtiroler Gemeinden zur neuen Realität.

Derzeit ist ganz Europa von großer Trockenheit betroffen und das stellt nicht nur die Landwirtschaft vor Herausforderungen. Denn durch den Klimawandel verschwindet das Gletschereis und der plötzliche Starkregen nimmt zu. „Der Boden ist dann nicht imstande, das Wasser aufzunehmen und es fließt schlussendlich hinunter bis in die Adria“, so der Team K-Chef. Er spricht sich deshalb nicht nur für Investitionen in Wasserleitungen aus, sondern auch für den Bau von Speicherbecken im öffentlichen Interesse.

Raffael Mooswalder, Klaus Berger v.l.: HGV-Direktor und HGV-Präsident fordern eine Wasserstrategie des Landes. HGV

Auch der Hoteliers- und Gastwirteverband (HGV) und die Vorsitzende der Sozialen Mitte der SVP, Gabi Morandell, sprechen sich für eine Wasserstrategie des Landes aus. „Eine umfassende Wasserstrategie ist genau das, was wir für die Zukunft brauchen. Diese Strategie wäre auch der richtige Weg, um die derzeitige Diskussion darüber, wer genau wie viel Wasser verbraucht, auf belastbare Zahlen zu stützen, um eine sachliche Diskussion ohne Schuldzuweisungen und Mutmaßungen führen zu können“, sagt HGV-Präsident Klaus Berger in einer Aussendung.

Altes Leitungsnetz mit Lecks

Als Grundlage braucht es dafür aber Zahlen zu Wasserverbrauch und Lecks im Wassernetz. Wie Umweltlandesrat Peter Brunner (SVP) auf Nachfrage von Köllensperger bestätigt, hat Südtirol keine einheitlichen und flächendeckenden Daten dazu. Lediglich die Stadt Bozen hat dank eines PNRR-Projekts die eigenen Lecks erfasst und die Verluste im Jahr 2025 auf 23,97 Prozent reduziert, im Jahr 2023 waren es noch 32,07 Prozent.

Das Leitungsnetz wurde vielerorts vernachlässigt. „Dabei sind die Rohre das wichtigste und zugleich am schwierigsten zu erneuernde Gut eines Wasserversorgers. Viele Leitungen sind 110 Jahre alt oder älter“, erklärt Robert Bargolini, ein international tätiger Experte für Wasserverlustmanagement, im SALTO-Interview.

Paul Köllensperger: „Bevor die öffentliche Hand nicht ihre Hausaufgaben gemacht hat, kann sie der Wirtschaft und Bevölkerung schlecht vorschreiben, den eigenen Wasserverbrauch einzuschränken.“ Seehauserfoto

In Südtirol sind die Wasserverluste vermutlich von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich: „Bruneck beispielsweise soll wenig Wasser verlieren, anderenorts wird der Verlust bis auf 40 Prozent geschätzt. Bevor die öffentliche Hand also nicht ihre Hausaufgaben gemacht hat und die Infrastruktur der Wasserleitungen erneuert, kann sie der Wirtschaft und Bevölkerung schlecht vorschreiben, den eigenen Wasserverbrauch einzuschränken“, sagt Köllensperger.