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Foto: Seehauserfoto, Wikipedia/ Montage: SALTO
Politik | k.u.k. reloaded

Die zentrale Frage

Es gibt was Historisches zu feiern. Etwas mit Autonomie und so. Aber eine Frage bleibt offen.
  • In diesen Tagen gibt es für Südtirol offenkundig Historisches zu feiern. Auf dem stets argwöhnisch beobachteten politischen Parkett in Rom scheint ein Durchbruch gelungen, nachdem der Senat in zweiter Lesung das sogenannte Autonomiepaket genehmigt hat und der parlamentarische Weg damit abgeschlossen werden konnte.

    Dementsprechend erleichtert kann sich Landeshauptmann Kompatscher nun feiern, und verkünden, welche neue Möglichkeiten sich für Südtirol in den nächsten Tagen, Monaten, Jahren und Jahrhunderten mit der Rückeroberung alter und Erringung neuer Kompetenzen erschließen und was „wir“ nun alles selber regeln können. 

     

    Wer ist gemeint, wenn der Landeshauptmann von „wir“ spricht?

     

    Abgesehen davon, ob es der Sache wirklich dienlich ist, wenn heikle Fragen nur mehr in Bozen entschieden werden, stellt sich bei dieser Gelegenheit eine viel grundsätzlichere Frage, die über dem Land im Gebirge dräut und es in den nächsten Monaten und Jahren begleiten wird: Wer ist gemeint, wenn der Landeshauptmann von „wir“ spricht? 

    Gerade die Operation „Autonomiepaket“ lässt diesbezüglich große Befürchtungen aufkommen. Das komplexe Vorgehen, die Ziele und Intentionen der Operation wurden in der Edelweiss-Sakristei von einigen wenigen Gesalbten ausgehandelt und mit dem mysterienschwangeren Eifer der Auserwählten unter großer Geheimhaltung bearbeitet. Einzig ein wenig Weihrauch entwich von Zeit zu Zeit und gelegentlich konnte man einen Blick auf den Altar erhaschen, ohne allerdings Details der heiligen politischen Handlung in Erfahrung bringen zu können, bei der es eigentlich um nichts mehr und um nichts weniger als unsere res publica, die „gemeinsame Sache“ geht.  

    Es lässt nichts Gutes erahnen, wenn jemand ernsthaft vermitteln will, so sähe „autonome“ Politik im 21. Jahrhundert aus. Jetzt bekommen wir scheibchenweise serviert, dass „wir“ jetzt leichter Füchse töten können und beim Wolfschlachten kein Gutachten von der ISPRA mehr brauchen. Wir lernen, dass uns „Rom nichts mehr nehmen kann“, worauf ich mit einem überzeugten „Schaugmerramol!“ antworten würde. Wer weiß, was in den nächsten Tagen noch aus der Wundertüte sprudeln wird… 

    Ich fürchte nur, dass wir kleinen Leute nicht so viel davon haben werden, in den Niederungen des alltäglichen Existenzkampfes. Denn es schaut so aus, als wäre das „wir“ des Landeshauptmannes ein „sie“, das sich auf die kleine Gruppe der üblicher Verdächtigen bezieht, die sich um das Allerheiligste scharen. 

    Wir“ hatten mal einen Autonomiekonvent …