Musik | Moderne Blasmusik

20 Jahre Pamstiddn Kings

Seit über 20 Jahren stehen die Pamstiddn Kings auf der Bühne. Ein ehrliches Gespräch über pure Live-Energie, harte Wege im Musikbusiness und eine tiefe Freundschaft.
Hannes Pignater, Peter Schatzer

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Seit zwei Jahrzehnten sind sie eine feste Größe in der Südtiroler Musikszene. Doch wie altert eine Band, die einst die Bühnen stürmte und heute zwischen Familie, Alltag und der großen Leidenschaft balanciert? Michael Lantschner und Andreas Resch über Wehmut, den Rausch von Woodstock und das Glück, sich nach 20 Jahren immer noch blind zu verstehen. 

An Michaels Handgelenk baumelt an diesem Nachmittag im Juli noch das bunte Festivalbändchen. Vor zwei Wochen waren die Pamstiddn Kings in Oberösterreich beim Woodstock der Blasmusik. Vor acht Jahren waren sie schon einmal dort, in der Zwischenzeit ist das Festival auf 110.000 Besucher angewachsen. Die beiden Musiker sind immer noch vollgepackt mit Eindrücken. Andreas sagt es ganz direkt „So eine Atmosphäre kann man einfach nicht beschreiben.“ Es entwickelt sich ein sehr entspanntes Gespräch über Musik, das Älterwerden, Familie und die Frage, wie viel Zeit die Leidenschaft heute noch einnehmen darf. Durch das Festival in Oberösterreich hat die Band wieder neuen Schwung bekommen, um in nächster Zeit auch wieder öfter aufzutreten. 

Andreas Resch, Saxophon und Michael Lantschner, Trompete: Hannes Pignater, Peter Schatzer

Das Leben dazwischen

Zwei Jahrzehnte gibt es dieses Sextett nun schon – und zwar in derselben Besetzung wie am ersten Tag. Aber das Leben hat sich verändert. Vor zehn Jahren spielten die Pamstiddn Kings noch 70 bis 80 Konzerte im Jahr. Heute sind es vielleicht noch zehn. Auf die Frage, ob dieser Rückzug eine bewusste Entscheidung war, meint Michael Lantschner „Naja, bewusst ist das nicht passiert. Kinder, Arbeit, Freunde – wir haben die Prioritäten einfach anders gesetzt.“

„Die Musik war unser ganzes Leben, es gab nichts anderes.“ 

 Das, was früher das gesamte Universum war, muss sich heute den Platz mit dem Alltag teilen. „Es hat sich geändert, dass wir heute anders zu der Sache stehen“, erklärt Andreas Resch. „Die Musik war unser ganzes Leben, es gab nichts anderes.“ Michael nickt und ergänzt „Es kam nicht in Frage, dass jemand keine Zeit gehabt hätte. Wenn wir einen Auftritt hatten, musste sich jeder Zeit dafür nehmen.“ Dass diese Prioritätensetzung die Band manchmal auch vor einen echten Stresstest stellte, erzählt Andreas mit einem Schmunzeln. Eine bestimmte Geschichte wird ihm von den Kollegen heute noch scherzhaft vorgehalten „Ich hatte meinen Urlaub auf Kreta mit Flug und Hotel schon komplett gebucht, als die Anfrage für das Donauinselfest eintrudelte. Am Ende konnten wir wegen mir nicht auftreten. Mein Geld wäre sonst weg gewesen – und vielleicht sogar die Freundin!“ 

Pamstiddn Kings-Live Promo 2017
Pamstiddn Kings

Dass die sechs Männer heute noch zusammen auf der Bühne stehen, liegt an ihren gemeinsamen Wurzeln. Sie sind miteinander aufgewachsen, kennen sich aus der Schule und aus Steinegg. Die Basis der Band war von Anfang an, dass alle sechs eine Musikausbildung haben und in den ersten Jahren auch alle als Musiklehrer gearbeitet haben. Mittlerweile ist Andreas der Einzige, der als Berufsmusiker unterwegs ist – die anderen fünf haben im Alltag andere Jobs gewählt. 

Eine neue Idee im Alleingang durchzusetzen, brauche laut Andreas bei Pamstiddn allerdings manchmal einen langen Atem.

In der Band geht es durchwegs demokratisch zu. Einen klassischen Chef, der allein bestimmt, sucht man vergeblich. „Ich glaube, es ist ziemlich demokratisch. Deswegen ist es manchmal schwierig, aber wir haben keinen Diktator“, lacht Andreas. Michael fügt hinzu, dass es etappenweise natürlich Phasen gab, in denen jemand mehr die Richtung vorgegeben hat, man da aber einfach reingewachsen sei. Eine neue Idee im Alleingang durchzusetzen, brauche laut Andreas bei Pamstiddn allerdings manchmal einen langen Atem. Wenn man eine Vision habe, müsse man die Sache oft erst einmal allein durchziehen und hoffen, dass einem die anderen nicht zu viele Steine in den Weg legen. „Bis zum Schluss reden dann aber doch wieder alle mit“, wirft Michael schmunzelnd ein. Doch am Ende zieht die Band an einem Strang und alle sechs sind zu 100 Prozent dabei. Dieses gegenseitige Vertrauen schweißt zusammen. Das habe man jetzt auch wieder beim Woodstock-Festival gemerkt, erzählt Michael „Wir haben nur einmal geprobt. Aber draußen auf der Bühne ist jeder sofort zu 100 Prozent da. Wir sind wirklich wie eine Familie.“ 

Andreas Resch, Florian Gasser, Andreas Psenner, Hannes Mitterrutzner, Roland Gufler und Michael Lantschner.: Hannes Pignater, Peter Schatzer

Pioniere der „emanzipierten Blasmusik“

Zu 90 Prozent spielen die Pamstiddn Kings Cover, doch ihr Album WHY hat bewiesen, dass sie auch Eigenkompositionen beherrschen. Mit ihrem Mix aus Rock, Pop und Swing haben sie die Grenzen der traditionellen Blasmusik gesprengt. Der Durchbruch kam im zweiten Jahr beim International Live Award in Wien. Michael erinnert sich noch gut an die Aufregung von damals „Hannes hat uns dort angemeldet, obwohl der Wettbewerb eigentlich für Rockbands war. Wir dachten erst: Spinnst du? Aber dann haben wir mitgemacht und sind immer weitergekommen. Zum Finale nach Wien sind wir mit vier Bussen voll Fans gefahren. Am Wiener Prater, vor einer riesigen Menge – das war ein gewaltiges Erlebnis. Wir haben den Publikumspreis gewonnen und den dritten Gesamtrang. Ab da lebten wir in einer anderen Welt.“ 

Jetzt ist eine totale Welle der Blasmusik da, das hat man auch beim Festival gemerkt.

Heute ist das Genre der „modernen Blasmusik“ etabliert; vor 20 Jahren waren die Pamstiddn damit absolute Pioniere. Auf die Frage, ob sie es bereuen, den Sprung ins volle Berufsmusikertum nicht gewagt zu haben, schwingt im Gespräch eine leise Wehmut mit. „Nicht alle sind damit im Reinen“, gesteht Andreas offen. „Man fragt sich schon, was hätte sein können.“ Michael stimmt ihm zu „Genau. Man sieht andere Gruppen, die damals gleichauf waren – und die diesen Weg konsequent durchgezogen haben.“ Die Szene hat sich seither komplett gedreht. „Jetzt ist eine totale Welle der Blasmusik da, das hat man auch beim Festival gemerkt“, sagt Andreas. „Heute macht es fast jede Brassband so, dass sie moderne Musik spielt. Aber vor 20 Jahren waren das nur wir.“ 

Pamstiddn Kings waren vor zwei Wochen beim Woodstock der Blasmusik in Österreich dabei, es ist das größte Blasmusik-Festival Europas.: Hannes Pignater, Peter Schatzer

Auftrittsmöglichkeiten für junge Bands sind heute Mangelware. Michael sieht darin ein ernstes Problem für den Nachwuchs „Es ist schwierig geworden, weil kaum noch etwas los ist. Es gibt kaum noch Locations, in denen man spielen kann.“ „Früher waren es Pubs, jetzt gibt es fast nur noch Feste“, ergänzt Andreas. „Und dort musst du das passende Programm liefern, die Akzeptanz für Unbekanntes ist gering. Jeder macht sein eigenes Ding, in den Hotels soll es still sein, weil die Gäste ihre Ruhe wollen. Und niemand hört mehr ein Lied, das länger als drei Minuten dauert – geschweige denn ein ganzes Album von vorne bis hinten.“ Doch von dieser Entwicklung lassen sich die Musiker nicht beirren. Auch wenn die Menschen Musik heute vorwiegend in kurzen Häppchen auf Spotify konsumieren, zieht es die Band unaufhaltsam nach draußen. Sie wollen rauf auf die Bühne – sie leben schlichtweg dafür. 

Ich hoffe, dass es weitergeht, dass es nicht zusammenbricht. 

Genau dort, im Scheinwerferlicht, schlägt das Herz der Band ohnehin am lautesten. „Ein Album ist einfach etwas ganz anderes als live“, sagt Andreas. „Wir leben von der Energie im Raum. Diese Kraft bringt man auf keine CD.“ Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft der Pamstiddn Kings wünschen, antwortet Michael nachdenklich „Ich hoffe, dass es weitergeht, dass es nicht zusammenbricht. Jetzt hat sich jeder ein bisschen damit abgefunden, dass wir weniger spielen. Vielleicht kommt es ja noch Mal, wenn wir älter sind und mehr Zeit haben. Das Coole ist schon: Wenn wir uns treffen, ist es fein. Wir haben wohl die größte Zeit miteinander verbracht.“ Andreas nickt und bringt das Gefühl auf den Punkt „Familie, es ist wirklich Familie. Er gehört irgendwie dazu.“ 

  • Am 16.07.2026 sind Pamstiddn Kings bei LANA Live ab 19:30 Uhr zu hören

  • 20 Jahre Pamstiddn Kings

  • Wann: Freitag, 17. Juli 2026, ab 19:00 Uhr 

  • Wo: Kulturhaus, Steinegg 

  • 19:00 Uhr: Einlass (Essen & Trinken) 

  • 20:00 Uhr: Vorgruppe Rocket Monkeys 

  • 21:00 Uhr: Vorführung des Jubiläumsfilms 

  • 21:45 – 24:00 Uhr: Live-Konzert der Pamstiddn Kings  PTK

Als Musiklehrer und Väter wissen die beiden auch, wie schwer es heute ist, der nächsten Generation Ausdauer zu vermitteln. „Das ist jemandem, der damit nichts zu tun hat, fast nicht mehr begreiflich zu machen“, meint Andreas. „Die Art, sich etwas mit echtem Fleiß zu erarbeiten, kennt kaum noch jemand. Ich versuche das meinen eigenen Kindern weiterzugeben, aber es ist brutal hart. Man muss die Leidenschaft für eine Sache selbst finden, erst dann funktioniert es. Das braucht Zeit und muss reifen.“ Michael nickt und macht das an seinem eigenen Alltag fest: „Damit das Niveau überhaupt da ist, greife ich jeden Tag zur Trompete. Und wenn ein Konzert ansteht, bedeutet das mindestens einen Monat lang tägliches, intensives Training.“ 

Wenn das Publikum für die reine Musik Eintritt bezahlen müsste, dann gäbe es diese Art von Musik gar nicht.

Auch die finanzielle Wertschätzung für Live-Musik ist ein schwieriges Pflaster, das Prinzip „Fair Pay“ in der Praxis oft ernüchternd. Andreas, der als Berufsmusiker arbeitet, findet dazu klare Worte: „Ich mache Unterhaltungsmusik. Ich werde bezahlt, weil die Leute Alkohol trinken und weil sie heiraten. Wenn das Publikum für die reine Musik Eintritt bezahlen müsste, dann gäbe es diese Art von Musik gar nicht. Man will oft einfach nicht für Musik bezahlen.“ Und doch stehen Pamstiddn nach über zwei Jahrzehnten immer noch auf der Bühne. Die Band wird es auch weiterhin geben, live und laut. Denn am Ende ist es nicht das Geschäft, das zählt, sondern die Energie dieser unbändigen Live-Momente und die tiefe Freundschaft untereinander, die die sechs Männer immer wieder antreibt.