Politik | Landtag

Offensive für Holzbau erfolgreich

Der Landtag beschließt auf Vorschlag von Grüne und SVP einstimmig neue Beiträge für den privaten Hausbau: Wer heimisches oder recyceltes Holz verwendet, soll gefördert werden.
Holzbau, Wohnung
Foto: Steffen Lemmerzahl / Unsplash
  • Dieses Mal war der Beschlussantrag der Grünen Landtagsabgeordneten Madeleine Rohrer mit Unterstützung der SVP-Abgeordneten Franz Locher und Sepp Noggler erfolgreich: Der Südtiroler Landtag hat heute einstimmig beschlossen, den Holzbaufonds für alle Südtirolerinnen und Südtiroler zu öffnen. Bisher konnten nur Gemeinden und gemeinnützige Organisationen Förderungen beantragen, wenn sie mit lokalem Holz bauten. Künftig gilt das auch für Privatpersonen. „Die Förderung des Holzbaus setzt daher ein klares Signal: für klimafreundliches Bauen, für lokale Wertschöpfung und für die gut 25.000 Menschen, die in Südtirol von der Holzwirtschaft leben“, so die Grüne Abgeordnete.

  • Madeleine Rohrer: Foto: Karlheinz Sollbauer

    Der Gebäude- und Bausektor ist mit seinem hohen Energieverbrauch global für etwa 37 Prozent des CO₂-Ausstoßes verantwortlich. Im Vergleich zur energieintensiven Herstellung von Beton, Stahl und Glas gilt der Baustoff Holz als nachhaltiger Hoffnungsträger. „Südtirol ist zur Hälfte seiner Landesfläche bewaldet – das ist ein enormer Reichtum, den wir verantwortungsvoll nutzen müssen“, meint auch Locher. Dank innovativer Bauweisen wird Holz längst nicht mehr nur im Einfamilienhausbau eingesetzt, sondern finde zunehmend auch im mehrgeschossigen Hochbau Verwendung.

    Im Südtiroler Klimaplan wurde bereits festgehalten, dass die Nutzung lokal nachwachsender Baustoffe wie Holz bis 2040 auf mindestens 30 Prozent erhöht werden soll – doch in der Praxis spielt Holz noch immer eine Nebenrolle. Die Gelder im bereits 2023 eingerichteten Holzbaufonds für öffentliche Körperschaften wurden bisher nur zum Teil ausgeschöpft. Über den Fonds wurden 2024 immerhin vier Holzbauvorhaben von den Gemeinden Margreid, Lana, Salurn und Villanders unterstützt, die gemeinsam insgesamt 1.655 Tonnen CO₂ gebunden haben. 

  • Südtirols Holzbranche

    Die letzten aktuellen Daten zur Holzverarbeitung in Südtirol stammen aus dem Jahr 2012, als der Vorläufer des NOI Techparks – mit dem Namen TIS innovation park – eine Analyse dazu veröffentlichte. „Bei genauerer Betrachtung der Holzverarbeitung zeigt sich, dass diese kaum von der heimischen Schnittholzproduktion abhängt“, so Rohrer von den Grünen. Denn 86 Prozent des verarbeiteten Schnittholzes stammen von außerhalb Südtirols. Auch im Bereich der Wärmegewinnung durch Biomasse sei die Abhängigkeit aus dem Ausland hoch. 

  • Holzwirtschaft: Die Branche bietet in Südtirol rund 25.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Foto: Seehauserfoto
  • Trotzdem hat sich Holz als Baustoff noch lange nicht durchgesetzt. Die Abteilung Hochbau und technischer Dienst beispielsweise setzt derzeit 15 Bauvorhaben in Holzbauweise um – etwa 18,5 Prozent der im Hochprogramm geplanten Projekte. „Ein wesentliches Hindernis ist der Mangel an Fachwissen im Entscheidungsprozess – insbesondere in frühen Projektphasen. Eine gezielte Holzbaufachberatung für Behörden und Bauherren könnte hier entscheidend wirken“, meint Rohrer. 

    Im Beschlussantrag legen die Grünen und die SVP deshalb eine neue Förderschiene für den Holzbau von privaten Eigentümern und eine Fachberatung in Zusammenarbeit mit dem Gemeindeverband vor. 

  • Hinweis: Der Artikel wurde aktualisiert.