Kalterer Klosterstreit
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Jetzt S+ abonnierenIn der Streitfrage rund um die Zukunft des Tertiarklosters in Kaltern positioniert sich „Kaltern Gemeinsam Insieme“ klar: Die Gemeindevertreterinnen und -vertreter rund um Helmuth Sinn sprechen sich dagegen aus, dass die Gemeinde von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch macht. Das aber ist genau der Plan der SVP in Klatern.
„Kaltern Gemeinsam Insieme“ plädiert stattdessen in einer Pressemitteilung für den Verkauf des Klosters an die Vinzenzgemeinschaft, wie er von den Tertiarschwestern vorgesehen wurde: „Die Vinzenzgemeinschaft verfolgt ein soziales Anliegen und wird an einer guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde interessiert sein“, betont Kaltern Gemeinsam Insieme.
Der Vorstoß der SVP Kaltern
Am 08. Juni 2026 hatte der Gemeinderat von Kaltern beschlossen, Verhandlungen mit den Tertiarschwestern aufzunehmen, um eventuell vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Bei der Abstimmung über den Beschlussantrag der SVP hatten sich die Gemeinderäte von Kaltern Gemeinsam Insieme der Stimme enthalten. „Unsere Enthaltung ist aber kein Nein zu einem sozialen Projekt, sondern ein Ja zu einem anderen Weg“, heißt es in der Presseaussendung.
Der Antrag sah vor, dass die Gemeinde die mögliche Ausübung des Vorkaufsrechts nach den Denkmalschutzbestimmungen durch die zuständigen Behörden prüft, um die soziale Nutzung des Klosters für die Kalterer Bevölkerung sicherzustellen. Dies wird von den Gemeinderäten von Kaltern Gemeinsam Insieme kritisch gesehen: „Ein Ankauf würde die Gemeinde mit großen finanziellen Belastungen konfrontieren, denn neben dem Kaufpreis von knapp drei Millionen Euro wären auch Sanierungs- und Instandhaltungskosten zu tragen.“
Dafür müsste man, laut dem Gemeinderat Helmuth Sinn, andere Projekte zurückstellen oder sogar aufgeben. „Erst hätte ein Kaufinteresse klar sein müssen – dann hätte man planen können. Aber nicht umgekehrt. Sonst verteilt man das ‚Fell des Bären‘, bevor er erlegt ist“, kritisiert Sinn. Hinzu komme, dass die Ausübung des Vorkaufsrechts an strenge gesetzliche Voraussetzungen gebunden sei. So müsse etwa die Struktur einer kulturellen Nutzung zugeführt werden. Diese Voraussetzung sei aus Sicht Sinns schwierig zu erfüllen, da der eigentliche geplante Zweck der soziale Wohnungsbau sei – sowohl von der Gemeinde als auch von der Vinzenzgemeinschaft. Daher müsse die Gemeinde fast etwas „an den Haaren herbeiziehen“, um eine kulturelle Begründung zu konstruieren.
Zudem müsse das Vorkaufsrecht innerhalb sehr kurzer Frist ausgeübt werden. Sobald der Kaufvertrag abgeschlossen sei, habe die Gemeinde nur 20 Tage Zeit zu reagieren. „Das bedeutet, es müsste sehr schnell ein Gemeinderat einberufen werden – mitten in der Ferienzeit, wenn viele im Urlaub sind. Das ist schon ein gewagtes Spiel“, meint Sinn.
Zankapfel Vorkaufrecht
Der Verkauf des Klosters steht an, da die sieben verbliebenen Tertiarschwestern in das Mutterhaus in Brixen übersiedeln werden. Im April wurde bekannt, dass sie planen das Gebäude an den Vinzenzverein zu verkaufen, um ein „Haus der Solidarität“ ähnlich wie in Brixen einzurichten. Jenes bietet seit über 20 Jahren Menschen in schwierigen Lebenslagen ein Dach über dem Kopf und begleitet sie bei der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Das Kloster in Kaltern ist bereits heute ein funktionierender sozialer Ort ähnlich einem Haus der Solidarität, der Menschen in Wohnungsnot Stabilität und Perspektiven bietet, wie eine vor kurzem erschienene SALTO-Reportage aufzeigt. Zwischen Tertiarschwestern und Vinzenzgemeinschaft soll bereits ein Vorvertrag unterschrieben worden sein.
„Nachhaltige Lösungen entstehen nicht durch Konfrontation, sondern durch Zusammenarbeit.“
Nachdem der geplante Verkauf öffentlich bekannt wurde, verkündete die SVP Kaltern, dass man über die Zukunft des Kalterer Tertiarklosters mitentscheiden möchte. Die SVP-Gemeinderatsfraktion machte den Vorschlag, Wohnraum für Frauen in schwierigen Lebenssituationen oder für Senioren dort zu schaffen. Auch das Bündnis Kaltern sprach sich dafür aus, vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen, damit die Immobilie für leistbaren Wohnraum für einheimische Familien und Menschen in Wohnungsnot genutzt werden kann.
Nachdem Jürgen Wirth Anderlan einen Antrag im Südtiroler Landtag eingebracht hatte, der die Ausübung bzw. Prüfung des Vorkaufsrechts des Landes Südtirol am Tertiarkloster in Kaltern zum Ziel hatte, stellte sich die SVP-Landtagsfraktion allerdings gegen die Kalterer Parteikolleginnen und -kollegen: SVP-Fraktionsvorsitzender Harald Stauder sprach sich dagegen aus, das Vorkaufsrecht zu benutzen, um ein bereits geplantes soziales Projekt zu verhindern. Damit fand Anderlans Antrag im Landtag keine Mehrheit.
Die Rolle der Caritas
Die Caritas nutzt bereits Teile des Klosterkomplexes und verfügt dort über laufende Verträge bis 2030. Die Caritas Domus betreibt im Klosterkomplex 12 Wohnungen für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Caritas-Direktorin Beatrix Mairhofer bestätigte gegenüber SALTO zudem, dass es innerhalb der Caritas interne Gespräche über die Zukunft des Gebäudes gegeben habe. Näher äußern wollte sie sich dazu jedoch nicht. Eine Zusammenarbeit mit der Vinzenzgemeinschaft sei derzeit nicht geplant.
Der Vorschlag
„Kaltern Gemeinsam Insieme“ schlägt vor, das Gespräch zu suchen, um eine Vereinbarung zu treffen, die sowohl den Zielen der Vinzenzgemeinschaft als auch den Bedürfnissen der Gemeinde gerecht wird. „Eine solche Vereinbarung könnte sicherstellen, dass auch sozial benachteiligte und bedürftige Kaltererinnen und Kalterer in der Struktur Platz finden und die Gemeinde bei der Zuweisung eingebunden wird“, so die Kalterer Gemeinderatsfraktion.
Allerdings wird in der Pressemitteilung von Kaltern Gemeinsam Insieme betont, dass über die Nutzung einer privaten Immobilie letztendlich der Eigentümer entscheidet. Umso wichtiger sei es deswegen, auf Partnerschaft statt auf Konfrontation zu setzen; „Denn nachhaltige Lösungen entstehen nicht durch Konfrontation, sondern durch Zusammenarbeit.“
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Für eine „vernünftige…
Für eine „vernünftige Gemeinde-Verwaltung“ macht es keinen Sinn, „sich in Angelegenheiten ein-zu-mischen, die von Ehren-amtlichen Organisationen bereits sehr gut gelöst sind!“