Musik | Reggae-Hip-Hop

Zwischen Petroleum-Kriegen und Hoffnung

Shanti Powa: Mit der poppigen Single „Open The Gates“ und einem starken Video zeigen die Südtiroler, dass Solidarität die wichtigste Antwort auf globale Krisen ist.
Christian Lechner

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Ein neunköpfiges Kollektiv, eine Tankstelle als Sinnbild der Weltlage und die unbeirrbare Kraft des Kompromisses: Mit ihrer neuen Single „Open The Gates“ schlagen die Südtiroler Reggae-Funk-Pioniere Shanti Powa ein neues Kapitel auf. Es geht um digitale Distributoren, Streicher-Arrangements und die tägliche Arbeit an der Demokratie. 

 

Ein überraschend poppiger Sound

 

Wer Shanti Powa bisher als rohe Energiebündel kannte, deren Geschichte in einem zum Proberaum umgebauten Stall inmitten der Dolomiten begann, wird bei „Open The Gates“ überrascht sein. Die neue Single, die Ende Mai veröffentlicht wurde, zeigt das neunköpfige Kollektiv von seiner bislang zugänglichsten Seite: ein überraschend poppiger Sound, der die Roots der Band – Reggae, Funk, Hip-Hop und Dub – mit zeitgenössischen Einflüssen verbindet. 

Neue Single „Open The Gates“: die Südtiroler Reggae-Funk-Pioniere „Shanti Powa“ schlagen ein neues Kapitel auf. Christian Lechner

Die Tankstelle als Bühne der Welt

Das offizielle Musikvideo, das Anfang Juni erschien, liefert die visuelle Übersetzung für die neue Richtung. „Wir haben als Metapher eine Tankstelle hergenommen“, erklärt Thomas Maniacco , Trompeter und Backgroundsänger im Interview. „Sie steht für die Verwirrtheiten unserer Welt. Petroleum hatte schon immer viel mit Kriegen zu tun, auch wenn heute oft andere Vorwände für Wirtschaftskriege vorgeschoben werden“. 

Die Handlung des Videos ist simpel, aber symbolträchtig: Eine Panne unterbricht die Reise der Band. Was als Problem beginnt, wird durch die Hilfe von Freunden und Wegbegleitern zum Moment der Begegnung. Es ist eine Metapher für die heutige Zeit: Wenn Ressourcen knapp werden und der Weg ins Stocken gerät, ist es die Gemeinschaft, die neue Möglichkeiten schafft. 

 

Unsere Vorgänger haben dafür viel bezahlt – Energie, Leben, Blut. 

 

Hinter der „mainstream-bekömmlichen“ Fassade des Songs verbirgt sich eine ernsthafte Botschaft. „Es kommt einem vor, als wäre es heute cooler, rechtsextrem oder ein reiner Individualist zu sein“, sagt Maniacco nachdenklich. „Man muss den Glauben an die Demokratie wieder stärken. Unsere Vorgänger haben dafür viel bezahlt – Energie, Leben, Blut. Das sollte man sich öfter vor Augen halten und differenzierter denken, statt alles in Schwarz-Weiß-Schubladen zu stecken.“ Für die Band, die international längst auf Bühnen wie dem Rototom Sunsplash oder dem 1° Maggio in Rom zu Hause ist, ist Musik kein reiner Zeitvertreib, sondern ein Werkzeug zur Veränderung. 

Shanti Powa „Open the Gate“
Shanti Powa

Auch strukturell geht die Band neue Wege. Erstmals arbeiten sie mit einem kleinen Label (Dodici Ville) und einem professionellen Distributor zusammen. „Wir waren lange independent, aber die Musikindustrie hat sich verändert“, so Maniacco. „Es ist sinnvoll, manches auszulagern, um neue Energien zu bekommen.“ Diese neuen Energien zeigen sich auch im Detail: Erstmals hat der Komponist Mirko Giocondo Streicher-Arrangements beigesteuert – ein Vorgeschmack auf das fünfte Studioalbum, das 2026 erscheinen wird. 

 

Wenn du dich auf den Kompromiss einlässt, dann ist vieles möglich. 

 

Trotz der Professionalisierung bleibt der Kern die Gemeinschaft. Neun Charaktere, die oft diskutieren, aber am Ende den Kompromiss suchen. Dass die Texte in einer Zeit der schnellen Aufmerksamkeitsspanne noch wahrgenommen werden, beweisen die Konzerte „Wenn ein Song eine Emotion hat, dann trifft er dich. Ob du schwarz, weiß, links oder rechts bist. Musik ist seit jeher eine universelle Sprache. Wenn du dich auf den Kompromiss einlässt, dann ist vieles möglich. Das sehen wir jeden Tag.“ 

Wenn Ressourcen knapp werden und der Weg ins Stocken gerät, ist es die Gemeinschaft, die neue Möglichkeiten schafft.: Christian Lechner