Kunst | Künstlerbund

Stabilität oder Umbruch

Vor 80 Jahren gegründet, ruft der Südtiroler Künstlerbund (SKB) am 18. April zur Wahl des neuen Präsidenten. Zwei Männer wollen es wissen. Einer von ihnen ist Kuno Prey.
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Foto: Seehauserfoto
  • Die Ausstellung Casa Sciscioré im neuen Projektraum des Südtiroler Künstlerbundes eröffnet heute um 18 Uhr, wenige Tage vor einer vielleicht richtungsweisenden Wahl im alteingesessenen Südtiroler Künstlerverband SKB. Kritik am Verein und an der Ausstellung kommt im Vorfeld von keinem Geringeren als Kuno Prey, der sich der Präsidentenwahl erneut stellt.

    Zur von Anna Quinz kuratierten Ausstellung meint Prey: „Sie ist eine sehr tüchtige Frau, die Ausstellungsräume gesucht hat und unterstützt wurde.“ Komisch sei für ihn, dass im Künstlerbund auch „einige Designer Mitglieder sind“, denen man ein derartiges Projekt ebenfalls hätte anvertrauen können. Design hat im Künstlerbund viele Jahre überhaupt keine Rolle gespielt. Wie auch andere Disziplinen. Etwa die Performancekunst. Prey – auch er ist mit einer Arbeit im Rahmen der Ausstellung Casa Sciscioré zu sehen – ist selbst erst seit nicht einmal zehn Jahren beim Künstlerbund Mitglied. Die frühere SKB-Präsidentin Helga von Aufschnaiter war es, die ihn damals überredet hat. 
     

    Das ist nicht nur ein schöner Imperativ.


    Im Gespräch mit SALTO erläutert Prey seine Motivation für das Amt des Präsidenten im Südtiroler Künstlerbund zu kandidieren sowie seine kritische Sicht auf die aktuelle Situation des Vereins. 

    Er formuliert Reformansätze, die den SKB (in seinen Augen) nachhaltig verbessern würden. Ausgangspunkt ist etwa seine Beobachtung, dass der Künstlerbund in den vergangenen Jahren zwar deutlich gewachsen ist – sowohl hinsichtlich der Mitgliederzahl als auch des verwalteten Budgets –, die interne Organisation jedoch nicht im gleichen Maße mitgewachsen sei. 

  • Zur Person

    Kuno Prey, Jahrgang 1958, lehrte von 1993 bis 2002 als Professor für Produktdesign an der Bauhaus-Universität in Weimar. 2002 gründete er an der Freien Universität Bozen die Fakultät für Design und Künste und ist dort als Professor für Produktdesign tätig.

  • Prey bemängelt die zu starke Konzentration von Verantwortung und Entscheidungsprozessen auf einzelne Personen. Dadurch fehle es an struktureller Weiterentwicklung, professioneller Führung und einer zeitgemäßen Vereinsorganisation. Ein moderner Kulturverein müsse „Transparenz schaffen“, sagt er, „Partizipation ermöglichen“ und das vorhandene Wissen sowie die Kompetenzen seiner Mitglieder gezielt nutzen. Aus vielen Rückmeldungen nehme er wahr, dass sich zahlreiche Mitglieder nicht ausreichend informiert oder beteiligt fühlen. 

  • Neues Design beim Künstlerbund?: Seine persönliche Beziehung zum Künstlerbund schildert er differenziert. In seiner Jugend spielte der Verein für ihn kaum eine Rolle. Vor allem der Bereich Design sei lange Zeit unterrepräsentiert gewesen. Foto: Helios

    Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die räumliche Situation des Künstlerbundes. Die bestehenden und seit wenigen Jahren „neuen“ Ausstellungsräume in den alten Mauern des Deutschen Ordens sind (nicht nur in Preys Augen) ziemlich ungeeignet für zeitgenössische Kunst und verursachen vor allem hohe Kosten, die angesichts der öffentlichen Finanzierung besonders kritisch zu hinterfragen seien. 

    Es stellt sich demnach die Frage: Ist der Künstlerbund nur ein Durchlaufposten, damit das direkt vom Land bezuschusste Mietgeld dem Deutschen Orden zukommt – also indirekt von der politischen Macht zur kirchlichen Macht wandert? Aber genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich der „Bund“. Vielleicht auch gewollt seit vielen Jahrzehnten. 

    Als Alternative schlägt Prey vor, dass der SKB nicht nur seinen altbackenen Namen ändert, sondern verstärkt mit temporären Ausstellungsformaten arbeiten solle, etwa durch Pop-up-Galerien in leerstehenden Geschäftslokalen, die es in Bozen inzwischen zuhauf gibt. Dadurch könne Kunst näher zu den Menschen gebracht und eine größere Sichtbarkeit im öffentlichen Raum erreicht werden. Generell plädiert der Designer dafür, den Künstlerbund weniger elitär und stärker gesellschaftsnah auszurichten.

  • So weiter wie bisher?: Vor 8 Jahren hat er im Südtiroler Künstlerbund die Verantwortung übernommen. Alexander Zöggeler will weitermachen. Foto: Privat

    „Der SKB ist keine Privatgalerie, sondern ein mit öffentlichen Geldern finanzierter Verein, der braucht einfach mehr Führung, mehr Koordination, Öffnungen nach außen sowie nach innen, ein Hinterfragen, was man tut...“ Er kritisiert die T-Shirts zum 80-Jährigen, die Flaggen-Aktion zum Olympia-Thema, er fordert einen seriöseren Umgang mit dem Kunstbegriff und eine sozialkritischere Ausrichtung. „Kunst muss anecken,“ sagt er, „das ist nicht nur ein schöner Imperativ.“
     

    Ein zeitgemäßer SKB braucht auch einen zeitgemäßen und inklusiven Namen...


    Bereits bei der Vollversammlung vor vier Jahren hatte er sich angesichts der präsentierten Tätigkeitsberichte und Budgetzahlen spontan gemeldet, da er den Eindruck gewonnen hatte, dass Veränderungen notwendig seien. Die unerwartet hohe Zustimmung habe ihn bestärkt, sich weiter zu engagieren. Inzwischen habe sich eine größere Gruppe von Gleichgesinnten gebildet, die gemeinsam für eine Neuausrichtung des Vereins eintreten. Reicht das aber zum freundlich und gut gemeinten Prey-Putsch? Er wolle das Amt, sofern er gewählt werde, auch nicht langfristig ausüben, betont er. Vielmehr strebe er eine strukturelle Erneuerung an, die auch personelle Rotation einschließt.

    Ob der Künstlerbund mit seinen 80 Jahren auf dem Buckel schon reif dafür ist? Der aktuelle Präsident Alexander Zöggeler will weiterhin für Kontinuität und Stabilität sorgen. Er bescherte dem Verein gemeinsam mit der Geschäftsführerin Wachstum und Weiterentwicklung. Andere sehen eher Stillstand. Die Mitglieder werden sich für den einen oder den anderen entscheiden. Bei der heutigen Ausstellungseröffnung wird noch mächtig die Werbetrommel gerührt.

  • Neue Räume, alte Ansätze?: In der Kriik stehen auch die seit einigen Ausstellungen neuen (und sehr teuren) Räume im Gebäude des Deutschen Ordens (Ex-Dolomiten-Redaktion) Foto: Seehauserfoto
  • Schöner Wohnen

    Eine Ausstellung „Casa Sciscioré“ kuratiert von Anna Quinz. Entworfene Design- und Gebrauchsobjekte für den häuslichen Kontext. Mit: Aree di Studio, Antoinette Bader, Roland Baldi, Othmar Barth, Patrizia Bertolini, Walter Blaas, Luca Boscardin, Das Ganze Leben, Debiasi Sandri, Marco Dessí, Dissegna, Diyr.dev/unibz, Draw Studio, Robert Engl, Elisabeth Frei, Karolina Gacke, Martino Gamper, Elisa Grezzani, Alexander Gufler, Beatrice Harb, Insalata-mista Studio, Kira Kessler, Katharina Theresa Mayr, Ignacio Merino, Sissa Micheli, Christian Mittendorfer, Neue Serie Handdruck, Niva Design, Elisabeth Oberrauch, Miriam Pardeller, Patternhouse.org, Plank, Reinhard Plank, Kuno Prey, Othmar Prenner, Anuschka Prossliner, Paula Prugger, Patrick Rampelotto, Alessio Ramundo, Andreas Rier, Ruralurban, Sagaría, Dunja Scannavini, Ursula Schnitzer, Barbara Schweitzer, Giorgio Seppi, Luis Seiwald, Benno Simma, Judith Sotriffer, Sabine Steinmair, Reinhold Stoll, Laurenz Stockner, Ursula Tavella, Harry Thaler, Tiefenbacher Lehmann, Veronika Thurin, Paul Thuile, Ariel Trettel, Ùtol Ceramica, Gabi Veit, Vetroricerca, Cristina Vignocchi, Lucas Zanotto, Christian Zanzotti, Katherina Zoeggeler, Zilla.

    Eröffnung der Ausstellung. Heute 16. April, 18 Uhr.