säben
Foto: Lars Klauser
Gesellschaft | Berge als Baustelle

Ein Lift in den Himmel

Nicht Jakobs Leiter, auf dem Engel auf und absteigen, sondern ein Aufzug zum Gipfel des Heiligen Bergs Tirols: der vierte Teil der Piefke Saga.
  • Berge zu durchlöchern, ist in Südtirol groß angesagt. Man denke an den Tunnelbau der Umfahrung in Brixen, an die Nord-West-Umfahrung in Meran und an viele weitere Tunnelbauten bis hin zum Brennerbasistunnel, die allesamt den Zweck verfolgen, Menschen und Waren schneller von einem Ort zum anderen zu bringen. Wenn Durnwalder als der große Straßenbauer in die Geschichte eingehen wird – die MEBO bezeichnete er als seine größte Leistung –, so wird das Erbe aus Kompatschers Ära der Tunnelbau sein. 

    Dabei ist der Tunnelbau im Land der Berge keine Neuigkeit. Im Mittelalter pickelte man tiefe Stollen in die Alpen, um aus deren Schoß wertvolle Erze herauszuholen. In der Zeit des Ersten Weltkriegs sprengte man Löcher in die Dolomiten, um die Front zu sichern und den Feind in die Luft zu jagen, wie am Col di Lana. Und heute? Da gibt es weder Feinde noch Minerale in den Bergen, denen wir beikommen möchten. Doch es wird so viel gebohrt, wie nie zuvor. Wir haben es einfach eiliger als früher und die Knotten sind uns im Weg. Und weil wir die Berge nicht in die Luft jagen wollen, durchbohren wir sie. Außerdem, ganz ehrlich: Ist auch geil für die Herrn Ingenieure, die mit ihren potenten stählernen rotierenden Vortriebsmaschinen in den feuchten Bergschoß vorstoßen. 

     

    Wir leben heute in einer Zeit, wo das Pilgern zu Fuß auf der ganzen Welt boomt, und was machen wir? 

     

    Doch gibt es einen weiteren Grund für Tunnels Um in die Höhe zu gelangen, und dann von oben runterzuschauen. In welchem Fall der Stollen nicht waagrecht durch den Berg, sondern als Aufzug senkrecht nach oben führt. Als man vor knapp 20 Jahren Schloss Runkelstein bei Bozen wiedereröffnete, hatte der damalige Präsident Rizzolli einen solchen Aufzug verhindert. Heute ist man heilfroh darüber. Dennoch will man jetzt in Klausen einen Aufzug senkrecht durch den Berg bis zum Kloster Säben bauen. Im Ernst jetzt? Nicht einmal die dritte Folge der Piefke Saga hat sich so was ausgedacht! Säben ist das älteste spirituelle Zentrum unseres Landes und eine der wichtigsten archäologischen Stätten. In dieser Einsiedelei haben die ersten Bischöfe und später die Benediktinerinnen seit mehr als tausend Jahren gelebt. 

    Wir leben heute in einer Zeit, wo das Pilgern zu Fuß auf der ganzen Welt boomt, und was machen wir? Sie werden vielleicht sagen: Das Christenzeugs ist Schnee von gestern. Doch selbst kulturlaizistische und ökologische Stimmen, gewiss keine eingeschworenen Katholiken, tönen: Säben soll ein spiritueller Ort bleiben und keine touristische Massenattraktion werden: Heiss, Rizzolli, Dissinger unter anderem. Von ihnen könnten die Christen, inklusive der Oberhirte, was lernen. 

    Doch die heutigen Entscheidungsträger sind Verwalter. Dies betonen wir stets, wenn wir unbeschwert die Führungsposten in unserem Land an Fachfremde verteilen. Verwalter müssen objektiv, das heißt neutral und unabhängig sein. Sie sind so neutral, dass sie weder durch fachliche Ausbildung präjudiziert noch durch Inhalte, wie zum Beispiel die historische und spirituelle Bedeutung eines Ortes, beeinflusst werden. Und so kommt es, dass ein Aufzug zu einer uralten Einsiedelei nicht als völlige Ungereimtheit, sondern als ernstzunehmende Idee bei einer Bürgerversammlung vorgeschlagen wird, ohne dass den Verwalterinnen und Verwaltern Schamröte ins Gesicht steigt.