„Kinder haben Rechte“
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Über 300 große und kleine Menschen versammelten sich heute Vormittag vor dem Südtiroler Landtag, um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fordern. Ob finanzielle Absicherung der Rente für unbezahlte Erziehungszeit, Kinderbetreuung am Nachmittag und in den Sommerferien oder Schulbildung – in Südtirol fehlt es noch an vielen Stellen.
„Familien sind in der Politik sehr unterrepräsentiert. Im Südtiroler Landtag dominieren Leute aus der Wirtschaft, dem Tourismus, der Landwirtschaft und dem Handwerk“, sagt ein Vater mit zwei Kleinkindern am Silvius-Magnago-Platz, der bessere Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder fordert. Zur Kinder- und Familiendemo haben fünf Frauen aufgerufen, Barbara Plagg, Heidi Flarer, Doris Albenberger, Ingrid Kappeller und Christa Ladurner.
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In mehreren Redebeiträgen sprechen die Frauen von den täglichen Herausforderungen moderner Familien. „Südtirol hat ein politisches Infrastrukturproblem. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind wir italienweit auf dem letzten Platz, auf 21 von 21“, erklärt Barbara Plagg vor dem Mikrofon. Das kommt nicht von ungefähr.
„Unsere Erschöpfung ist nicht privat.“
Trotz der florierenden Wirtschaft gibt es beispielsweise keine durchgehende Sommerbetreuung und Eltern müssen die freie Zeit ihrer Kinder mit verschiedenen Programmen überbrücken. „Es ist für kleine Kinder eine Zumutung im Sommer herumgeschoben zu werden, wir brauchen endlich einen ganzjährigen Kindergarten“, sagt die südtirolweit für Feminismus bekannte Aktivistin, Wissenschaftlerin und Autorin. „Kinder haben Rechte, sie haben das Recht auf eine altersgemäße Begleitung.“
Am Rand der versammelten Menge steht ein Mann, der gerne provoziert. Neben Team K-Landtagsabgeordneter Maria Elisabeth Rieder und der Präsidentin des Beirats für Chancengleichheit Ulrike Oberhammer (SVP) ist der Landtagsabgeordnete Jürgen Wirth Anderlan der einzige männliche Politiker mit Funktion auf Landesebene. „Wir müssen Familien in jeder Hinsicht unterstützen, ich habe selbst vier Kinder und drei Enkel“, sagt Anderlan.
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Wenige Meter weiter steht Dunja Smaoui. Die freie Journalistin und Mutter eines unheilbar erkrankten Kindes musste ihre beruflichen Ambitionen zurückstecken. Sie kümmert sich derzeit in Vollzeit um ihren vierjährigen Sohn, der vor dem Landtag spielen will. Da in der Sommerbetreuung keine Integrationskraft zur Verfügung steht, betreut sie ihn in den Sommermonaten selbst.
„Es ist ganz klar, dass sich etwas ändern muss – egal ob das eigene Kind eine Behinderung hat oder nicht. Wäre nicht das Pflegegeld da, würde ich für die Betreuung keinen Cent bekommen“, sagt Smaoui. Die Lücke zwischen der ausbezahlten Rente bei Männern und Frauen beträgt in Südtirol noch immer im Durchschnitt rund 800 Euro: Rentnerinnen erhalten rund 950 Euro, Rentner rund 1.760 Euro pro Monat.
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„Unsere Erschöpfung ist nicht privat“, erklärt Plagg. Solange sich Familien durchschlagen müssen, sei das politisches Versagen. „Familienpolitik ist dann gelungen, wenn es Familien gut geht. Denn Familien sind die Zukunft. Sie sind das Rückgrat der Gesellschaft“, erklärt Plagg.
Für eine erfolgreiche Familienpolitik gäbe es eigentlich schon längst einen Fahrplan: Doch der 2023 vorgestellte Gleichstellungsaktionsplan Equitas droht in der Schublade zu verstauben.
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Hinweis: Der Artikel wurde am 16. Mai 2026 um 14 Uhr aktualisiert.
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Ich stimme der Kritik zu,…
Ich stimme der Kritik zu, dass „Familie“ in der heutigen Politik einen sehr untergeordneten Stellenwert hat. Es ist bezeichnend, dass mit JWA und M.E. Rieder nur zwei Landtagsabgeordnete bei der Veranstaltung anwesend waren.
Besonders bedauerlich ist, dass sich nicht mal die scheinbar konservativen Parteien zumindest symbolisch zu einer Stärkung der Familie bekennen.
Eine Bemerkung zum Titel: Im Titel steht „Kinder haben Rechte“. Der Artikel erweckt allerdings den Eindruck, dass es den Veranstaltern eher um die „Rechte der Eltern“ geht im Sinne einer möglichst breit ausgebauten Möglichkeit die Betreuung der eigenen Kinder möglichst ganztägig und ganzjährig an Fremdeinrichtungen zu delegieren. Ich persönlich bin der Meinung, dass das nicht unbedingt im Interesse der Kinder ist.
Im Vergleich zu früher haben Kinder heute kaum noch Zeit zum freien Spielen, das Leben vieler Kinder ist durchgetakteter als das Leben von so manchem Erwachsenen. Ich halte das für eine Fehlentwicklung, wenngleich ich die Notwendigkeit der Fremdbetreuung (mit Maß und Ziel) anerkenne.