Politik | Wahlkreis Süden

Eine ethnische Grenze

Wo sprachgruppenübergreifendes Wählen normal war, wird nun ethnisch aufgeteilt. Was Urzì im Unterland macht, ist eine politische Schweinerei.

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Jetzt ist es nicht mehr heikel - so sagt man bei uns im Unterland, wenn einen etwas so negativ erstaunt, dass einem fast die Worte wegbleiben. Was der Abgeordnete Urzì mit dem Wahlkreis Bozen-Unterland macht, ist schlimmer, es ist eine politische Schweinerei. Und die Volkspartei lässt es geschehen. In wessen Hände wir sind, sieht man an dieser zynischen Operation nur allzu deutlich.  Der Wahlkreis im Süden Südtirols wird neu formuliert, um, es ist ja eindeutig, dem italienischen Rechtslager den Sitz zu sichern. Darüber schimpfen jetzt zu Recht alle, SVP inbegriffen (allerdings nur die eh schon immer übergangenwordene SVP Unterland). Was aber noch schwerer wiegt, ist die Frage der Repräsentanz, und damit der Demokratie.  Denn der Süden Südtirols war immer schon anders als der Rest. Bei uns kommt das zusammen, was anderswo getrennt oder gar nicht ist. Das Urbane und das Ländliche. Der Berg und die Talsohle. Die Alm und die Autobahn. Und, ja, das Deutsche und das Italienische. Mez per sort, ist ein liebevoll-gehässiger Ausdruck dafür, was uns ausmacht. Deshalb war der Senatskreis im Süden bisher auch der einzige Ort, wo es in Südtirol noch echte Wahlen für das Parlament gab, wo auch Überraschungen möglich waren. Im Süden Südtirols wählte man auch ohne größere Probleme über die Grenzen der Sprachgruppen hinweg. Peterlini wurde von Italiener:innen ebenso gewählt wie Palermo oder Spagnolli von deutschsprachigen Unterlandler- und Überetscher:innen. Damit soll jetzt Schluss sein. Urzì zieht eine neue Grenze, und es ist eine ethnische Grenze. Im Namen der italienischen Vertretung teilt er das Land auf wie ein Bärenfell - völlig unnötig, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Dass die SVP hier zuschaut und das zulässt, ist wirklich ein Skandal.  Politik ist immer auch eine Machtfrage. Wenn aber politischer Eigennutz wichtiger ist als die Repräsentanz der Bevölkerung, dann ist das ein Schaden an der Demokratie. Und der ist nicht wieder gutzumachen.