Die Fische ersticken im Schlamm
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Jetzt S+ abonnierenDie Gewässer der Alpenregionen sind durch die Klimakrise belastet. Die Arbeitsgemeinschaft der Fischereiverbände der Alpenländer (ARGEFA) schreibt in einer Presseaussendung von steigenden Wassertemperaturen, längeren Niedrigwasserperioden und häufigen Extremwetterereignissen. Die Konsequenzen des Hitzesommers seien auch in Südtirol spürbar, erklärt Alex Festi, der Geschäftsführer des Fischereiverbandes Südtirol.
Ein großes Problem seien die durch Starkregen ausgelöste Murenabgänge: „Dabei gelangen innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen an Erde, Gestein und Sediment in die Bäche. Je nach Art und Konzentration des mitgeführten Materials können Fische durch größere Gesteinsbrocken verletzt oder getötet werden. Feineres Sediment wiederum kann die Kiemen verstopfen und zum Verenden der Fische führen.“ Auf diese Weise könnten in einzelnen Bächen ganze Fischbestände zerstört werden, deren Wiederaufbau drei bis vier Jahre dauere.
„Die Fische werden am Ende der Saison zunehmend magerer, weil es für sie schwerer wird, Beute zu finden“
Auch die zunehmenden Trübwasserphasen infolge der länger andauernden Gletscherschmelze bereiten Sorge. „Obwohl sich die Auswirkungen derzeit noch nicht eindeutig nachweisen lassen, ist davon auszugehen, dass die langanhaltende Trübung die Nahrungsgrundlage der Fische beeinträchtigt. Die Etsch, Eisack und Rienz sind teilweise über so lange Zeiträume trüb, dass dadurch das Algenwachstum eingeschränkt wird“, meint Alex Festi. So könnte auch die Dichte der Wasserwirbellosen abnehmen, die den Fischen als Nahrungsquelle dienen. Das verringerte Beuteangebot könne in weiterer Folge auch deren Fortpflanzungserfolg negativ beeinflussen.
Spürbare Konsequenzen für die Bevölkerung zeigen sich vor allem in der fehlenden Kühlung durch naturnahe Fließgewässer. Denn Flüsse können die Temperatur in den umliegenden Gebieten senken – oder, wie im Falle des Eisacks, für die Kühlung des Walterparks sorgen. Die Erwärmung der Gewässer könne aber auch das Ende von kaltwasserliebenden Fischarten wie Forellen oder Äschen bedeuten, unterstreicht der Fischereiverband.
Die Mitgliedsverbände der ARGEFA zeigen sich überzeugt, dass ökologisch funktionsfähige Gewässer eine zentrale Voraussetzung für die Anpassung an den Klimawandel darstellen. Sie seien widerstandsfähiger gegen Extremwetter, würden die heimische Biodiversität fördern und eine natürliche Anpassungsfähigkeit der Landschaft stärken.
Die ARGEFA-Mitgliedsverbände fordern unter anderem die Beschleunigung von Renaturierungsmaßnahmen, die Wiederherstellung von Auen und die Sicherung ausreichender Wassermengen. Alex Festi erklärt, warum diese Maßnahmen wichtig sind: „Flüsse und Bäche brauchen mehr Platz, damit sich Extremwetterereignisse nicht so stark auf die Gewässerökologie auswirken. Zudem kann eine intakte Au als Wasserspeicher dienen, da sie zu einer Anreicherung des Grundwassers führt.“ Die großräumige Renaturierung der Flüsse werde jedoch bei uns durch Infrastrukturen entlang der Gewässer eingeschränkt, gibt Festi zu bedenken. „Renaturierungsmaßnahmen werden hier meist im Korsett der bestehenden Dämme umgesetzt. In anderen Ländern hingegen kann die Breite des Flussbettes bei solchen Maßnahmen auch mehr als verdoppelt werden.“
Die Renaturierungsmaßnahmen sind Zuständigkeit der Agentur für Bevölkerungsschutz und im Entwicklungsplan für Fließgewässer Südtirols festgelegt. Den Flächenmangel beklagt auch das zuständige Amt. „Wir können diese Arbeiten nur auf öffentlichen Flächen durchführen. In den letzten Jahren sind aber immer mehr Gebiete in den privaten Besitz übergegangen“, sagt Evi Holzner vom Landeswarnzentrum. Im Rahmen des seit 2011 laufenden Projekts wurden rund 740 Vorschläge eingereicht und 265 Projekte umgesetzt. Finanziert werden diese teils mit Geldern der Provinz, teils aus Ausgleichszahlungen von Wasserkraftwerksbetreibern und teils aus dem Wasserzins, also der gesetzlichen Abgabe für die Nutzung öffentlicher Gewässer.
„Renaturierungen sind kein Luxus, sondern eine notwendige Investition in die Zukunft unserer Natur“
Die ARGEFA richtet deshalb einen Appell an Politik, Verwaltung und Gesellschaft und fordert verstärkte Anstrengungen bei der Renaturierung und der ökologischen Aufwertung der Gewässer. Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft, Dr. Sebastian Hanfland, unterstreicht: „Renaturierungen sind kein Luxus, sondern eine notwendige Investition in die Zukunft unserer Natur, unserer Wasserressourcen und unserer Gesellschaft.“
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Das Amt für…
Das Amt für Wildbachverbauung sollte in Amt für Renaturierung umbenannt werden - mit entsprechender finanzieller Unterstützung für die Gemeinden, die solche Projekte umsetzen.