Umwelt | Klimawandel

Rechts ist es nicht ganz so heiß

Werden unsere Sommer heißer? Die Daten sagen Ja, doch italienische Rechtswähler zweifeln: Eine neue Studie zeigt, wie sehr die Wetterwahrnehmung von der politischen Einstellung abhängt. SALTO hat nachgefragt, was Südtiroler Rechtspolitiker dazu sagen.
Bild: stux/Pixabay

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Macht Politik die Sommer heißer – oder zumindest die Wahrnehmung davon? Eine Studie des italienischen Instituts BiDiMedia zeigt eine deutliche Kluft bei den Bürgerinnen und Bürgern: Laut den Umfrageergebnissen sagen sieben von zehn (72 Prozent) der befragten Italienerinnen und Italiener, dass der Sommer jetzt im Vergleich zu vor zehn Jahren sehr viel oder etwas heißer geworden ist. Doch die Antworten hängen stark von der politischen Couleur ab.

Der Einfluss politischer Einstellungen aufs Wärmeempfinden: Während bei den Sympathisanten von Mitte-Links, dem Movimento-5-Stelle und der politischen Mitte mindestens 90 Prozent der Befragten angeben, Italiens Sommer seien jetzt heißer als vor zehn Jahren, sind es bei den Wählerinnen und Wählern der Rechtsparteien deutlich weniger. Sondaggi Bidimedia - Studi e Proiezioni Elettorali/Facebook

Während die Zustimmung zum wärmeren Sommerwetter im Mitte-Links-Lager praktisch einstimmig ist, sinkt sie im Mitte-Rechts-Lager auf 69 Prozent. Von den Anhängerinnen und Anhängern von Roberto Vannaccis neu gegründeter Partei Futuro Nazionale stimmen nur knapp mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Aussage zu, dass der Sommer heißer geworden ist.

Das Umfrageinstitut

BiDiMedia (Sondaggi BiDiMedia) ist ein italienisches Meinungsforschungsinstitut, das auf politische Analysen, Wahlprognosen und gesellschaftliche Trendbefragungen spezialisiert ist. Das Institut ist in den italienischen Medien fest etabliert und veröffentlicht regelmäßig Erhebungen zu aktuellen politischen Entwicklungen. Methodisch setzt BiDiMedia vorrangig auf Online-Umfragen, die teils durch telefonische Befragungen ergänzt werden, um repräsentative Stichproben der Bevölkerung zu erfassen.

Erderwärmung – ja oder nein?

Außerdem geht aus den Umfrageergebnissen hervor, dass beim Thema Erderwärmung der wissenschaftliche Konsens in der italienischen Bevölkerung noch kein allgemeiner ist: Nur knapp die Hälfte (47 Prozent) der Befragten gab an, dass die Erderwärmung existiere und der Mensch dafür verantwortlich sei. Wie aus der Politikforschung bekannt ist, hängt der Glaube an den Klimawandel auch in Italien stark mit der politischen Ausrichtung zusammen.

Bedenklich: Von den 1.000 befragten Personen gaben 6 Prozent an, nicht an die Erderwärmung zu glauben und 12 Prozent, dass es die Erderwärmung zwar gebe, aber der Mensch dafür nicht verantwortlich sei. Die meisten davon sind Wählerinnen und Wähler von Parteien, die dem rechten Parteienspektrum zuzuordnen sind. Sondaggi Bidimedia - Studi e Proiezioni Elettorali/Facebook

Auch diesbezüglich gibt es große Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Wählergruppen: Die italienischen Anhängerinnen und Anhänger der Parteien der Mitte und der Linksparteien bestätigen großteils die Existenz des menschgemachten Klimawandels. Bei den Wählerinnen und Wählern der Mitte-Rechts-Parteien sieht das deutlich anders aus: Nur zwei von zehn stimmen dem zu, bei den Anhängerinnen und Anhängern von Futuro Nazionale sind es gar nur 17 Prozent. 14 Prozent von ihnen glauben überhaupt nicht an die Existenz der Erderwärmung.

Zur Studie

Die Befragung wurde zwischen dem 4. und 6. Juli 2026 von BiDiMedia srl im Eigenauftrag durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte online über ein Umfrage-Panel (CAWI-Verfahren), wobei insgesamt 1.000 vollständige Interviews durchgeführt wurden. Befragt wurde eine für die volljährige Bevölkerung Italiens repräsentative Stichprobe, die nach Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnort sowie Beschäftigungsstatus geschichtet und nach dem früheren Wahlverhalten gewichtet wurde. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei bis zu 3,1 Prozentpunkten.

Was sagen unsere Rechtspolitiker?

SALTO hat zwei Südtiroler Rechtspolitiker mit den Umfrageergebnissen konfrontiert: Massimo Bessone (Futuro Nazionale) ist überraschenderweise anderer Meinung als so mancher Anhänger oder manche Anhängerin seiner Partei: „Politisch stimme ich in bestimmten Dingen natürlich mit Mitte-Rechts und meiner Partei überein, aber in anderen Dingen bin ich anderer Meinung“, sagt Bessone. Er sei absolut davon überzeugt, dass die Sommer immer heißer werden.

Auch Sven Knoll (Süd-Tiroler Freiheit) erkennt an, dass die Temperaturen sich in den letzten Jahren verändert haben: „Ich kann jetzt nur aus meiner persönlichen Wahrnehmung sprechen: Es gibt viel mehr Extreme und keinen klassischen Übergang vom Frühjahr zum Sommer mehr, sondern es ist zuerst kalt und dann auf einen Schlag heiß“, so Knoll.

Der Süd-Tiroler-Freiheit-Landtagsabgeordnete Sven Knoll: Er zweifelt daran, dass der menschgemachte Klimawandel für die höheren Temperaturen verantwortlich ist. Seehauserfoto

Ob die steigenden Temperaturen letztendlich tatsächlich auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen sind, stellen die beiden Rechtspolitiker jedoch infrage: „Nur weil jetzt ein Sommer außerordentlich heiß ist oder ein Winter außerordentlich schneearm oder auch schneereich sein kann, ist es nicht automatisch immer nur der Klimawandel“, meint Knoll. Es könne sich auch um „normale Klimaschwankungen“ handeln, die es in der Vergangenheit auch schon gegeben haben könnte.

Bessone hingegen spricht davon, dass „der Mensch definitiv eine Mitschuld am Klimawandel“ trage, obwohl auch er direkt anschließend anführt, dass der Mensch möglicherweise nicht der einzige Urheber sei. 

Massimo Bessone auf einem SALTO-Archivbild von 2023: Von 2019 bis 2024 saß er für die Lega als Landesrat für Hochbau und Vermögen in der Südtiroler Landesregierung. Nach dem Austritt aus der Lega schloss sich Bessone Ende März 2026 Roberto Vannaccis neuer Bewegung Futuro Nazionale an. Seehauserfoto

Bessone fordert dazu auf, dem Klimawandel und dem Umweltschutz „große Aufmerksamkeit“ zu schenken: „Wir müssen handeln, aber mit Taten, nicht mit Worten, damit die Umwelt und das Klima respektiert werden und wir den Klimawandel so wenig wie möglich beeinflussen.“

 „Ich habe selbst nach Inhalten zum Thema Umwelt gesucht, aber vorerst nichts gefunden.“

Auf Rückfrage von SALTO zur Partei-Richtlinie diesbezüglich, meint Bessone, dass das Parteiprogramm erst gerade erschienen sei. Man befinde sich noch in der Entwicklungsphase. „Ich habe selbst nach Inhalten zum Thema Umwelt gesucht, aber vorerst nichts gefunden“, erzählt Bessone. Aber er werde sich auf jeden Fall persönlich dafür einsetzen, denn er gehöre nicht zu denen, „für die alles, was eine Partei oder ein Parteichef sagt, wie eine Religion ist“.