Sie wollen nur die Spitzenjobs
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Jetzt S+ abonnierenWährend der Wettbewerb für acht Stellen der ersten Führungsebene in der Landesverwaltung läuft, fordern immer mehr Menschen eine bessere Bezahlung für Landesangestellte ohne Führungsauftrag. Durch die Petition der Gewerkschaft AGO konnten bereits mehr als 6.200 Unterschriften gesammelt werden, um ein 14. Monatsgehalt für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst einzufordern.
„Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können sich nicht einmal einen Urlaub leisten.“
„Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können sich nicht einmal einen Urlaub leisten“, kritisiert AGO. Das liege auch daran, dass das Sozialsystem im Vergleich zu anderen italienischen Regionen kompliziert und weniger vorteilhaft sei. Die größte Steuerlast liege so bei der Arbeitnehmerschaft und die Landesverwaltung gerate durch den Personalmangel zunehmend unter Druck.
Wettbewerb für acht Führungspositionen
Im Gegensatz zum Personalmangel in den unteren Riegen der Landesverwaltung scheint es im Wettbewerb um gut bezahlte Führungsposten genügend Interesse zu geben: Um acht Stellen der ersten Führungsebene haben sich 55 Personen beworben. Die mündlichen Prüfungen und die Tests im Assessment Center wurden letzte Woche abgeschlossen. Nach der Gesamtbewertung wird gemäß Ausschreibung die Rangliste der Gewinnerinnen und Gewinner erstellt.
Vakant ist unter anderem die Leitung der Abteilung für Wirtschaftsentwicklung. Die ehemalige Chefin Manuela Defant ersetzt seit 1. Juni 2026 den Ressortchef von Landesrat Philipp Achammer, Armin Gatterer, der in Pension gegangen ist. Gute Chancen für die Nachfolge werden dem derzeitigen Direktor des Amts für Haushalt und Programmierung, Enrico Gastaldelli, zugeschrieben.
Bis auf das Homeoffice, wenig Pluspunkte
Die Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst seien tatsächlich andere als in der Privatwirtschaft, sagt eine junge Landesangestellte im Gespräch mit SALTO. Die Gehälter können nicht persönlich verhandelt werden, sondern werden durch Gehaltstabellen festgelegt und im Gegensatz zu den Führungskräften sei der Inflationsausgleich niedriger. Zusatzleistungen wie Gutscheine oder Dienstwagen seien außerdem nur in beschränktem Umfang vorhanden.
Wie die Südstern-Umfrage unter Südtirolerinnen und Südtirolern im Ausland bestätigt, wird zudem das Aufnahmeverfahren für Neueinsteiger im öffentlichen Dienst als zu schwierig betrachtet, vor allem bei Wettbewerben für Führungspositionen. Großer Pluspunkt sei hingegen vor allem die flexible Arbeitszeitgestaltung und die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten – das komme vor allem bei Frauen gut an.
Es ist in der Tat so, dass…
Es ist in der Tat so, dass Lohn- und Preisniveau im Lande immer weiter auseinanderklaffen. Gilt im übrigen für die Privatwirtschaft genauso wie für den öffentlichen Dienst. Wie dem entgegengesteuert werden kann, darüber wird sich die Politik den Kopf zerbrechen müssen.
Da wird sich die Politik…
Da wird sich die Politik fast sicher nicht den Kopf zerbrechen. Die Politik erhöht sich ihre Gehälter je nach Wollen oder nach Bedarf.
Zu den Lohn Niveaus der…
Zu den Lohn Niveaus der einzelnen Ebenen kommen in der Regel verschiedene Anpassungen in Form von Zusatz Aufgaben o.Ä.. Deshalb ist jedes Einkommen separat zu betrachten. Vor ca. Fünfzehn Jahren sagte mir der Leiter eines Personalbüros dass es zig solcher Zusatz Aufgaben in den verschiedenen Hierarchien gibt welche mitunter als Lohnerhöhung zu betrachten ist.
Der Kontrast, den der…
Der Kontrast, den der Artikel aufmacht, ist eigentlich kein Widerspruch, sondern ein ökonomisches Lehrstück: 55 Bewerbungen auf acht Führungsposten, Personalmangel darunter. Genau so verhalten sich Arbeitsmärkte, in denen die Vergütung nach Tabellen erfolgt. Für Führungspositionen sind die Tabellenwerte im Vergleich zur Privatwirtschaft konkurrenzfähig oder besser, für Sachbearbeitung nicht. Der Bewerberandrang oben und der Mangel unten messen dasselbe Phänomen von zwei Seiten.
Die junge Angestellte benennt den Kern in einem Nebensatz: Der Inflationsausgleich fällt für Führungskräfte höher aus als für die übrigen Beschäftigten. Das ist der eigentliche Skandal in dieser Meldung, denn Inflation trifft niedrige Einkommen prozentual härter, weil bei ihnen ein grösserer Anteil auf Wohnen und Lebensmittel entfällt. Ein nach oben stärker ausgleichendes System spreizt die Gehälter genau dann, wenn die Kaufkraft unten am dringendsten geschützt werden müsste.
Ein 14. Monatsgehalt wäre allerdings die teure Variante derselben Diskussion und würde das strukturelle Problem nicht lösen, sondern verschieben. Wirksamer wäre in Südtirol vermutlich der Wohnkostenzuschuss, denn hier liegt der eigentliche Unterschied zu anderen italienischen Regionen: Löhne nach nationalen Massstäben, Immobilienpreise nach alpinem Tourismusmassstab. Wer in Bozen eine Wohnung sucht, spürt das stärker als jede Gehaltstabelle.
Und zum Aufnahmeverfahren, das die Südstern-Umfrage bemängelt: Ein Wettbewerbsverfahren, das Rückkehrer aus dem Ausland abschreckt, filtert nicht nach Eignung, sondern nach Vertrautheit mit dem Verfahren selbst. Das ist für eine Verwaltung, die über Fachkräftemangel klagt, ein selbst gemachtes Problem.
Die stattliche Besoldung der…
Die stattliche Besoldung der leitenden Stellen ist schon deshalb berechtigt, weil sie den unteren Rängen erklären recht mühsam müssen: „mehr ist nicht drinn ...! ...?“