Kleiner Vogel – großer Schutzauftrag
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Im Biotop Prader Sand im oberen Vinschgau läuft derzeit ein bemerkenswertes Artenschutzprojekt: Die Umweltschutzgruppe Vinschgau setzt sich gemeinsam mit mehreren Partnerorganisationen für den Schutz des Flussregenpfeifers ein. Der kleine Watvogel brütet in Südtirol nur noch an wenigen Orten. Anlass der Initiative ist die zunehmend prekäre Situation der Art, deren Lebensräume europaweit unter Druck geraten sind.
Solche Lebensräume sind in den Alpen selten geworden.
Der Flussregenpfeifer bevorzugt offene Kies- und Schotterflächen entlang naturnaher Gewässer. Genau solche Lebensräume sind in den Alpen selten geworden. Flussverbauungen, Freizeitdruck und die intensive Nutzung von Uferbereichen haben dazu geführt, dass der Vogel vielerorts verschwunden ist. In Südtirol existieren laut Ornithologen nur noch wenige Brutgebiete – darunter die Prader Sand, die Passermündung bei Meran und einzelne Bereiche entlang der Ahr. -
SALTO change im Mai
SALTO change nutzt die Gelegenheit, um sich im Mai mit unseren gefiederten Freunden zu beschäftigen und mit jenen Menschen, die sich deren Schutz verschrieben haben. Wir werden ergründen, welche wichtige Rolle den Vögeln bei der Erhaltung und Förderung der Biodiversität zukommt, wie es um die Vogelwelt in Südtirol und in den Alpen bestellt ist und was wir alle unternehmen können, um die Horrorvorstellung vom „Stummen Frühling“ zu verhindern, wie Rachel Carson 1962 ihr Buch betitelte, das zu den wichtigsten Fanalen der damals entstehenden Umweltbewegung zu zählen ist.
Unsere Partner in diesem Monat sind der Dachverband für Natur und Umwelt in Südtirol, der 28 Umweltschutzorganisationen aus Südtirol und die Alpenschutzkonvention CIPRA unter seinem organisatorischen Dach versammelt und zur wirkmächtigsten Stimme der vielen ökologisch eingestellten Südtirolerinnen und Südtiroler geworden ist.
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Sensible Brutzeit zwischen April und Juni
Das Schutzprojekt konzentriert sich auf die besonders empfindliche Brutzeit zwischen April und Juni. In dieser Zeit reagieren die Tiere äußerst sensibel auf Störungen. Schon Spaziergänger, frei laufende Hunde oder das Betreten von Kiesflächen können dazu führen, dass Gelege verlassen werden.
Deshalb wurden entlang des Suldenbach-Deltas in der Prader Sand temporäre Hinweistafeln aufgestellt. Besucherinnen und Besucher werden gebeten, die Schotter- und Uferbereiche nicht zu betreten und Hunde an die Leine zu nehmen. Über QR-Codes auf den Tafeln gelangen Interessierte zu weiterführenden Informationen über den bedrohten Vogel und seinen Lebensraum. Ergänzend wurden mehrsprachige Informationsflyer veröffentlicht, die in Tourismusbüros und öffentlichen Einrichtungen aufliegen.
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Die Prader Sand - ein einzigartiger Lebensraum im Alpenraum
Neben der Umweltschutzgruppe Vinschgau beteiligen sich der Dachverband für Natur- und Umweltschutz, die Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz Südtirol, die Forststation Prad, das Landesamt für Natur, der Nationalpark Stilfserjoch und die Gemeinde Prad an der Initiative Die Zusammenarbeit zeigt, dass Artenschutz nur dann erfolgreich sein kann, wenn Behörden, Fachleute und Ehrenamtliche gemeinsam handeln.
Einer der letzten weitgehend naturnahen Schwemm- und Schotterlebensräume im Alpenraum
Besonders hervorgehoben wird dabei die ökologische Bedeutung der Prader Sand selbst. Das rund 26 Hektar große Gebiet gilt als einer der letzten weitgehend naturnahen Schwemm- und Schotterlebensräume im Alpenraum. Neben seltenen Vogelarten finden im alpenweit einzigartigen Lebensraum auch spezialisierte Pflanzen, Insekten und Amphibien geeignete Lebensbedingungen.
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Das Engagement von Rudi Maurer
Eine zentrale Rolle im Projekt spielt Rudi Maurer, der innerhalb der Umweltschutzgruppe Vinschgau die Patenschaft für die Prader Sand übernommen hat. Maurer zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten der Umweltbewegung im Vinschgau. Er engagierte sich unter anderem für den Schutz naturnaher Gewässer, gegen die weitere Ausbeutung der Prader Sand und für den Erhalt der Vinschgerbahn.
Rudi Maurer ist ein beharrlicher, sachlicher und zugleich unbequemer Mahner, der Missstände öffentlich anspricht und sich auch von Widerständen nicht einschüchtern lässt. Für sein langjähriges gesellschaftliches Engagement erhielt er unter anderem den Ilse-Waldthaler-Preis für Zivilcourage.Das Projekt setzt bewusst auf Information und Sensibilisierung statt auf Verbote und Sanktionen.
Beim aktuellen Schutzprojekt übernimmt Maurer nicht nur organisatorische Aufgaben, sondern auch die Vermittlung zwischen Naturschutz, Behörden und Bevölkerung. Gemeinsam mit Ornithologen und Freiwilligen versucht er, Verständnis für die Bedürfnisse des Flussregenpfeifers zu schaffen. Dabei setzt das Projekt bewusst auf Information und Sensibilisierung statt auf Verbote und Sanktionen.
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Symbol für den Zustand alpiner Flusslandschaften
Der Flussregenpfeifer ist damit auch ein Symbol für eine größere Frage geworden: Wie viel Raum bleibt in einer intensiv genutzten Landschaft noch für störungsempfindliche Tierarten? Die Antwort darauf entscheidet nicht nur über das Schicksal eines kleinen Watvogels, sondern auch darüber, wie naturnah alpine Flusslandschaften künftig überhaupt noch sein dürfen.
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