Ausflug | Wandertipp

Höhenwanderung am Vinschger Sonnenberg

Von St. Martin im Kofel nach Tschars: Vorbei an der Höhenkirche St. Martin führt die aussichtsreiche Tour hoch über dem Vinschgau entlang des Sonnenbergs.
Oswald Stimpfl

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Das ist heute eine rechte Sommerwanderung, ideal für heiße Tage, immerhin starten wir auf 1740 Meter Meereshöhe, im kleinen Bergweiler St. Martin im Kofel. Neben der Bergstation der Seilbahn steht am steilen Hang das Kirchlein zum hl Martin. Das Dorf liegt am Vinschger Höhenweg, einem Weitwanderweg, der von der Etschquelle am Reschen bis nach Tschars führt. Die Aussicht während der ganzen Wanderung könnte nicht schöner sein, sie geht über das Etschtal bis zum gegenüberliegenden Marteller Hauptkamm, einem Ausläufer des Ortlermassivs, mit dem Hasenöhrl (3.257 m), das noch eine weiße Gletscherhaube trägt. Die Seilbahn bringt uns in wenigen Minuten von Latsch (640 m) nach St. Martin im Kofel und überwindet dabei 1100 Höhenmeter. Nahe der Bergstation grüßen zu unserer Rechten das alte Wallfahrtskirchlein St. Martin aus dem 16. Jahrhundert, als Kontrast klebt unweit davon der moderne, in Glas und Beton erbaute „Rizzi-Turm“ am Abhang.

Infos in Kürze

Panoramareiche Höhenwanderung mit wenig Anstieg und langem Abstieg

Schwierigkeit: mittel, holprige und enge Steilstücke, einige Treppen 

Startpunkt: An der Bergstation der Seilbahn 

Strecke: 9,1 km

Gehzeit: 3 h 

Höhenmeter im Aufstieg: 40 m

Höhenmeter im Abstieg: 1200 m

Anfahrt: Mit Bahn oder Bus bis Latsch, für PKWs gibt es Parkplätze an der Talstation der Seilbahn. Auffahrt mit der Seilbahn von Latsch nach St. Martin im Kofel. Seilbahn Tel.: 0473 622212

Rückfahrt: Mit Bus oder Bahn ab Tschars, Fahrplan unter suedtirolmobil.info

Zum Wegverlauf

An der Bergstation gibt es noch einen letzten Überblick auf der Panoramakarte und dem Schilderwald an Wegweisern. Nach der Besichtigung des Kirchleins folgen wir dem Wegweiser mit der Nr. 2 und der Markierung vom Vinschger Höhenweg, einem roten Fußabdruck. Wir wandern auf einer breiten Asphaltstraße, an den letzten Häusern vorbei, durch Wiesen und dann schütteren Lärchenwald in östlicher Richtung, das Logo wird uns den ganzen Tag über begleiten. Es gibt null Autoverkehr, oberhalb vom Hofschank Platztair geht die Straße in einen Pfad über, der sich nun den Hang entlang dahinschlängelt, einmal breiter, dann wieder holprig und eng, aber immer abwechslungsreich und mit schönstem Panorama. 

Nach eineinhalb Stunden Gehzeit gelangen wir zu den wenigen Bauernhöfen von Trumsberg, die am steilen Hang kleben. Der Hofschank Niedermair, eigentlich unser Etappenziel, ist leider geschlossen, laut einem Anschlag öffnet er erst im Juli, schade, in der aktuellen Broschüre vom Roten Hahn standen andere Öffnungszeiten. So kommt die Notjause aus dem Rucksack zum Einsatz. Wir haben mittlerweile etwas an Höhe verloren, Trumsberg liegt auf 1.300 Meter, wir haben noch ein gutes Stück Abstieg vor uns. Nach den Wiesen von Trumsberg taucht der Steig in den Wald ein, überquert einen kleinen Bach, kommt zu einem Aussichtspunkt mit einer kleinen Kapelle und senkt sich stetig dem Talboden des Etschtals zu. Wir queren den Waal, der das Wasser an Burg Juval vorbei aus dem Schnalstal bringt, schon taucht der Kirchturm mit der Zwiebelhaube von Tschars auf. Durch die Dorfgasse geht es nun zur Vinschger Talstraße. Bushaltestelle und Bahnhof sind nahe beisammen, der Anschluss nach Meran ist kein Problem, die Wartezeit überbrücken wir uns beim Kellerwirt!

Das Kirchlein St. Martin im Kofel

Laut Überlieferung soll einst die Statue des Kirchenpatrons auf wundersame Weise aus der Kirche St. Martin in Göflan im Tal bei Schlanders in die Höhle am Berg gelangt sein, mehrmals wurde sie zurückgebracht und immer wieder kehrte sie dorthin zurück, bis die Menschen verstanden, dass der hl. Martin am Berg in der Höhle bleiben wollte. Die Weihe der Kirche zu Ehren des hl. Martin ist für 1510 belegt. Die Bauern der Umgebung verehrten ihn als Viehpatron, wie viele Votivbilder mit Haustieren belegen. Die etwas derbe, aber prächtig verzierte Statue des Heiligen auf dem Pferd steht in der Felsengrotte rechts vom Altar in der Kirche, deshalb heißt das Dörfchen auch St. Martin im Kofel und nicht auf dem Kofel. Die Kirche steht in den Sommermonaten zur Besichtigung offen.

Gotteshaus mit Ausblick: Die Höhenkirche von St. Martin. Oswald Stimpfl

Einkehrtipp

Gasthaus Bergstation St. Martin

Im Gebäude der Seilbahn, Panoramaterrasse, einfache Hausmannskost. St. Martin 27, +39 334 758 7779, ganzjährig geöffnet, Dienstag Ruhetag.

Jausenstation Platztair

Einfache Einkehr. Am schönsten ist es vor dem Haus auf der Terrasse. Auf der Speisekarte stehen einfache Gerichte der Hausmannskost, Jausen, Eierspeisen und der obligate Apfelstrudel. Hofschank Platztair, St. Martin im Kofel, 7, von Mitte März bis Mitte November geöffnet, Tel. 320 219 1224.

Hofschank Niedermair

Herzhafte Hausmannskost, Hausbrettl (Marende), viel vom eigenen Hof und Garten, hofeigenes Rind-, Schweine- und Schaffleisch, Hofladen und bäuerlicher Schankbetrieb. Öffnungszeiten: 15.06.2026 - 15.08.2026, Mo - Mi, Fr - Sa, Donnerstag, Sonntag Ruhetag. 16.08.2026 - 20.12.2026 Mo - Mi, Fr - So, Donnerstag Ruhetag. Tel. 0473 624091, Trumsberg 4, Kastelbell-Tschars. Vorbestellung empfehlenswert.