Seehauserfoto/Elisabeth Frei, Collage: OpenAI
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MIR sein MIR

Wenn die Autonomie zur Beratungsresistenz wird.

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Mutig und klug haben unsere Vorfahren Rahmenbedingungen geschaffen, wodurch unsere Existenz als Südtiroler Minderheit auf dem italienischen Staatsgebiet gesichert wurde. Dieser Rahmen ist die Südtiroler Autonomie, deren Reform im Mai genehmigt wurde. Nun frage ich mich: Was hat die Fortexistenz unserer Sprachgruppen mit den Wildtieren, der Baugesetzgebung und der Umwelt, die Gegenstand der jüngsten Reform sind, zu schaffen? 

Was ich sagen will: Die „Autonomie“ wurde zu einer Zauberformel, bei deren Deklamation wir uns mit ausgestreckten Armen auf den Boden werfen. 

Dabei hat Südtirols autonome Verwaltung ihren stolzen Preis, der im Vergleich zu den nicht autonomen Provinzen vier mal so hoch ist. Doch schlimmer als der materielle Aufwand ist der geistige Einbruch. Was unterhalb der Salurner Klause liegt, erscheint uns verschwommen, wenn überhaupt. Die Südtiroler Abgeordneten in Rom enthalten sich schamlos ihrer Stimme, wenn es nicht um die Autonomie geht. In derselben Logik beanstanden viele am Gesetzestext der Reform, dass die Autonomie auf die Wahrung der „nationalen Interessen“ Italiens eingeschränkt ist. Fordern wir tatsächlich, dass der italienische Staat seine Souveränität preisgibt? Glauben wir, dass uns Themen von nationaler Tragweite nicht betreffen und dass wir dafür keine Verantwortung tragen? 

Das Existenzrecht unserer Volksgruppen soll in die Steintafeln der italienischen Verfassung gemeißelt werden! Doch was darüber hinaus geht, können wir getrost in die Etsch leeren. Im weiten Meer der Adria werden diese Probleme auf mehr und vor allem brillantere statisti stoßen als in den seichten Gewässern unserer Bergseen. 

Apropos Flüsse: Nachdem in Südtirol Städte und Grafschaften jahrhundertelang wegen der Umsetzung von Maßnahmen zum Hochwasserschutz zankten, nahm Kaiserin Maria Theresia die Sache in die Hand. Sie übersah mit kaiserlichem Großmut die Besonderheiten und Präferenzen unserer Dorfkönige, d.h. deren Autonomie, und ließ weiträumig Flüsse regulieren sowie Sümpfe bonifizieren. Heute sind wir darob alle froh. 

Tatsächlich haben wir Südtiroler weder die Mittel noch die Intelligenz, um uns selbst zu genügen. 

Auch haben wir nicht die sittliche Höhe dazu: von der Wirtshausrechnung auf dem Papierblock, bis hin zum Kubaturschwindel oder zur Verletzung des Vergaberechts. 

Das älteste Rechtssystem Europas erinnert uns daran, dass Bauernschläue auch Korruption bedeuten kann, selbst wenn sie jodelnd im blauen Schurz einher marschiert.

Nach Machiavelli gibt es drei Typen von Menschen: 

1. Die Besten sind jene, die alles allein verstehen – dazu gehören wir Südtiroler nicht. 

2. Die Mittleren, die nicht selbständig erkennen, aber auf jene hören, die dies tun. Dazu sollten wir Südtiroler gehören. 

3. Alle übrigen, die weder selbständig erkennen noch auf jene hören, die erkennen. 

Um nicht zur letzten Gruppe der Beratungsresistenten zu gehören, sollten wir Südtiroler in der Debatte um die Autonomie die Begrenztheit unserer Mittel nicht aus den Augen verlieren. Bei jedem Bereich, den wir autonom verwalten wollen, sollten wir uns die Frage stellen: Wozu autonom?