Umwelt | Ermittlungen

Fernheizwerk Laas unter Zwangsverwaltung

Die Polizei ermittelt wegen illegalen Handels mit Holzkohle: Fünf Südtiroler sind in Haft, darunter der Direktor des Amts für Abfallwirtschaft, Giulio Angelucci und der ehemalige SEAB-Präsident, Rupert Rosanelli.
Holzkohlegrill
Foto: Matthias Böckel, Pixabay
  • Das Laaser Fernheizwerk steht unter Zwangsverwaltung, weil es die eigenen Abfälle aus Biomasse illegal gehandelt haben soll. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Trient heute Vormittag bei einer Pressekonferenz mit. Auch gegen Spitzenbeamte der Südtiroler Landesverwaltung wird ermittelt. Der Direktor des Amts für Abfallwirtschaft Giulio Angelucci und einer seiner Mitarbeiter, Andreas Marri, befinden sich in Untersuchungshaft. Verdächtigt wird auch der Leiter der Landesumweltagentur, Flavio Ruffini, der suspendiert wurde.

    Unter den zwölf Inhaftierten befinden sich insgesamt fünf Südtiroler, drei Österreicher, zwei Deutsche und zwei Kroaten. Zu den fünf Südtirolern gehören auch der ehemalige Bürgermeister von Laas und Präsident der Laaser Eyrser Energiegenossenschaft (LEEG), Andreas Tappeiner, sowie Hugo Trenkwalder aus Latsch und der Berater und ehemalige Präsident der Bozner Umweltbetriebe Seab, Rupert Rosanelli

  • Das Fernheizwerk Laas: steht unter Zwangsverwaltung, weil es die eigenen Abfälle aus Biomasse illegal gehandelt haben soll. Dadurch sollen Giftstoffe in Holzkohle und Düngemittel gelangt sein. Foto: Leeg
  • Bestürzung groß und viele offene Fragen

    In Zusammenarbeit mit der europäischen Behörde Eurojust ermittelt die Staatsanwaltschaft insgesamt gegen 19 Personen und drei Unternehmen. Dazu zählt auch das Fernheizwerk Vierschach, das inzwischen stillgelegt wurde. Das Netzwerk soll die Grenzwerte für Grillbriketts, Dünger und Baustoffe überschritten und auf den Markt gebracht haben, außerdem sollen CO₂-Emissionszertifikate gefälscht worden sein. Die Razzia mit über 100 Einsatzkräften betrifft Betriebe in Italien, Österreich und Kroatien. 

    Landeshauptmann Arno Kompatscher reagiert betroffen auf den Vorfall: „Die betreffenden Mitarbeiter der Landesverwaltung sind bekannt dafür, sehr seriös und präzise zu arbeiten. Wir vertrauen darauf, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und sich korrekt verhalten haben, auch in diesem Fall.“ Der Landeshauptmann erklärt gleichzeitig sein „volles Vertrauen in die Justizbehörden, dass die Vorwürfe gut aufgeklärt werden können.“

    Auch die Laaser Bürgermeisterin Verena Tröger äußert sich zu den Vorfällen: „Die Verwendung von Begriffen wie ‚Verhaftungswelle‘, ‚Müllmafia‘ oder ‚Müllskandal‘ machen mich sprachlos und betroffen. Nach inoffiziellen Informationen handelt es sich bei den betroffenen Personen um Bürger, die sich seit vielen Jahren engagiert und verantwortungsvoll für die Anliegen der Dorfgemeinschaften und der Gemeinde einsetzen.“ Tröger zeigt sich zuversichtlich, „dass die Justiz den Sachverhalt sorgfältig und mit der notwendigen Umsicht prüfen wird“, und hofft zugleich „auf eine ausgewogene und unvoreingenommene Berichterstattung.“

  • Grillbriketts: Südtiroler Fernheizwerke sollen Holzkohle auf den Markt gebracht haben, die die Grenzwerte überschreitet. Foto: Evan Wise / Unsplash
  • „Es hängt von der genauen Zusammensetzung der Inhaltsstoffe im Restprodukt ab“, sagt ein Angestellter in der Südtiroler Abfallwirtschaft. Enthält die Holzkohle erhöhte Werte an bestimmten Kohlenwasserstoffen und erhöhte Dioxinwerte, sind diese nicht für das Grillen von Lebensmitteln geeignet. „Eigentlich handelt es sich bei dieser Kohle um ein wertvolles Abfallprodukt, solange die Grenzwerte eingehalten werden“, ist aus Kreisen des Fernheizwerks zu erfahren. Dank regelmäßiger Kontrollen bei der Holzvergasung und der engen Zusammenarbeit mit der Landesverwaltung seien die Vorwürfe deshalb schwer nachvollziehbar. 

    Die Ermittlungen begannen bereits im Jahr 2022, nachdem bei einer Routinekontrolle eines Lkw in Innichen Asche beschlagnahmt wurde. „Die italienische Gesetzgebung zur Abfallwirtschaft zählt zu den strengsten in Europa“, erklärt ein Branchenkenner. 

    Ob sich die Vorwürfe gegen die fünf Südtiroler erhärten, zeigen die nächsten Tage und Wochen, es gilt die Unschuldsvermutung.