UploadSounds 2026
-
SALTO: Herr Bellotti, müssen junge Musikerinnen und Musiker heute durch das Programm „Identity“ mehr Content Creator als reine Musikschaffende sein?
Maurice Bellotti: Nein, überhaupt nicht. Uns geht es nicht darum, Musikerinnen und Musiker zu Influencerinnen und Influencern zu machen. Aber die Realität ist natürlich, dass Sichtbarkeit heute eine große Rolle spielt.
„Gute Kommunikation soll die Musik unterstützen – nicht ersetzen.“
Viele junge Acts machen gute Musik, schaffen es aber nicht, ihre Identität oder ihre Geschichte klar nach außen zu transportieren. „Identity“ soll deshalb helfen, Werkzeuge zu geben: Wie präsentiere ich mein Projekt? Wie kommuniziere ich authentisch? Wie funktioniert Pressearbeit oder visuelle Identität? Wie kann ich Social Media nutzen, ohne mich komplett darin zu verlieren? Am Ende steht immer noch die Musik im Mittelpunkt. Gute Kommunikation soll die Musik unterstützen – nicht ersetzen.
-
Nach welchen Kriterien wählt das Board die Acts für das Berlin-Projekt bei „Upload-E“ aus?
Die Auswahl passiert gemeinsam mit einem Board aus internationalen Branchenprofis. Für den Bereich „Upload-E“ wird das Board von Fabrizio Mammarella geleitet, der seit vielen Jahren eng mit der internationalen elektronischen Szene verbunden ist und mittlerweile selbst in Berlin lebt und arbeitet. Gerade diese direkte Verbindung zur Berliner Club- und Kunstszene ist für uns sehr wichtig, weil wir keine rein theoretische Auswahl machen wollen, sondern Projekte finden möchten, die auch wirklich in diesem Umfeld funktionieren und sich dort weiterentwickeln können. Wichtig sind dabei vor allem Originalität, eine klare künstlerische Vision und die Fähigkeit, musikalische und visuelle Elemente auf interessante Weise zusammenzubringen. Das Berlin-Projekt soll dabei kein klassischer „Preis“ sein, sondern vielmehr eine reale Möglichkeit, Teil eines internationalen Netzwerks und einer neuen Szene zu werden.
Zur PersonMaurice Bellotti koordiniert die Euregio-Musikplattform UploadSounds in Südtirol. Der Bozner ist zudem seit über zwei Jahrzehnten als Konzertveranstalter mit seiner Agentur Poison For Souls aktiv und holt internationale Acts in die Region. Als leidenschaftlicher Musiker sitzt er selbst am Schlagzeug des bekannten Power-Trios hijss.
Wie wird bei der Auswahl die Balance zwischen den drei Regionen und den verschiedenen Sprachgruppen gehalten?
UploadSounds ist ein Euregio-Projekt. Uns ist wichtig, dass sich Trentino, Südtirol und Tirol gleichermaßen vertreten fühlen. Wir achten deshalb sowohl bei der Auswahl als auch im Board auf eine gute Balance zwischen Regionen, Sprachen und musikalischen Szenen. Gleichzeitig wollen wir aber keine künstlichen Quoten schaffen. Am Ende zählt immer die Qualität und das Potenzial eines Projekts. Die Vielfalt der Regionen und Sprachgruppen sehen wir eher als Stärke und Bereicherung des Projekts.
Was genau erwartet den Nachwuchs beim neuen Format „Tea and Biscuits“ und welche Headliner machen mit?
„Tea and Biscuits“ ist ein neues Austauschformat in sehr persönlicher Atmosphäre. Junge Musikerinnen und Musiker treffen dort auf erfahrene Künstlerinnen, Booker oder Produzentinnen – nicht in Form eines klassischen Workshops, sondern eher als offenes Gespräch. Es geht darum, ehrlich über den Musiker-Alltag zu sprechen: Touren, Zweifel, Fehler, Produktion, Kommunikation oder auch darüber, wie man langfristig kreativ bleibt.
Warum bringt ihr die Musik mit Formaten wie „Sounds From The Market“ bewusst an Alltagsorte statt in klassische Konzertsäle?
Weil Musik Teil des öffentlichen Lebens sein sollte und nicht nur in klassischen Kulturräumen stattfinden muss. Mit Formaten wie „Sounds From The Market“ wollen wir Menschen erreichen, die vielleicht sonst nicht bewusst auf ein Konzert gehen würden.
„Gerade junge Musik braucht Sichtbarkeit im echten Leben und nicht nur online oder in spezialisierten Szenen.“
Ein Markt, ein öffentlicher Platz oder ein alltäglicher Ort schafft oft eine ganz andere Nähe zwischen Publikum und Künstlerinnen und Künstlern. Gerade junge Musik braucht Sichtbarkeit im echten Leben und nicht nur online oder in spezialisierten Szenen. Außerdem finden wir es spannend, Musik aus dem klassischen Konzertkontext herauszunehmen und neue Situationen dafür zu schaffen
UploadSounds 2026 auf einen BlickDie Euregio-Plattform fördert Acts unter 35 Jahren aus Südtirol, Tirol und dem Trentino. Statt eines Contests bieten vier neue Programme gezielte Förderung von Live-Auftritten bis hin zu Studioaufnahmen. Die kostenlose Anmeldung läuft über www.uploadsounds.eu. Zudem bringt die Plattform Events nach Südtirol : Die Reihe „Music Bazaar“ in der Bozner Location Zoona bietet Live-Musik und Equipment-Flohmarkt (07.06., 05.07., 09.08., 06.09., 10–18 Uhr). Die „Sounds From The Market“ beleben die Samstagsmärkte mit DJ-Sets (06.06., 04.07., 01.08., 05.09.). Ergänzt wird das Programm durch herbstliche Konzerte bei „Upload On Tour“ sowie spezialisierte Fach-Workshops.
Weitere Artikel zum Thema
Musik | Dialekt-Pop„Das macht mich wahnsinnig happy“
Musik | BackstagetechnikAm Mischpult der Weltstars
Musik | Folk & HouseEhrlicher Sound und elektronische Welten
Stimme zu, um die Kommentare zu lesen - oder auch selbst zu kommentieren. Du kannst Deine Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.