Wirtschaft | Bettenstopp

120 neue Gästebetten fürs Martelltal

Im Vinschgau soll ein neues Hotel genehmigt werden: Umweltverbände sind gegen die Rodung von sechs Hektar Wald, Bürgermeister Georg Altstätter weist die Kritik zurück.
Tourismuszone Gallenmahd Martell
Foto: Veröffentlichte Projektunterlagen
  • Im Martelltal will ein Tiefbau-Unternehmer aus Schlanders ein neues Hotel mit 120 Betten bauen. Die vor fast 20 Jahren ausgewiesene Tourismuszone „Gallenmahd“ wäre eigentlich im September 2026 verfallen und der Investor geriet unter Zeitdruck. „Wir wissen erst seit zwei Wochen, dass unsere Gemeinde als strukturschwach gilt“, erklärt Bürgermeister Georg Altstätter (SVP).

    Für das Hotelprojekt auf über 1.600 Metern Meereshöhe im Nationalpark Stilfserjoch wurde bereits ein Durchführungsplan eingereicht, der sich in der Genehmigungsphase befindet. In einem weiteren Schritt muss die Pflicht für die Umweltverträglichkeitsprüfung festgestellt werden. Die Tourismuszone wird im Plan des Naturschutzparks bereits berücksichtigt und als wirtschaftliche Aktivität gekennzeichnet. 

    Wie die Landesregierung Anfang April in einer außerordentlichen Sitzung entschieden hat, zählt Martell zu den 56 strukturschwachen Gemeinden, die im Gemeinderat über die Verlängerung bereits ausgewiesener Tourismuszonen entscheiden können. Damit könnte die Gemeinde das Hotelprojekt retten, auch wenn sich das Genehmigungsverfahren verzögert und die Frist im September 2026 nicht mehr eingehalten werden kann.

  • Bürgermeister weist Kritik zurück

    Für die Umweltverbände ist das Projekt jedenfalls ein Schritt in die falsche Richtung: Laut Umweltbericht sind erhebliche Eingriffe zu erwarten: über 6.000 Quadratmeter Bodenversiegelung, zusätzliche Verkehrsbelastung, Eingriffe in Wasserhaushalt und Biodiversität sowie massive Veränderungen des Landschaftsbildes“, kritisieren Südtirols Umweltverbände in einer Pressemitteilung. Besonders problematisch sei die geplante Rodung von rund sechs Hektar Wald für einen Lawinenschutzwall, erklären Heimatpflegeverband Südtirol, Dachverband für Natur und Umweltschutz, Mountain Wilderness, CAI, WWF, LIPU und Legambiente in der gemeinsamen Aussendung.

  • Georg Altstätter: „Die Nutzung von Altbestand wie dem Ex-Hotel Paradies auf 2.000 Metern Meereshöhe ist leichter gesagt als getan.“ Foto: Gemeinde Martell

    „Der notwendige Lawinenschutzwall stellt selbst einen massiven Eingriff in Natur und Landschaft dar. Umso unverständlicher ist es, dass die dafür notwendigen Holzschlägerungsarbeiten bereits begonnen haben, obwohl zentrale Fragen zur Genehmigungsfähigkeit des Gesamtprojekts noch offen sind“, so die Umweltverbände, die den Stopp des Projekts fordern. 

    Die geplante Anlage erfordert auch den Neubau sämtlicher Infrastrukturen für die Wasser- und Energieversorgung. Gleichzeitig würden im Tal ungenutzte Gebäudestrukturen bestehen, die für eine touristische Entwicklung genutzt werden könnten. „Die Nutzung von Altbestand wie dem Ex-Hotel Paradies auf 2.000 Metern Meereshöhe ist leichter gesagt als getan“, meint Bürgermeister Altstätter lapidar dazu.