Loch ohne Boden
-
Es ist wohl kein Zufall, dass bei den Bundesdeutschen Schotter ein anderes Wort für Geld ist, so wie bei uns Kies. Mit Schotter lässt sich Geld machen, um so begehrter sind Schottergruben. Aber in einem so engen Land wie Südtirol sind auch die nächsten Häuser nie fern, was den Schotterabbau zu einem umstritteneren Thema macht.
So wie in Auer, wo sich gut 200 Menschen zur Bürgerversammlung einfanden, bei der es um die Zukunft des Schotterwerks „Ex-Gamberoni“ nördlich des Dorfes ging. Das eigentlich schon lange wieder weg sein sollte.
-
Konzession immer wieder verlängert
2006 wurde das Areal als temporäre Baustelle für die Umfahrungsstraße Auer eingerichtet, nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2013 hätte das Areal bis 2015 in landwirtschaftliches Grün zurückgeführt werden sollen. Doch stattdessen verlängerte das Land die Konzession immer wieder.
Mehrmals sprach sich der Aurer Gemeinderat gegen den Schotterverarbeitungsplatz aus, zuletzt 2025, und legte mehrere Rekurse beim Verwaltungsgericht ein. Das Verwaltungsgericht sprach sich 2018 dann auch in einem Urteil gegen die Verlängerung aus.
120.000 Kubikmetern Material, bis zu 15.000 LKW-Fahrten
Doch nichts geschah, im Gegenteil. Bislang „Schotterverarbeitungsplatz“, beantragte die Betreiberfirme Reggelberg Bau die Ausweisung als „Schotterwerk“ mit Betonherstellung und Bauschuttrecycling, was laut Bürgermeister Martin Feichter an dem Standort wegen archäologischer Funde und des hohen Grundwasserspiegels ohnehin nicht möglich sei. Bislang wird am Standort Material verarbeitet, aber keines abgebaut.
2023 verlängert das Land Südtirol die Konzession bis Mai 2025, danach beantragt das Unternehmen eine Ausweisung als Gewerbegebiet von Landesinteresse, das Land leitet am 30. Dezember 2025 das Verfahren ein und verlängert die Konzession bis 30. Mai 2026. Im Raum steht eine zu verarbeitende Menge von 120.000 Kubikmetern Material pro Jahr, was laut Bürgermeister Feichter bis zu 15.000 LKW-Fahrten jährlich bedeuten würde. Gegen die Ausweisung als Gewerbegebiet von Landesinteresse gehen 17 Einwände ein, der Gemeinderat lehnt das Ansinnen einstimmig ab, am 14. Mai dieses Jahres spricht sich auch die Landeskommission für Raum und Landschaft mehrheitlich dagegen aus.
-
Doch entschieden ist damit nichts
Nun hat Wirtschaftslandesrat Marco Galateo seinen Auftritt und versucht die Anwesenden, die offensichtlich mit allergrößter Mehrheit gegen die Grube sind, zu umschmeicheln, ohne ihnen all zu viele Hoffnungen zu machen. „Ich verstehe euch, aber alle wollen die Gruben neben dem Haus des anderen.“ Aber der Schotter sei für die Bauwirtschaft nun mal nötig. „Was ist die Alternative? Von woanders her karren? Das erhöht den Verbrauch und macht die Ware teurer.“
Man habe die Bezirksgemeinschaft und die Gemeinden des Unterlands gefragt, nennt uns alternative Standorte. „Es kam natürlich keine Antwort“, so Galateo. Also müsse das Land entscheiden, auch wenn die Lösung nicht allen gefällt.
-
Immerhin, was die Ausweisung als Gewerbegebiet von Landesinteresse angeht, kündigte Galateo an, den Antrag nicht in die Landesregierung zu bringen, weil Gemeinde und Landeskommission für Raum und Landschaft dagegen sind.
Stattdessen sollen die Ämter eine Machbarkeitsstudie ausarbeiten und neue Flächen ausfindig machen, die vor 15 Jahren erstellte Studie des Landes für Schottergruben sei nicht brauchbar. Bei der Gelegenheit wolle man auch genaue Zahlen zu Angebot und Nachfrage von Schotter erheben, die es noch nicht gebe.
Bis November muss das Areal wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.
Aber das wird dauern. Wie es derweil mit dem Areal weitergeht, war am Ende des Abends nicht klar. Stand heute läuft die Konzession am 30. Mai aus, bis November muss das Areal wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Galateo vermied eine klare Antwort und verwies wiederholt auf die Machbarkeitsstudie. Auch Bürgermeister Feichter hatte darauf keine Antwort, er geht davon aus, sagt er, dass der Termin am 30. Mai einzuhalten ist.
Galateo sprach aber auch die Strafen bei Verzögerungen an, die seiner Meinung nach zu niedrig seien. „Wenn ein Unternehmen die Strafzahlungen als normale Betriebsausgabe einkalkulieren kann und die Rechnung trotzdem aufgeht, ist das inakzeptabel.“ Die Strafen sind Zuständigkeit des Landes, man werde sie erhöhen.
-
Widerstand aus der Bevölkerung
Die Wortmeldungen aus dem Publikum waren fast durchwegs gegen die Verlängerung der Konzession.
Angesprochen wurde der Wertverlust der Häuser und die Auswirkungen auf die Gesundheit, eine Anwesend kündigte an, nicht aufgeben zu wollen, „sarà battaglia“.
Die Aurer wurden vom Land „jahrelang bei den Eiern genommen“.
Eine weitere Wortmeldung, die die Verlegung der Grube nach Bozen vorschlug, auf das Areal der Seab neben der Müllverbrennungsanlage lehnte Galateo dankend ab, die Bozner seien mit der Müllverbrennungsanlage, die Abfall aus dem ganzen Land verbrennt, schon bedient genug. Auch Bürgemeister Feichter merkte an, dass es sei nicht sinnvoll sei, zu sagen, bei welchem Nachbarn man es am besten machen könnte.
Ex-Bürgermeister Roland Pichler gab zu bedenken, dass der Betreiber ja immer gewusst habe, dass das Werk nicht für die Ewigkeit gedacht ist. Ein anderer sagte, dass die Unterlandler ein gemütliches Volk seien und es nur deshalb so gesittet zugehe, nur um dann nachzuschießen, dass die Aurer vom Land „jahrelang bei den Eiern genommen“ wurden.
Ein weiterer Redner sagte, man solle die Anlage lassen wo sie ist, weil dort eh keiner wohne.
-
Aurer Vizebürgermeister und Bürgermeister: Stefano Sgarbossa und Martin Feichter. „Unser offizieller Stand ist immer noch der Umweltbericht von 2009. Darin rechnet man mit 4,9 Millionen Kubikmetern Aushubmaterial, aber die damals im Bericht genannten Deponien gibt es ja zum Teil gar nicht mehr“. Foto: Gemeinde Auer -
Nicht nur Auer
Das Problem geht weit über Auer hinaus. Zur Sprache kam auch die Grube in St. Florian bei Neumarkt, die im Gegensatz zu jener in Auer direkt an bewohntes Gebiet angrenzt. Auch diese Grube hätte seit Jahren geschlossen werden sollen, die aktuelle Konzession endet im kommenden September, weil die Arbeiten aber wegen archäologischer Funde in einem Teil des Areals ruhen mussten, bekamen die Betreiber, die selben wie bei der Aurer Grube, einen Aufschub.
„Wir sind damit nicht einverstanden.“
In St. Florian muss ein Volumen von 400.000 Kubikmeter aufgefüllt werden, mehr als 100.000 pro Jahr seien aber nicht möglich, sagt Galateo, deshalb gebe es eine Verlängerung um drei Jahre. „Wir sind damit nicht einverstanden“, sagt Neumarkts Bürgermeisterin zu SALTO, „die Grube gibt es jetzt lange genug, aber leider liegt die Entscheidung beim Land.“
Auch die Torfgruben wurden angesprochen, deren Erweiterung und Neuausweisung eigentlich gestoppt wurde. Nun arbeitet die Landesregierung an einem Gesetz, nach dem bestehende Torfstiche wieder erweitert werden dürfen.
-
BBT am Horizont
Natürlich warfen auch der Brennerbasistunnel und die dritte Autobahnspur ihre Schatten auf Auer. Werden die Anlagen in Auer und Neumarkt etwa auch dafür genutzt? Wo soll das Aushubmaterial gelagert werden? Wird die Schließung der Schottergruben in Auer und Neumarkt immer weiter hinausgezögert, damit man die Areale dann auch für die Baustellen der Zulaufstrecken zum Brennerbasistunnel nutzen kann, weil es dann einfacher sein wird, etwas Bestehendes weiter zu nutzen, als etwas Neues auszuweisen?
Bürgermeister Martin Feichter sagte auf Nachfrage, dieses Szenario sei nicht ausgeschlossen, aber die Flächen seien ohnehin zu klein. „Unser offizieller Stand ist immer noch der Umweltbericht von 2009. Darin rechnet man mit 4,9 Millionen Kubikmetern Aushubmaterial, aber die damals im Bericht genannten Deponien gibt es ja zum Teil gar nicht mehr, auch die Torfgrube in Salurn soll ja eigentlich geschlossen werden.“
Galateo antwortete, die Gruben hätten mit dem BBT nichts zu tun. „Um dieses Thema werden wir uns kümmern müssen, wir haben noch kein geeignetes Areal, wir werden eines finden müssen.“
Vielleicht werden die Aurer dann wehmütig an die heutige Schottergrube zurückdenken. War eigentlich gar nicht so schlimm im Vergleich...
-
Weitere Artikel zum Thema
Politik | Bauwesen„Materialtransport aus Trient hierher“
Umwelt | BauwirtschaftDas Schottergruben-Dilemma
Wirtschaft | BauindustrieGalateos Feuerprobe
Mit bester Landschafts ...?…
Mit bester Landschafts ...?-PFLEGE beim zuständigen Landesrat, haben die SCHOTTER-BARONE die besseren Karten wie die SCHTAUB- + LÄRM-geplagten ANRAINER ...!
Andererseits muss man sich schon fragen, darf das MATERIAL des -R O H R- verliebten LANDESRATES, nur sehr teuer depniert werden?
Wo der Schotter rollt macht…
Wo der Schotter rollt macht die SVP alles für den Schouder!!
Der Rubel muss rollen und dann passt sich die SVP an allen und allem an!!
Die SVP ist ja die Versorgungspartei .... für reiche Leut!!
Der Artikel ist, wie so oft…
Der Artikel ist, wie so oft auf Salto, viel zu lang.
Antwort auf Der Artikel ist, wie so oft… von Lollo Rosso
Die Schottergrube, die ja…
Die Schottergrube, die ja eigentlich gar keine Schottergrube ist, gibt es auch schon viel zu lang...