Gesellschaft | Ankündigung

Pride Vibes

Bei der heutigen Vorstellung zum „Pride Month 2026“ ging es um Mobbing, Diskriminierung und was die Menschen dagegen tun können und sollen. Und es ging um eine Fahne.
SALTO/HM

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Am Ende fiel der Name doch: Marco Galateo. Eine Journalistin grub bei der heutigen Pressekonferenz in Bozen zum Pride Month die Geschichte des Politikers aus, der im vergangenen Jahr mit scharfen und menschenverachtenden Worten verdeutlichen wollte, dass Regenbogenfahnen nicht in den Pressesaal des Landes gehören. Und er scheinbar schon.
 

Derartigen Sprüchen und Taten gilt es entgegenzutreten. Und deshalb will Südtirol weiterhin ein Zeichen für Vielfalt und Offenheit setzen. 

Vielfalt statt Einfalt: Wenn bunte Fahnen mehr Aufmerkasamkeit haben als weiß-roter importierter Speck meldet sich Marco Galateo. Mahlzeit. SALTO/HM

Landeshauptmann Arno Kompatscher reagierte gelassen auf den Hinweis mit Nachfrage und berichtete von einer Unterredung: „Wir haben das schon im vergangenen Jahr klargestellt“, meinte Kompatscher, „weil ich ihn an den Koalitionsvertrag erinnerte.“ Dabei sei es um die gemeinsamen Ziele der Koalition und um die Freiheit jedes Einzelnen gegangen, seine Presskonferenzen mit oder ohne Regenbogenfahne abzuhalten.

Weitaus schlimmer als der Fahnenstreit im Landhaus waren allerdings Galateos Äußerungen in den Sozialen Netzwerken im Vorfeld zur großen Pride-Veranstaltung in Bozen. Aber auch während der Veranstaltung, nachdem Galateo bemerkt hatte, welche fröhliche Stimmung die vielen in ihrer Buntheit versammelten Menschen in der Landeshauptstadt Bozen verbreiteten. Man spürte regelrecht, wie der FdI-Politiker „kochte“ und mit seinen Posts und den dazugehörigen Kommentaren nicht zum ersten Mal Menschen verunglimpfte. 

Ist das schon Mobbing? fragten viele damals. Es war auf jeden Fall böser Zynismus, von der politischen Auswechselbank aus geführt, wo Werte, Ideale oder die Gefühle anderer bewusst missachtet werden. Auch zu diesem Thema wurde bei der Pressekonferenz gesprochen. 

Im Zeichen des Pride Month: Brigitte Hofer, Arno Kompatscher, Johanna Ramoser, Karin Ranzi und Mattia Di Piero SALTO/HM

Die Gleichstellungsrätin des Landes Brigitte Hofer stellte eine anonyme Online-Umfrage zu Mobbing, geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Belästigung vor. Die Umfrage richtet sich an alle erwerbstätigen Personen ab 15 Jahren in Südtirol und wurde in Zusammenarbeit mit LGBTQIA+-Vereinen entwickelt. Besonderes Augenmerk liege dabei auf möglichen Zusammenhängen zwischen sexueller Orientierung beziehungsweise geschlechtlicher Identität und Diskriminierungserfahrungen im Berufsleben. Bereits rund 2.000 Personen hätten an der Umfrage (fair.apollis.it) teilgenommen. Ziel sei es jedoch, möglichst viele der rund 290.000 Erwerbstätigen in Südtirol zu erreichen. Die Ergebnisse sollen später als Grundlage für Präventions- und Sensibilisierungsmaßnahmen dienen. 

Arno Kompatscher erklärte Südtirol habe aufgrund „seiner Geschichte und seiner Autonomie eine besondere Verantwortung im Umgang mit Vielfalt.“ Die Autonomie selbst sei Ausdruck des „Schutzes von Minderheiten und der Anerkennung kultureller Unterschiede“. Gerade deshalb müsse „Diversität in all ihren Formen selbstverständlich sein“. 

Der Landeshauptmann unterstrich, dass es bei den Pride-Initiativen nicht darum gehe, Menschen eine bestimmte Sichtweise aufzuzwingen. Vielmehr wolle man ein Zeichen für eine „offene, pluralistische Gesellschaft setzen“, in der alle Menschen unabhängig von Sprache, Herkunft, Religion, Hautfarbe oder sexueller Identität gleichwertiger Teil der Gemeinschaft seien. Die Regenbogenflagge stehe dabei nicht für parteipolitische Ideologien, sondern für Nichtdiskriminierung, Frieden, Gerechtigkeit und gesellschaftliche Offenheit.

Pridiges Großereignis in Bozen: Der Pride 2025 war ein voller Erfolg. Trotz „Mobbing“ im Vorfeld. Auch von Seiten einiger Politiker und Politikerinnen. Seehauserfoto

Im weiteren Verlauf der Vorstellung wurden mehrere konkrete Initiativen präsentiert. Ein Schwerpunkt liegt auf Sensibilisierungskampagnen. Dabei wurde betont, dass Diskriminierung keine abstrakte Erscheinung sei, sondern viele Menschen tagtäglich betreffe. Über die Stadt Bozen berichtete die zuständige Poilitikerin im Stadtrat Johanna Ramoser über die Wichtigkeit von Angeboten und Begegnungsräumen. Sie sprach offen über Outing-Prozesse und emotionale Herausforderungen für Familien. Darüber hinaus unterstütze die Gemeinde verschiedene Beratungs- und Anlaufstellen sowie Projekte gegen Diskriminierung. Ziel sei es, das Thema nicht nur punktuell während des Pride Month zu behandeln, sondern das ganze Jahr über für mehr Sensibilität und Akzeptanz zu arbeiten.

Derartige Offenheit würde man bei Ramoser auch gerne in Sachen Schule und Sprache hören. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Immerhin stellt sich die Stadt Bozen über Ramoser klar hinter den Pride Month. Das war 2025 noch etwas anders gewesen. 

Karin Ranzi und Mattia Di Piero: Sind „Ready“ für die „Pride Vibes“ und andere Initiativen. SALTO/HM

Die Amtsdirektorin des Amtes für Landessprachen und Bürgerrechte Karin Ranzi ging vereinzelt auf die verschiedenenen vorgestellten Initiativen ein. Auch der Präsident der Vereinigung Centaurus, Mattia Di Piero. „Die Veranstaltung ist ein wichtiger Moment der Sichtbarkeit und des Zusammenhalts für die queere Community gewesen“, zog er Bilanz über den ersten Pride im vergangenen Jahr. Unter dem Titel Pride Vibes werde künftig dezentral organisiert. Statt einer einzigen Großveranstaltung wolle man zahlreiche kleinere Initiativen in verschiedenen Teilen Südtirols fördern. Über die Plattform pride.bz.it können Vereine und Gruppen ihre Veranstaltungen eintragen und Teil der gemeinsamen Initiative werden.

In der Pressekonferenz wurde auch an die historischen Stonewall-Aufstände vom 28. Juni 1969 erinnert, als sich queere Menschen gegen Polizeigewalt und gesellschaftliche Ausgrenzung zur Wehr gesetzt hatten. 

Für dich ist es ein Scherz. Für Manuel ist es eine Schule, in die er nicht hin will. Der Satz steht auf einem Plakat mit einem Motiv, auf dem eine Person mit einem Spruch an einer Wand verunglimpft wird. Derartigen Sprüchen und Taten gilt es entgegenzutreten. Und deshalb will Südtirol weiterhin ein Zeichen für Vielfalt und Offenheit setzen. 

Queeres Leben im ländlichen Raum: Anlässlich des Pride Months wurden heute bei einer Veranstaltung von Eurac Research die Realitäten und Perspektiven von LSBTQIA+-Menschen in Südtirol beleuchtet. SALTO/HM