Dirk (Beeki®) Schumacher, Pixabay
Gesellschaft | Sie haben gut reden

Dem Club Max sei gedankt!

Die Jugend weiß nicht, wie man feiert und darf es auch nicht lernen. Ein Widerspruch, der weit gefährlicher ist als eine Schlägerei vor der Diskothek Max.

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Die berühmte Diskothek Club-Max bleibt vorerst geschlossen. Die Polizei hat es vorgeschlagen, der Quästor hat es verordnet. Angeblich soll das Tanzlokal seine Tore in Zukunft gar nicht mehr öffnen. 

Die Schließung wird begründet: Wiederholt kam es in den letzten Jahren zu gewalttätigen Vorfällen vor dem Eingang zur Diskothek. Nicht nur beim School’s-Out-Fest, sondern auch an gewöhnlichen Samstagabenden. Und ja, wer sich zu später Stunde am Parkplatz vor dem Max aufhält, findet sich in Dantes Inferno wieder: Glasflaschen zerbersten, pinkelnde Bimmel, grölende Jungs, heulende Mädels, eine orgiastische Walpurgisnacht, die gelegentlich in einer Schlägerei endet. Deshalb hat sich der Quästor gedacht: Schluss damit.

Tatsächlich weiß unsere jeunesse dorée nicht, wie man sich benimmt, wenn man am Abend ausgeht. Doch wie lernt man richtiges Verhalten? 

„Wir lernen etwas richtig zu tun, indem wir es öfters tun“. Das sagte nicht nur der große Philosoph Aristoteles, das sagt auch der Hausverstand. Doch genau das wird den Jugendlichen nicht konzediert. In den letzten fünf Jahren wurde die Hälfte der Ausgehlokale in Südtirol geschlossen und wir sind noch nicht am Ende! 

 

„Es ist so, als ob wir einem Kind das Erlernen des Fahrradfahrens verbieten, weil es nicht Fahrrad fahren kann.“

 

Wo sollen die Jugendlichen, so frage ich, lernen, wie man richtig säuft? Wie man tanzt, wie man sich küsst, wie man flirtet, wie man sich verteidigt, wie man mit Konfliktsituationen umgeht, wie man mutig ist, welche Freunde zu einem stehen, wie sich Bier mit Whiskey und Vodka mit Redbull vertragen, ob kotzen hilft und was man in einem Klo sonst noch alles tun kann?  Wir nehmen der Jugend vorweg die Möglichkeit, all dies zu lernen und ärgern uns nachträglich, dass sie es nicht kann. Es ist so, als ob wir einem Kind das Erlernen des Fahrradfahrens verbieten, weil es nicht Fahrrad fahren kann. Doch Papa und Mama sollten beim Lernen dabei sein. Ich verlange nicht, dass sich die Erziehenden in die movida mischen und die Jungs beim Feiern begleiten. Ich verlange mehr als das. Holt sie alle rein! Im barbarischen Mittelalter wurde in der Kirche gefeiert, beispielsweise bei einer Hochzeit aß, soff und tanzte man vor dem Altar. Der Pfarrer war dabei und warf ein Auge drauf. 

Sie werden vielleicht sagen: Man kann ja nicht zwischen Kirchenbänken und Heiligenstatuen feiern. Dann schmeißt den alten Holzplunder auf die Straße, lasst ihn im Namen des Herzen Jesu in Flammen aufgehen und holt die Menschen zum Feiern rein! 

Desgleichen wende ich mich an alle Schuldirektorinnen und -direktoren, Jugenddienstleiter/-innen und insgesamt an alle, die im Namen der Jugend ein paar überdachte Quadratmeter verwalten: Beginnt heute, nicht morgen, mit der Organisation der nächsten School’s-Out-Party in eueren eigenen Räumlichkeiten. Euer Sicherheitspersonal soll als Rein- und nicht als Rausschmeißer fungieren. 

Und Sie, verehrter Quästor Ferrari, haben kein Recht, dies zu verbieten. Falls Sie es dennoch tun, seien alle zum zivilen Ungehorsam aufgerufen. Gegen das Gesetz und im Namen der Verfassung, wie Habermas deklamierte. Denn leben ist das erste Grundrecht. Und leben, wie Seneca schreibt, muss gelernt werden. 

Es sei Felix Taschler, dem Betreiber des Club Max, herzlich gedankt: Er hat getan, was die Erziehenden in den letzten Jahren versäumt haben.