Co-Opera: zusammen Perspektiven schaffen
Hinweis: Dies ist ein Partner-Artikel und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der SALTO-Redaktion wider.
25 Jahre Engagement für Menschen
Einleitender Beitrag von Monica Devilli, Vorsitzende von Coopbund
Es gibt Genossenschaften, die ihre Werte nicht nur vertreten, sondern Tag für Tag mit Leben füllen – Co-Opera gehört für mich ganz eindeutig dazu.
Seit 25 Jahren beweist Co-Opera, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig stärken können.
Was mich an Co-Opera besonders beeindruckt, ist die konsequente Ausrichtung auf den Menschen. Hinter jeder Arbeitsintegration, hinter jedem begleiteten Weg und hinter jeder neu gewonnenen Perspektive stehen Menschen mit ihren Fähigkeiten, Hoffnungen und Herausforderungen. Co-Opera schafft nicht einfach Arbeitsplätze – die Genossenschaft eröffnet Chancen, stärkt Selbstvertrauen und ermöglicht Teilhabe.
In einer Gesellschaft, die sich ständig verändert, braucht es Orte und Organisationen, die Menschen auffangen, stärken und begleiten. Co-Opera ist für mich genau ein solcher Ort.
Es steckt viel Leidenschaft, Ausdauer und Überzeugungskraft hinter der Erfolgsgeschichte der Sozialgenossenschaft Co-opera.
Co-Opera ist heute weit mehr als eine erfolgreiche Sozialgenossenschaft – sie ist ein Beispiel dafür, was möglich wird, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Dafür möchte ich allen danken, die diesen Weg mitgestaltet haben: den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Führungskräften, den Partnern und den vielen Menschen, die Co-Opera im Laufe der Jahre ihr Vertrauen geschenkt haben. Sie alle haben dazu beigetragen, dass Co-Opera heute ein wichtiger Anker für soziale und berufliche Teilhabe im Pustertal ist.
Im Gespräch mit Co-Opera
Co-Opera ist wohl genau das, was man sich unter einer Sozialgenossenschaft des Typs B vorstellt. Seit 25 Jahren bringt sie Menschen, die es schwer auf dem Arbeitsmarkt haben, in Arbeit. Zum Jubiläum haben sich Direktorin Agnes Innerhofer und Präsidentin Marion Niederkofler zu einem Interview bereiterklärt.
Guten Morgen! Möchten Sie sich und die Sozialgenossenschaft Co-Opera kurz vorstellen?
Marion Niederkofler: Sehr gerne! Mein Name ist Marion Niederkofler und ich bin seit vier Jahren die Präsidentin der Sozialgenossenschaft Co-Opera. Wir als Sozialgenossenschaft sind jetzt seit 25 Jahren auf dem Weg, Arbeitsintegration für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt zu leisten. Dabei ist es unser Ziel, soziale Verantwortung und wirtschaftliches Handeln miteinander zu verbinden. Wir schaffen Arbeitsplätze, die weit mehr sind als reine Beschäftigung. Wir bieten Menschen eine Perspektive und die Möglichkeit, sich individuell weiterzuentwickeln. Und zwar in den drei Arbeitsbereichen Reinigung, Küchenhilfe und Wäscherei. Als Sozialgenossenschaft sind wir außerdem sehr stark mit den lokalen Gegebenheiten im Pustertal verbunden und versuchen hier immer ein verlässlicher und beständiger lokaler Partner zu sein.
Das heißt, Sie arbeiten vermutlich viel mit dem Tourismussektor zusammen, oder?
Agnes Innerhofer: Darauf würde ich gerne antworten. Ich bin Agnes Innerhofer und ebenfalls seit ca. vier Jahren Direktorin der Sozialgenossenschaft. Nein, man muss es sich anders vorstellen. Oder besser gesagt, ich muss ein bisschen etwas aus unserer Geschichte erzählen: Damals, als die Sozialgenossenschaft Co-Opera gegründet wurde, gab es im Pustertal hauptsächlich Arbeitsintegration für Männer, also eine Reha-Werkstatt mit vor allem handwerklichen Tätigkeiten: Tischlerei, Metallverarbeitung und Ähnliches. Frauen hatten dazu keinen Zugang. Daraus ist dann die Idee entstanden, etwas Gleichwertiges zu entwickeln und so ist die Co-Opera als Sozialgenossenschaft Typ B entstanden. Damals hat man nach einem Dienstleistungsbereich gesucht, der für Frauen geeigneter ist und das war halt die Reinigung. Man hat dann gleich versucht, Aufträge zu erhalten – mit Aufträgen sind in diesem Fall Ausschreibungen von der öffentlichen Hand gemeint – und die ersten waren die Reinigung von Kindergärten und Schulen im Raum Bruneck. In diesem Bereich sind wir bis heute tätig. Für Hotels hingegen sind wir eher weniger tätig und das ist auch nicht unser Ziel. In einem Hotel gibt es bestimmte Arbeitsabläufe, die wir im Rahmen einer Arbeitsintegration aber nur schwer begleiten und mitbestimmen können. Diese zwei Punkte sind uns aber sehr wichtig, auch um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln.
Sozialgenossenschaften sind eine sehr zukunftsgerichtete und nachhaltige Wirtschaftsform, in der man sich auf Augenhöhe begegnet und gemeinsam ein Ziel verfolgt. Deshalb ist es uns auch wichtig, starke Partner zu haben, aber auch selbst ein verlässlicher und starker Partner zu sein.
Es ist jetzt schon mehrmals der Begriff Arbeitsintegration gefallen. Möchten Sie ihn kurz erklären?
Innerhofer: Arbeitsintegration oder Arbeitsinklusion wie wir sie betreiben ist ein individueller Prozess. Die Menschen, mit denen wir arbeiten, kommen aus einer erschwerten Situation und sind meist dem Arbeitsamt, einem Dienst des Sanitätsbetriebs wie z.B. dem Dienst für Abhängigkeitserkrankungen, oder den Sozialdiensten, schon bekannt. Diese Personen werden meist auch schon von den Sozialdiensten begleitet. Die Sozialdienste nehmen Kontakt mit uns auf. Wir haben eine Sozialpädagogin, die sich um diese Anfragen und den ersten Kontakt kümmert. Dann lernen wir die jeweilige Person erst einmal kennen. Wir schauen zuerst: Welche Möglichkeiten, welche Fertigkeiten, Fähigkeiten und Interessen hat diese Person? Dann versuchen wir einen geeigneten Arbeitsplatz für diese Person zu finden und diese Person dort zu integrieren und zu begleiten. Dabei stehen wir auch in einem regelmäßigen Austausch mit den zuweisenden Diensten, um den Entwicklungsprozess dieser Person zu begleiten und zu dokumentieren. Das Ziel ist dabei, dass die Person mehr Autonomie, Selbstbestimmung und auch fachliches Können erlangt – natürlich immer im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten.
25 Jahre sind eine lange Zeit. Wie hat sich die Situation, oder das Problem, das sie mit der Gründung der Sozialgenossenschaft angehen wollten, in dieser Zeit verändert? Gibt es Fortschritte oder Meilensteine?
Innerhofer: Meilensteine gibt es natürlich und es gibt – glücklicherweise für uns – fast nur Fortschritte! Im Laufe der Zeit hatten wir auch ein paar Stillstände, aber die sind wesentlich weniger markant als unsere Fortschritte. Der erste große Fortschritt nach der Gründung, war dass Co-Opera das Angebot erhalten hat, eine kleine Wäscherei zu übernehmen. Das war anfangs wirklich nur ein ganz kleiner Raum. Aber mit der Zeit ist die Wäscherei gewachsen und vor 12 Jahren ist sie dann auch in ein größeres Lokal umgezogen. Die Wäscherei war deshalb ein Meilenstein, weil wir dadurch einen neuen Tätigkeitsbereich erschließen konnten, und damit den Menschen, die bei uns ein Inklusionsprojekt durchführen, eine andere Kontinuität, andere Tätigkeiten und Fertigkeiten bieten konnten.
Ein weiterer Meilenstein war, als wir den Tätigkeitsbereich der Küchenhilfe dazunehmen konnten. Hier arbeiten wir momentan mit der Gemeinde Bruneck zusammen. Unsere Inklusionsmitarbeiter*innen helfen in den Mensadiensten, die an den Grundschulen angeboten werden, mit und verteilen Speisen und reinigen die Räumlichkeiten.
Das hat sich in unserer Arbeit verändert. Gleichzeitig haben sich aber auch die Rahmenbedingungen, in denen wir arbeiten, verändert. Vor 25 Jahren war der Arbeitsmarkt ganz anders. Damals gab es noch viele Frauen hier im Pustertal, die gerne im Bereich Reinigung gearbeitet haben. Heute wird der Bereich Reinigung immer weniger attraktiv. Reinigung ist eine sehr wichtige Dienstleistung, aber auch eine, die häufig sehr unsichtbar abläuft und oft nicht genug Wertschätzung erfährt. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie viel Fachwissen es für Reinigung und Wäscherei eigentlich braucht.
Trotzdem haben wir aber immer wieder das Glück, sehr gute, verlässliche und auch motivierte Inklusionsmitarbeiter*innen zu finden, die für eine hohe Qualität der Dienstleistungen sorgen. Auch die Situationen eben jener Inklusionsmitarbeiter*innen hat sich verändert. Zum Teil sind ihre Situationen komplexer geworden, weil ihre Bedürfnisse heutzutage anders wahrgenommen werden. Hier spiegeln sich so ein bisschen grundsätzliche Veränderungen in der Gesellschaft wider und wir versuchen immer wieder, zeitnah auf diese Veränderungen einzugehen und neue Angebote zu schaffen. Auch kulturelle Unterschiede machen sich bemerkbar. Wir arbeiten immer öfter mit Menschen mit Migrationshintergrund, das war vor 25 Jahren noch nicht so. Hier sehen wir uns auch ein bisschen in der Verantwortung eine kulturelle Integration zu ermöglichen, sei es sprachlich oder durch Schulungen zur fachlichen Qualifikation.
Was hingegen immer gleichgeblieben ist, ist, dass wir Menschen stärken und ihnen echte Chancen bieten wollen.
Reinigung ist eine sehr wichtige Dienstleistung, aber auch eine, die häufig sehr unsichtbar abläuft und oft nicht genug Wertschätzung erfährt. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie viel Fachwissen es für Reinigung und Wäscherei eigentlich braucht.
Und sie unterstützen immer noch vor allem Frauen? Oder hat sich da auch etwas verändert?
Innerhofer: Ursprünglich haben wir fast nur mit Frauen gearbeitet, mittlerweile sind es auch Männer. Wir versuchen auch verstärkt, Angebote für Männer zu schaffen. Doch die Männer bleiben bis jetzt eine Minderheit. Aktuell haben wir 22 Inklusionsprojekte. Vier davon sind von Männern.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Co-Opera?
Niederkofler: Unsere Wünsche für die Zukunft der Sozialgenossenschaft sind vor allem das, was uns aktuell auch beschäftigt: stabile Rahmenbedingungen. Die sind für uns immens wichtig, denn Integration braucht einfach Zeit, Kontinuität und Vertrauen. Für die Zukunft möchten wir uns aber auch stetig weiterentwickeln und wachsen. Zum Beispiel indem wir neue Projekte umsetzen, unser Angebot weiterentwickeln und Menschen weiterhin begleiten. Außerdem war für uns von Anfang an wichtig, den Charakter einer Sozialgenossenschaft zu leben und wir wünschen uns, dass die Relevanz der Sozialgenossenschaften für die Gesellschaft noch mehr erkannt wird. Sozialgenossenschaften sind eine sehr zukunftsgerichtete und nachhaltige Wirtschaftsform, in der man sich auf Augenhöhe begegnet und gemeinsam ein Ziel verfolgt. Deshalb ist es uns auch wichtig, starke Partner zu haben, aber auch selbst ein verlässlicher und starker Partner zu sein.
Innerhofer: Die Menschen, die bei uns arbeiten, brauchen einfach Sicherheit. Sicherheit heißt auch, dass wir eine Planungssicherheit haben. Das ist mit öffentlichen Ausschreibungen aber nicht immer so einfach. Denn die Aufträge sind oft auf 10 Monate oder auf ein Jahr befristet. Das wissen unsere Inklusionsmitarbeiter*innen auch und das führt manchmal zu Verunsicherung.
Wie sehr spüren Sie da aktuelle Krisen und Sparmaßnahmen im Sozialbereich?
Innerhofer: Als Sozialgenossenschaft sind wir auf öffentliche Beiträge angewiesen, zum Beispiel bekommen wir einen Beitrag für laufende Ausgaben. Von daher spüren wir Einsparungen und Veränderungen schon und sie treffen uns auch. Aber wir sehen sie auch als Herausforderung und müssen dann halt neue, kreative Lösungen finden. Das ist nicht immer ganz einfach, weil wir Manches nicht vorhersehen können. Aber in den letzten 25 Jahren ist das zum Glück immer gelungen und wir hatten bis jetzt auch immer eine sehr gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Ämtern und Partnern. Und wir wünschen uns natürlich, dass das auch in Zukunft so bleibt.
Um nochmal auf die 25 Jahre zurückzukommen: Planen Sie etwas Besonderes zum Jubiläum?
Niederkofler: Intern sprechen wir sehr oft über das Jubiläum. Es gibt immer wieder lobende Worte an alle, die bisher bei uns mitgearbeitet und die Co-Opera mitgestaltet haben. Aber unsere zeitlichen Ressourcen sind im Moment sehr knapp, deshalb haben wir nichts Öffentliches geplant und machen auch keine große Feier. Wir sind aber gerade dabei ein Jubiläums-Magazin zu planen und zu gestalten, das im September erscheinen wird. Wir bemühen uns außerdem immer das Gesellige im Team zu fördern. So machen wir jedes Jahr einen Ausflug und der wird heuer ein bisschen größer ausfallen als sonst. Das ist für uns auch eine Möglichkeit unsere Wertschätzung für unsere mittlerweile 78 Mitarbeiter*innen zu zeigen. Denn eigentlich haben die Mitarbeiter*innen durch ihren Einsatz, ihre Motivation und ihre Loyalität dem Betrieb gegenüber die Co-Opera dahin gebracht, wo sie heute ist.