Gift und Galle
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Jetzt S+ abonnierenLetzthin war der bekannte Moderator Markus Lanz im Landtag zu Gast, und er hat dort viele kluge Dinge gesagt: Über den Tourismus beispielsweise („Wir haben kein zweites Südtirol im Keller“), über Politik („Es braucht mehr Mut!“), und auch etwas über die Südtiroler*innen, was ich aber weniger klug als vielmehr ziemlich verklärt fand. Die Südtiroler*innen seien nämlich, so Lanz, der vielleicht schon etwas zu lange außer Landes weilt, im Grunde ein offenes und herzliches Volk, das sich durch Gastfreundschaft auszeichnet.
Da ist von „Komm herein!“ und einem Suppele für den Fremden nicht mehr viel übrig.
Markus, wollte ich ihm zuraunen, alles paletti, aber wirf doch mal dein Facebook an und zieh dir die Kommentare rein, die Herr und Frau Südtiroler so zum Thema Migration von sich geben. Da ist von „Komm herein!“ und einem Suppele für den Fremden nicht mehr viel übrig. Egal, ob es um die Unterkünfte für die 94 Flüchtlingsfamilien, das Ex-Alimarket oder randalierende Jugendbanden geht: Da spuckt Südtirol Gift und Galle.
Not all Südtirol, natürlich, aber doch einige mehr als die üblichen Verdächtigen aus der Lederhosen/Incel-Schnittmenge, von denen leider nichts anderes zu erwarten ist. Da ist die Oma mit der netten Karikatur als Profilbild, der rüstige Rentner, der stolz auf seine Enkelen ist, die Tierfreundin mit den verkitschten Lebensweisheiten im Feed: Ganz normale Menschen, denen man eigentlich ein Minimum an Empathie zutrauen würde, das sie ja offensichtlich für ihr Haustier oder ihre Verwandtschaft aufzubringen imstande sind, denen aber angesichts der Buchstabenkombination „Migrant“ alle Sicherungen rausfliegen. Und zwar dermaßen, dass sie sich in die niedrigsten Niederungen menschlichen Verhaltens begeben und einer Landesrätin Vergewaltigung oder sich die Rückkehr des Führers wünschen. Mit Klarnamen und Profilbild, jawohl.
Wie schlecht durchdacht das Ganze ist, zeigt sich auch daran, dass heftig protestiert wird, sobald die (ohnehin öffentlichen) Kommentare geteilt werden. Ganz so, als habe man sich unter einem Tarnmantel gewähnt, als habe man bloß (auf niedrigstem Niveau) Dampf ablassen wollen und dabei „vergessen“, dass zig Menschen mitlesen.
Will ich wirklich diese Art von Mensch sein? Will ich wirklich online meine hässlichste Seite, die vielleicht ja nur grad punktuell aufflammt, nach außen kehren?
Insofern hat Landesrätin Pamer das Richtige getan, indem sie den Hass gegen sie nicht bloß thematisiert, sondern besonders garstige Beispiele vorgelesen und den Ekelball somit zurückgespielt hat: Schau her, dein Auswurf ist angekommen, er hat mich verletzt, jetzt steh dazu, was du gemacht hast: Anzeige ist raus. Sich verbal auszukotzen und widerwärtige Beleidigungen auszustoßen, weil einen etwas ärgert, sollten wir auch nicht länger mit Naivität oder Bildungsferne entschuldigen und gnädig wenn auch stirnrunzelnd übersehen. Es gibt genug andere Wege, seinen Frust loszuwerden, auf die auch ein mittelmäßig vernunftbegabter Mensch selbst kommen kann: Geh spazieren! Leg dir einen Boxsack zu! Oder versuche zumindest, deine Kritik in Worte zu fassen, die nicht unter die Gürtellinie abzielen. Andernfalls tragen auch die stumm Mitlesenden zu einem Klima der Verrohung bei, in dem kein zielführender Diskurs mehr möglich ist.
Und nicht zuletzt gehören nicht bloß die Hassposter zur Verantwortung gezogen, sondern auch die Parteien, die im Vorfeld fleißig gezündelt haben und jetzt angesichts des von ihnen bereiteten Flächenbrandes mit den Schultern zucken: Das müsse man als Politiker*in aushalten, heißt es da höchstens zynisch und feige, als habe man mit alldem gar nichts zu schaffen, als handle es sich um harmlose Kinderzankereien und nicht um Tötungsfantasien. Nur um selbst bei der kleinsten Kritik bald wieder getroffen aufzujaulen.
Also, ihr Luisens, Elfriedes, Tanjas und Peters: Bevor ihr das nächste Mal eure Rage in menschenverachtende Einzeiler übersetzt, haltet doch bitte kurz inne und fragt euch: Will ich wirklich diese Art von Mensch sein? Will ich wirklich online meine hässlichste Seite, die vielleicht ja nur grad punktuell aufflammt, nach außen kehren? Oder gefällt mir doch das Bild der anständigen Landsleute besser, an das Markus Lanz, vielleicht auch aus Nostalgiegründen, fest glauben mag? Es ist unsere Entscheidung. Wer nicht über so viel Selbstbeherrschung verfügt, sie durchzuziehen, der möge der Tastatur, auch zu seinem eigenen Wohl, einfach fernbleiben. Oder die Konsequenzen tragen.
Es gibt doch eh das…
Es gibt doch eh das Strafrecht. Wenn ich hier schreiben würde, dass ich mich wie ein Schneekönig freuen würde, wenn Politiker XY von einem Messermann „bearbeitet“ wird, dann glaube ich beim besten Willen nicht, dass das keine Konsequenzen für mich hätte.
Insofern unterstelle ich hier eine gewisse Aufbauschung.
Gleichzeitig stimmt es leider, dass der Diskurs zunehmend verroht und daher halte ich es für wichtig, Zeichen dagegen zu setzen.
Allerdings muss dabei klar sein, dass die Meinungsfreiheit die Grundlage einer FDGO ist und daher unantastbar bleiben muss.
Antwort auf Es gibt doch eh das… von Oliver Hopfgartner
Würden Sie es auch…
Würden Sie es auch aufgebauscht finden, wenn Ihnen jemand die Sachen wünscht, die Frau Pamer lesen musste? Wir haben ja alle keine Ahnung.
Antwort auf Würden Sie es auch… von Lollo Rosso
Wie gesagt: Es gibt das…
Wie gesagt: Es gibt das Strafrecht. Wir hören ja immer wieder, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sei - eben weil das so ist. Wenn ich im Internet Drohungen ausspreche, werde ich dafür genau so belangt wie wenn ich es im "richtigen Leben mache. Anonymität im Internet ist eine Illusion bzw. muss man technisch sehr versiert sein, um im Internet wirklich anonym und nicht nachverfolgbar unterwegs zu sein.
Antwort auf Es gibt doch eh das… von Oliver Hopfgartner
Würden Sie es auch…
Würden Sie es auch aufgebauscht finden, wenn Ihnen jemand die Sachen wünscht, die Frau Pamer lesen musste? Wir haben ja alle keine Ahnung.
Antwort auf Es gibt doch eh das… von Oliver Hopfgartner
Würden Sie es auch…
Würden Sie es auch aufgebauscht finden, wenn Ihnen jemand die Sachen wünscht, die Frau Pamer lesen musste? Wir haben ja alle keine Ahnung.
Antwort auf Es gibt doch eh das… von Oliver Hopfgartner
Würden Sie es auch…
Würden Sie es auch aufgebauscht finden, wenn Ihnen jemand die Sachen wünscht, die Frau Pamer lesen musste? Wir haben ja alle keine Ahnung.
Antwort auf Es gibt doch eh das… von Oliver Hopfgartner
Würden Sie es auch…
Würden Sie es auch aufgebauscht finden, wenn Ihnen jemand die Sachen wünscht, die Frau Pamer lesen musste? Wir haben ja alle keine Ahnung.
Antwort auf Es gibt doch eh das… von Oliver Hopfgartner
Es gibt das Strafrecht, aber…
Es gibt das Strafrecht, aber das kommt nicht überall hin und „entlastet“ sich bisweilen auch selbst, indem es Verfahren ausschließt, die eine geringfügige Strafe zur Folge hätten.
Der Ansatz muss ein anderer sein: Die Anstifter, die ideologischen Brandstifter müssen härtest zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn bestimmte Politiker - es sind ja immer dieselben - nicht mit Lügen oder höchstens Halbwahrheiten hetzen könnten, würden viele Themen viel sachlicher, oder überhaupt nicht diskutiert werden. Der Fall mit den 94 Familien ist das beste Beispiel.
Dazu wäre in erster Linie eine Revision von Art. 656 des StGB nötig. Die Strafen für das Verbreiten von Fake News sind nämlich absolut lächerlich: Maximal drei Monate Haft und bis zu 309 Euro Geldbuße. Das hält die Knolls dieser Welt nicht davon ab, mit Hetze Politik zu betreiben. Zumal sich genau die Knolls dieser Welt hinter dem Recht auf freie Meinungsäußerung verstecken. Dass sie die Dümmsten der Dummen, die ihre Falschaussagen in den Socials gehässig kommentieren (weil sie nicht wissen was sie tun), ans Messer liefern, ist ihnen vollkommen egal. Sonst würden sie bestimmte Kommentare löschen, wie es auch ihre gesetzliche Pflicht wäre.
Es gibt also keine „Aufbauschung“, die Realität zeigt es ja.
Während bei Verletzung von Art. 656 StGB von Amts wegen vorgegangen werden kann (was eben schon aus Gründen der Überlastung der Justiz viel zu selten vorkommt), ist bei Verleumdung eine Anzeige des/der Verleumdeten erforderlich. Das Meiste kommt daher gar nicht zur Anzeige. Das ist Wasser auf die Mühlen der Hetzer.
Sehr gut Alexandra, danke
Sehr gut Alexandra, danke
Diese Typen sollen sich vor…
Diese Typen sollen sich vor dem Richter erklären müssen.
Hm, die Grundausrichtung des…
Hm, die Grundausrichtung des Textes ist in Ordnung. Und doch stört mich der überheblich-arrogante Habitus der Autorin etwas. Kommentare, die Herr und Frau Südtiroler „von sich geben“, „Tierfreundin mit den verkitschten Lebensweisheiten“, „ganz normale Menschen, denen man eigentlich ein Minimum an Empathie zutrauen würde“, „es gibt genug andere Wege, seinen Frust loszuwerden, auf die auch ein mittelmäßig vernunftbegabter Mensch selbst kommen kann“. Und last but not least „die üblichen Verdächtigen aus der Lederhosen/Incel-Schnittmenge, von denen leider nichts anderes zu erwarten ist.“
Die eigenen Gedanken, die eigene Moral stehen also über dem gesellschaftlichen Mittelmaß, die Tierfreundin ist halt etwas unbedarft und wendet sich ihren „verkitschten Lebensweisheiten“ zu, Lederhosen (also Heimatliebe oder Patriotismus oder einfach Bräuche) sind sowieso tendenziell rechts und fremdenfeindlich und der Incel ist schon per se xenophob.
Wie gesagt, der Inhalt ist okay, die selbstgewisse Attitüde der Autorin weniger.
Wenn Herr Knoll sagt, dass…
Wenn Herr Knoll sagt, dass man als Politiker „gewisse Dinge aushalten“ müsse, dann bezieht er sich vermutlich darauf, dass auch er immer wieder Morddrohungen aushalten muss. Solche Hassbotschaften sind grundsätzlich zu verurteilen, ganz gleich von wem und gegen wen sie gerichtet sind.
Antwort auf Wenn Herr Knoll sagt, dass… von Hartmuth Staffler
„Solche Hassbotschaften sind…
„Solche Hassbotschaften sind grundsätzlich zu verurteilen, ganz gleich von wem und gegen wen sie gerichtet sind.“
Die sind grundsätzlich anzuzeigen, fürs Verurteilen ist dann das Gericht zuständig.
Ich finde, Politiker sollten…
Ich finde, Politiker sollten keine sozialen Medien nutzen.
Na, na jetzt mal halblang …
Na, na jetzt mal halblang . Was haben denn wir als „Ungeimpfte“(was Corona betrifft) uns so alles „heißen“ lassen müssen von Politikern, Journalisten sogar Theologen und anderen in der Öffentlichkeit stehenden „Persönlichkeiten“ !!
Von Unverschämtheiten, Abschaum bis Nazi-Jargon war alles dabei. Die Betitelungen waren aber nicht anonym in den sozialen Netzwerken zu lesen, sondern ganz offen in den mainstream Medien allen zugänglich. Also da ein offenbar völlig normales Verhalten.
Da hätten wir ja rumheulen können, als man auf uns losgegangen ist (und nicht nur verbal ,sondern mit handfesten Maßnahmen, von wem verhängt? Na eben! )
Entschuldigung bis heute : Keine.
Wir vergessen nicht.
Wer soll die vielen Arbeiten…
Wer soll die vielen Arbeiten vor ALLEM im TOURISMUS + BAU erledigen, „für die sich die SÜDTIROLER -f ü r - s c h o n - l ä n g s t - z u - g u t ...? - s i n d- ...???“
„Mit den -M I G R A N T E N- kommen Menschen, mit -ä h n l i c h e n BEDÜRFNISSEN die auch -w i r - h a b e n-!“
Die 35.000 SÜDTIROLER die in den 1960er Jahren, -n u r- im umliegenden damaligen AUSLAND eine Arbeit gefunden haben, „wurden -n i c h t- mit der -e x t r e m e n- VERTEUERUNG des WOHNENS zum VERSCHWINDEN gezwungen, wenn die Arbeit erledigt war ...!“