Sport | Dopingvorwurf

„Ich will nicht mehr kämpfen“

Alex Schwazer reagiert auf einen erneuten Dopingbefund und kündigt an, sich nicht weiter sportrechtlich zu verteidigen.
Seehauserfoto

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„Ich bin unschuldig. Ich habe kein EPO genommen, genauso wenig wie irgendeine andere verbotene Substanz.“. Mit diesen Worten verteidigt sich der Geher Alex Schwazer auf der am heutigen Nachmittag anberaumten Pressekonferenz im Bozner Hotel Laurin.

 Was wie eine schnelle Reaktion auf die Verkündung der deutschen Anti-Doping-Agentur NADA vom Vormittag wirkt, war laut Aussagen Schwazers und von dessen Anwaltsteam bereits seit dem Wochenende geplant. Es ist bereits das dritte Mal, dass der Südtiroler Geher mit einem Dopingvorwurf konfrontiert wird.

 

„Wir werden nichts mehr zu meiner Verteidigung unternehmen.“

 

„Am Freitagmorgen habe ich eine E-Mail erhalten, eine Mitteilung, die unglaublicherweise von einem positiven Befund auf Erythropoetin, kurz EPO, spricht“, berichtet der 41-jährige Schwazer umringt von seinem Anwalt- und Managementteam. Es geht dabei um die Dopingkontrolle nach dem Rennen über die Marathon-Distanz im hessischen Kelsterbach, das der Kalcher Sportler am 26. April dieses Jahres absolviert hatte. Die Teilnahme an jenem Wettkampf in Deutschland, bei dem Schwazer einen neuen Italien-Rekord aufstellte und 25 Minuten vor dem Zweitplatzierten ins Ziel kam, scheint ihm zum Verhängnis geworden zu sein.

Eine unendliche Geschichte

Alex Schwazer wurde 2008 in Peking Olympiasieger über 50 Kilometer Gehen. 2012 wurde er nach einem positiven Dopingtest für vier Jahre gesperrt. Im Rahmen eines Strafvergleichs im italienischen Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Dopingfall akzeptierte er zudem eine achtmonatige Haftstrafe auf Bewährung sowie eine Geldstrafe von 6.000 Euro. 2016 wurde er erneut positiv getestet und vom Internationalen Sportgerichtshof CAS für acht Jahre gesperrt.

Nach dem Rennen in Kelsterbach wurden Schwazer sowohl Blut- als auch Urinproben entnommen. Nach Angaben des Athleten beantragte sein Team bereits unmittelbar bei der Kontrolle zusätzliche Sicherungsproben, die in seinem Besitz verbleiben sollten. Die Bitte um eine dritte Blutprobe wurde laut dem bei der Pressekonferenz vorgestellten Kontrollprotokoll abgelehnt. Dagegen wurde ihm ein Rest der entnommenen Urinprobe überlassen. Schwazer und seine Anwälte betonen, dass die Übergabe dieser Probe im Kontrollprotokoll ebenfalls ausdrücklich vermerkt sei. Eine Gegenanalyse wollen sie nur dann beantragen, wenn neben den offiziellen Proben auch diese von Schwazers Team aufbewahrte Resturinprobe untersucht wird.

Die Worte Alex Schwazers bei der heutigen Pressekonferenz.
(c) SALTO

„Wir werden nichts mehr zu meiner Verteidigung unternehmen. Sie können tun, was sie wollen – sie tun es ohnehin“, so Schwazer. Er werde sich nicht mehr zur Wehr setzen, weil er nicht mehr die Kraft und die Energie dazu habe. „Ich gehe davon aus, dass die Sperre lebenslang sein wird. Das heißt, ich werde keine Wettkämpfe mehr machen können. Mir ist das mittlerweile gleichgültig“, betont Schwazer.

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Sein langjähriger Anwalt Gerhard Brandstätter gibt sich im Kontrast dazu kämpferischer. Er habe Schwazer davor gewarnt, erneut in den Wettkampfsport zurückzukehren, da die Risiken nach den vergangenen Jahren erheblich seien. Zugleich weist er auf die fehlende Möglichkeit eines klassischen kontradiktorischen Verfahrens im Sportrecht hin. In Bezug auf die Beweislage unterstrich Brandstätter die Forderung nach vollständiger Transparenz und der Auswertung aller verfügbaren Proben. „Wenn sie die Wahrheit wollen, dann müssen sie diese Probe analysieren“, sagte er mit Blick auf die zusätzlich gesicherte Resturinprobe.

Schwazer zeigt sich von der nachdrücklichen Rede Brandstätters wenig beeindruckt. Er macht in der Pressekonferenz deutlich, dass er keinen weiteren jahrelangen Rechtsstreit mehr führen will. Auch sportlich zieht er einen Schlussstrich: „Meine Zeit als Profisportler liegt schon länger zurück.“