Bozens Kunstszene setzt den Spaten an
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Jetzt S+ abonnierenKunst soll nicht nur betrachtet werden, sie soll wachsen. So zumindest die Kernidee der diesjährigen Bolzano Art Weeks (BAW), die die Landeshauptstadt vom 25. September bis zum 4. Oktober wieder in eine riesige Open-Air-Galerie verwandeln. Das Motto der Ausgabe 2026 lautet „REGARD(EN)! – REGREEN! – REGROW!“. Nach der vergangenen Ausgabe („Remapping LAND/marks“) geht das größte Kunstfestival Südtirols damit noch einen Schritt weiter: Es rückt die aktive Verbindung von Natur, urbanem Raum und gesellschaftlicher Teilhabe ins Zentrum – irgendwo zwischen Ökologie, Gesellschaftskritik und botanischen Klangwelten.
Aus insgesamt 77 Bewerbungen aus dem In- und Ausland hat das wissenschaftlich-künstlerische Komitee nun fünf Gewinnerprojekte ausgewählt, die mit jeweils 2.000 Euro gefördert und in den fünf Festival-Zonen Bozens verortet werden. Die Entscheidungen der hochkarätigen Jury – darunter namhafte Akteurinnen wie Leonie Radine (Museion), Angelika Burtscher (Lungomare) oder Eleonora Klauser Soldà (Südtiroler Künstlerbund) – zeigen eine deutliche Tendenz: Es geht um Begegnung, Sorge tragen und das Sichtbar- bzw. Hörbarmachen des Verborgenen.
Die fünf Gewinnerprojekte im Überblick
1. Bozen West (Garten Semirurali): Haptische Entschleunigung
Cleo Fariselli – „U. – Tenere una cosa viva“ Die italienische Künstlerin bringt eine ortsspezifische Performance nach Bozen, die ganz ohne Bildschirme oder Kameras auskommt. Kleine Objekte aus Natur- und Recyclingmaterialien werden von Hand zu Hand gereicht. Was banal klingt, wird im Garten der Semirurali zu einem Experiment über Aufmerksamkeit, Fürsorge und Gemeinschaft. Wer mitmacht, wird Teil des Werks.
2. Bozen Nord (Schullian – Bistrò & Flowers): Geschichten, die keimen
Martina Melilli & Alyona Larionova – „Did you water your plants?“ Dieses partizipative Projekt nutzt Kunst als ökologisches Werkzeug. In Workshops sammeln die Künstlerinnen persönliche Geschichten über Sorge und Mutterschaft. Diese Erzählungen werden auf handgeschöpftes Samenpapier gedruckt und eingepflanzt. Während das Papier vergeht, wachsen die Pflanzen – ein Symbol für kollektive Erinnerung und Regeneration.
3. Bozen Süd (NOI Techpark): Widerstand im Vorgarten
Anna Tudos & Ágnes Erőss – „My life is compiled of these little acts – Garden Stories from Transcarpathia, Ukraine“ Gärten als Orte der Hoffnung mitten im Krieg: Die ungarische Künstlerin Anna Tudos beleuchtet gemeinsam mit Ágnes Erőss das Leben ungarischer Frauen in der Westukraine. Trotz Vertreibung und Zerstörung bleiben ihre Gärten Ankerpunkte des Alltags. Mit Fotos, Filmen und dem Austausch von Einmachrezepten schlägt das Projekt eine Brücke zwischen der Ukraine und Südtirol.
Das Festival im Überblick
Vom 25. September bis zum 4. Oktober 2026 verwandeln die Bolzano Art Weeks (BAW) die Landeshauptstadt in ein Labor für zeitgenössische Kunst. Unter dem Motto „REGARD(EN)! – REGREEN! – REGROW!“ bespielen über 100 Veranstaltungen mehr als 70 Orte in allen fünf Stadtzonen. Aus 77 internationalen Bewerbungen wählte die Jury fünf Siegerprojekte aus, die mit jeweils 2.000 Euro gefördert werden. Getragen wird das Festival von der Cooperativa 19 in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Künstlerbund und Südtirol Kultur.
4. Bozen Zentrum (Palais Campofranco): Den Vögeln zuhören
AliPaloma (Alexandra Paloma Angerer) – „Chiacchierata Notturna“ Die Südtiroler Künstlerin AliPaloma holt die Geräusche der Talfer-Ökosysteme mitten ins Stadtzentrum. Aufgenommen entlang des Ufers, werden Vogelstimmen über vier bewegliche Megafone abgespielt. Die Klänge wandern mit Klimagerechtigkeitsorganisationen durch Bozen und verdichten sich im Innenhof des Palais Campofranco zu einer begehbaren Klangskulptur, die den städtischen Raum akustisch neu vermisst.
5. Bozen Ost (Laimer): Kunst als Artenrechner
Andrea Di Lorenzo – „One of a Thousand Ways“ Di Lorenzo widmet sich der Türkenbund-Lilie, einer heimischen Alpenpflanze, die massiv unter dem Klimawandel leidet. Durch performative Projektionen von Bestäubungsmomenten im öffentlichen Raum verbindet der Künstler Botani-Wissen, Architekturgeschichte und Ökologie zu einer poetischen Mahnung an den Artenschutz.
Die BAW 2026 – getragen von Cooperativa 19 in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Künstlerbund und Südtirol Kultur – verspricht mit über 100 Programmpunkten an mehr als 70 Orten wieder ein dichtes Programm. Das Ziel für diesen Herbst steht jedenfalls fest: Bozen soll nicht nur grüner betrachtet, sondern auch gemeinsam neu bepflanzt und gedacht werden.