Gesellschaft | Salurn

Frauenabend im Lido

Im Salurner Lido ist einmal pro Woche Frauenabend – oder ein Abend für Musliminnen im Burkini, je nach Sichtweise. Wie aus einer Mücke ein Elefant wird.
Die Wogen gehen hoch: die üblichen Verdächtigen sehen das christliche Abendland wieder einmal bedroht, weil der Frauenabend im Salurner Schwimmbad vom islamischen Kulturverein organisiert wird. Bild: rain la rouge/ Pexels

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Ziemlich genau 45 Jahre nach der großen Überschwemmung von 1981 gehen in Salurn wieder die Wogen hoch. Der islamische Kulturverein Armonia hat mit dem Pächter des Salurner Lidos vereinbart, dass das Schwimmbad immer Montagabends ab 18.30 Uhr, also nach der regulären Schließung, eine weitere Stunde den Frauen offen steht, auch jenen muslimischen Glaubens.

Was als Frauenabend kommuniziert wird, ruft aber natürlich die üblichen Kritiker auf den Plan: „Lunedì sera Lido riservato alle donne islamiche“, titelt der Alto Adige, „Salurn zeigt, wohin eine falsche Integrationspolitik führt“ schimpft Roland Stauder, Obmann der Freiheitlichen, und einen „Schritt zurück“ ortet die Lega.

„Richtet sich an alle Frauen“

Der Pächter des Lidos, das im Eigentum der Gemeinde Salurn ist, sagt, er habe mit dem Kulturverein „Armonia“ eine Vereinbarung geschlossen, die er auch mit anderen Salurner Vereinen habe, zum Beispiel gebe es Jogaabende auf der Liegewiese. Er sei für weitere Kooperationen offen. Die Besucherinnen des „Damenabends“ zahlen Eintritt, der Pächter hat ein Interesse, das Schwimmbad so gut wie möglich auszulasten.

Frauenabend im Lido: Oder der Untergang des Abendlandes? FB/Armonia

Armonia-Vereinsobmann Hatem Nouir will erst gar nicht reden, zu viele Journalisten haben heute schon durchgeklingelt. Dann lässt er sich doch breitschlagen und verteidigt die Initiative, die sich an alle Frauen richte, nicht nur an Musliminnen und Vereinsmitglieder: „Es gibt viele Frauen, die nicht ins Schwimmbad gehen, aus vielen Gründen. Weil sie nur mit Burkini hinwollen, weil sie nicht gesehen werden wollen, aus Privacy-Gründen. Wir bereiten einen sicheren Rahmen zum Austausch und zum Kennenlernen, für Inklusion.“

Es gebe viele Veranstaltungen nur für Frauen, darüber rege sich keiner auf. Nur wenn es um Muslime gehe, bricht sofort ein Sturm los.

Aus einer Mücke wird ein Elefant

Bürgermeister Roland Lazzeri will zu dem Thema nicht viel sagen. Rechtlich sei die Sache in Ordnung, der Vertrag mit dem Pächter sei wasserfest, er könne entscheiden, wem er das Lido öffne und habe auch Kooperationen mit anderen Vereinen. Lazzeri habe von der Sache nichts gewusst, das sei aber auch nicht nötig.

„Es wird wieder mal aus einer Mücke ein Elefant gemacht“, sagt Lazzeri leicht genervt. Der Verein Armonia ist schon länger im sozialen Leben des Dorfes präsent und auch Teil des Integrationsprojekts „Salurn machts vor“.

Ex-Landesrat Massimo Bessone, Anhänger von Rechtsaußen Roberto Vannacci, fordert, wenn es schon Abende für Musliminnen gibt, solle es auch solche für Christinnen, Jüdinnen, Atheistinnen, Sikh und so weiter geben, außerdem für Menschen mit „orientamenti sessuali particolari“, Senioren, und so weiter.

Hatem Nouir würde wohl dagegenhalten: Solang es Frauen sind, können sie am Montagabend gern ins Salurner Lido kommen.