Wirtschaft | Holzbau

Wobi-Vorzeigeprojekt wird zum Flop

Was mit dem Holzhochhaus in Bozen nicht geklappt hat, will die Politik nun anstoßen: Holzbau als wettbewerbsfähige Alternative. Doch es fehlen große Sägewerke im Land.
Holzhochhaus Grieser Auen
Foto: Wobi / Studio Formas
  • Die Erwartungen waren hoch, als das Institut für den sozialen Wohnbau (Wobi) unter der ehemaligen Landesrätin Waldtraud Deeg (SVP) im Jahr 2019 einen Planungswettbewerb für ein Holzhochhaus in Bozen ausgeschrieben hatte. An dem Wettbewerb nahmen 56 Architekturbüros teil, doch seitdem die Gewinner ein Jahr darauf präsentiert wurden, geriet die Umsetzung ins Stocken. 

     

    „Ich bin sehr wohl dafür, dass die öffentliche Hand Leuchtturmprojekte vorantreibt.“

     

    Läuft alles nach Plan, können die ausgeschriebenen Bauarbeiten nun im Herbst dieses Jahres starten – sechs Jahre später. „Der Zuschlag ist bereits erfolgt, zwei lokale Firmen lesen sich gerade in die Unterlagen ein“, erklärt Wohnbaulandesrätin Ulli Mair (Freiheitliche). Das geplante Hochhaus mit rund 30 Wohnungen in Bozens Grieser Auen bringt allerdings so hohe Kosten mit sich, dass die Landesrätin entschieden hat, die Wohnungen für den Mittelstand zur Verfügung zu stellen – und nicht wie ursprünglich geplant mit dem sozialen Mietzins zu vergeben. 

    Ein Vorzeigeprojekt für sozialen und nachhaltigen Wohnbau ist das also nicht. „Ich bin sehr wohl dafür, dass die öffentliche Hand Leuchtturmprojekte vorantreibt, ob der soziale Wohnbau als erster damit starten musste, habe ich hinterfragt. Das Wobi soll nämlich effizient Wohnraum schaffen und sich um die vielfältigen Probleme unserer Mieter kümmern“, erklärt Mair. Wie SALTO bereits letztes Jahr berichtet hat, werden die Baukosten pro Wohnung auf mehr als 800.000 Euro geschätzt. Im privaten Hausbau kann die Holzbauweise hingegen mit Beton mithalten, sagt Richard Nagler, Obmann der Holzbaubranche im Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister lvh.

  • Holzbau im Trend?

    Blicken wir nach Deutschland, so spielt der Holzbau in urbanen Gebieten eine zunehmend wichtigere Rolle, zum Beispiel bei Pionierprojekten wie der Mustersiedlung aus Holz am Prinz-Eugen-Park in München. Laut dem Bund Deutscher Zimmermeister stieg der Anteil des Holzbaus insgesamt bei Ein- und Zweifamilienhäusern im ersten Halbjahr 2025 auf 28,2 Prozent und bei Mehrfamilienhäusern auf 8,2 Prozent.

  • Richard Nagler: „Südtiroler Waldbesitzer liefern ihr Holz meist den großen Sägewerken ins Ausland.“ Foto: lvh
  • In Südtirol hat letzte Woche der Landtag auf Vorschlag der Grünen und der SVP beschlossen, den Holzbaufonds für private Bauprojekte zu öffnen. „Lokales Holz spielt eine wichtige Rolle für einen Wohnbau, der ökologisch nachhaltig ist und auf lokale Kreisläufe zurückgreift. Es erklärt sich von selbst, dass es sich dabei um Südtiroler Holz handeln muss“, sagt Mair. 

    Damit tritt die langjährige Politikerin den Nagel auf den Kopf. Da es in Südtirol nur wenige Sägewerke gibt, arbeiten die meisten Tischlereien und Zimmereien mit großen Sägewerken in Deutschland und Österreich zusammen. „Südtiroler Waldbesitzer liefern ihr Holz meist den großen Sägewerken ins Ausland“, bestätigt Nagler vom lvh. 

  • Die größten Herausforderungen

    Um das zu ändern, sei die Politik gefragt, meint Nagler. Er selbst führt in St. Martin in Thurn eine Zimmerei, die sich auf die Restaurierung von Altbestand spezialisiert hat. „Heute ist es durch politische Maßnahmen wie den Bettenstopp viel schwieriger geworden, zu neuer Baukubatur zu kommen“, sagt er. Der Zimmerer spürt das auch in seinem Betrieb im Gadertal. Er prognostiziert, dass die Restaurierung von Altbauten in Südtirol zunimmt, auch wenn heute bei vielen Projekten noch Neubau bevorzugt wird. 

  • Wald am Karerpass: Südtirol ist rund zur Hälfte seiner Landesfläche bewaldet. Foto: Seehauserfoto
  • Auch das Baumaterial Holz hat im Vergleich zu Beton häufig das Nachsehen. Vor rund 150 Jahren war es ein begehrtes Bau- und Brennmaterial im Alpenraum, was zu einer hohen Entwaldung im 18. und 19. Jahrhundert führte. „Heute wäre eine solche Entwaldung schon alleine wegen der Gesetzgebung und der Aufsicht der Forstbehörden nicht mehr möglich“, sagt Nagler.

    Sogar wenn die Hälfte der Südtiroler Bauprojekte in Zukunft auf Holz setzen würde, hätte das keine verheerenden Folgen auf das Landschaftsbild: „Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und bei einer nachhaltigen Forstwirtschaft ist die Entnahme in höherer Menge kein Problem“, so die Einschätzung des Bauexperten. Beliebteste Baumart für den Holzbau sind in Südtirol nach wie vor die Fichte für Innenräume und die Lärche für die Außenverkleidung. 

    Welche Zukunft der Holzbau in Südtirol hat, wird übrigens morgen beim zweiten Holzbaukongress des lvh im Forum in Brixen diskutiert.