Rossinis Barbier wird zum Ope[r]n Air
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Jetzt S+ abonnierenDas Tiroler Kammerorchester InnStrumenti bricht mit verkrusteten Konventionen. Mit dem neuen Format „Ope[r]n Air“ bringt das Ensemble in diesem Sommer Highlights aus Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ in die Brixner Hofburg und den Innsbrucker Hofgarten. Im Zentrum stehen nicht nur Virtuosität, sondern ein radikaler Anspruch an Vermittlung und ein faires Miteinander. Wer an klassische Oper denkt, hat oft das Bild von mehrstündigen, schweren Abenden im Kopf. Gerhard Sammer, künstlerischer Leiter und Dirigent von InnStrumenti, sieht genau darin den Ansatzpunkt für Neues: „Es ist eigentlich ganz reizvoll, generell Opern sozusagen kompakt zu präsentieren, vor allem für Menschen, die vielleicht für Opern nicht so einen guten Zugang haben. Für die ist natürlich die Länge einer Oper schon ein gewisser Hinderungsgrund.“ Wenn man die Musik auf rund 50 Minuten reduziere, entstehe eine „Fokussierung auf die Highlights“, die es dem Publikum leichter mache, einzusteigen.
Storytelling statt Steifheit
Das Projekt „Ope[r]n Air“ ist mehr als ein Konzert. Die Südtiroler Schauspielerin Patrizia Pfeifer und der Nordtiroler Schauspieler Thomas Lackner haben für das Format einen eigenen Text entwickelt. „Das Spannende ist, dass sie nicht nur als Schauspieler tätig werden, sondern sich überlegen müssen: Wie bauen wir die Geschichte, dass die Musikstücke, die wir vorgegeben haben, einen sinnvollen roten Faden ergeben?“, erklärt Sammer.
„Es gibt auch mehr Humor noch, wie in der originalen Oper, das heißt, das Ganze wird lebendiger und kurzweilig.
Die Schauspieler fungieren dabei als Brückenbauer. “Das schauspielerische Element bewirkt, dass diese Geschichte auch ein bisschen übertragen wird in den Humor unserer Zeit„, sagt Sammer. “Es gibt auch mehr Humor noch, wie in der originalen Oper, das heißt, das Ganze wird lebendiger und kurzweilig. Ich finde, das darf wirklich unterhaltsam sein, so ein Abend."
Hinter der künstlerischen Leichtigkeit steht eine ernsthafte kulturpolitische Haltung. Das Thema „Fair Pay“ ist für den Verein InnStrumenti kein Lippenbekenntnis, sondern ein ständiger Kampf. Simon Gamper, Präsident vom Südtiroler Kammerorchester InnStrumenti , beschreibt die Lage in der aktuellen Förderlandschaft als „sehr schwierig“. Er fordert ein Umdenken in der Gesellschaft „Ich plädiere grundsätzlich dafür, Kulturbetriebe nicht als Wirtschaftsunternehmen zu sehen, sondern wie eine Grundschule oder ein Krankenhaus: Auch diese Einrichtungen arbeiten nicht nach Rentabilitätskriterien – wir müssen als Gesellschaft schlicht entscheiden, welche Institutionen wir für unser Zusammenleben als unverzichtbar erachten.“
Gemeinsam hinterfragen sie den Status quo der „Hochkultur“.
Dieser Geist zieht sich durch die gesamte Arbeit des Ensembles. Sammer betont dabei besonders die Bereicherung durch seinen Kollegen: „Simon ist jetzt in unserem Kern-Programmplanungsteam dabei – das ist eine große Bereicherung, weil wir unsere Arbeit inhaltlich immer stärker vernetzen.“ Gemeinsam hinterfragen sie den Status quo der „Hochkultur“. Gamper ergänzt kritisch: „Es muss reizvoll und zugänglich sein. Es hilft nicht, das als so elitär zu verkaufen, dass das Publikum in der Bringschuld steht – nein, wir müssen uns schon so weit befleißen, dass wir nicht so elitär agieren, als wäre das Publikum schuld, wenn niemand kommt.“ Er ergänzt diesen Ansatz durch den Willen zur inhaltlichen Vielfalt und zur Zusammenarbeit: „Wir wollen nicht unsere eigene Suppe kochen, sondern wir wollen mit allen Institutionen, mit allen Bereichen zusammenarbeiten, um einerseits für die Südtiroler Kunstschaffenden und andererseits für das Südtiroler Publikum Sachen zu machen und eben nicht zum eigenen Vorteil.“
Dass InnStrumenti als Tiroler Kammerorchester in zwei Staaten agiert, wird dabei als Chance begriffen, um Südtiroler Kunstschaffende sichtbarer zu machen. Sammer unterstreicht den gemeinsamen Anspruch: „Wir wollen nicht beliebige Projekte machen, sondern wir wollen uns gut überlegen, was wir machen, warum wir es machen und für wen.“ Das Projekt „Ope[r]n Air“ ist in diesem Sinne kein Event unter vielen, sondern ein Beweis dafür, dass Klassik in einem neuen Gewand den Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft finden kann.
Das Programm: Ope[r]n Air 2026
Das Format „Ope[r]n Air“ schlägt eine Brücke zwischen der Intensität des Orchesterklangs und der Lebendigkeit des Schauspiels. Anstatt sich in konventionellen Formaten zu verlieren, bringen das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti unter der Leitung von Gerhard Sammer und die Schauspieler Patrizia Pfeifer und Thomas Lackner eine komprimierte und humorvolle Fassung von Gioachino Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ auf die Bühne.
Die Konzerte finden am 4. Juli 2026 um 19.30 Uhr in der Brixner Hofburg (Ausweichort: Haus Voitsberg, Vahrn) sowie am 5. Juli 2026 um 19.30 Uhr im Innsbrucker Hofgarten (Ausweichort: Haus der Musik, Innsbruck) statt. Neben der musikalischen Qualität – mit Vanessa Waldhart (Rosina), Philipp Kapeller (Tenor), Victor Dublyansky (Bariton) und einem/r Figaro – steht die interdisziplinäre Vermittlung im Fokus. Ziel ist es, mit einem modernen, niederschwelligen Zugang Menschen aller Altersgruppen zu begeistern, die kulturelle Teilhabe zu stärken und mit dem „InnStrumenti-Geist“ neue Akzente in der Euregio zu setzen.