Wirtschaft | Inflation

Immer mehr tun sich schwer

In Bozen liegt die Inflation im August bei 3,6 Prozent. Wohnen und Energie verteuern sich deutlich. Robin fordert ein landesweites Preis-Monitoring.
Landesweites Preis-Monitoring: „Die entscheidende Frage ist nicht, wie hoch die durchschnittliche Inflation ist, sondern wie viel den Menschen am Ende des Monats tatsächlich bleibt.“ Bild: Emil Kalibradov/unsplash

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Die allgemeine Inflationsrate in Bozen lag im August 2026 bei 3,6 Prozent. Für die Verbraucherorganisation Robin zeigt die Entwicklung jedoch, dass die allgemeine Inflationsrate die tatsächliche Belastung vieler Haushalte nur teilweise abbilde. Die Ausgaben für Wohnen, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe lagen um 8,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Besonders kräftig fiel der Anstieg bei den Energiekosten aus. Heizöl verteuerte sich gegenüber August 2025 um 38,2 Prozent, Holz, Pellets und Briketts um 18,8 Prozent. Strom kostet 17,6 Prozent mehr, Gas zwölf Prozent mehr. Auch beim Tanken müssen Autofahrerinnen und -fahrer tiefer in die Tasche greifen. Diesel verteuerte sich laut den von der Verbraucherorganisation Robin angeführten Daten um 24,3 Prozent, Benzin um 14,5 Prozent. Bei Flüssiggas und Methan lag das Plus bei 8,3 Prozent.

Gerade bei Wohnen und Energie gebe es kaum Möglichkeiten, den steigenden Kosten auszuweichen. „Die entscheidende Frage ist nicht, wie hoch die durchschnittliche Inflation ist, sondern wie viel den Menschen am Ende des Monats tatsächlich bleibt“, sagt Robin-Direktor Walther Andreaus.

Walther Andreaus: „Steigende Fixkosten belasteten zunehmend auch Familien mit mittleren Einkommen.“ Seehauserfoto

AFI-Analyse

Laut einer Studie des Arbeitsförderungsinstituts AFI gehen 44 Prozent der Südtiroler Beschäftigten davon aus, in den kommenden zwölf Monaten nichts sparen zu können. Ein Viertel gibt an, Schwierigkeiten zu haben, mit dem eigenen Gehalt bis zum Monatsende auszukommen.

Hinzu kommen deutliche Unterschiede bei den finanziellen Möglichkeiten der Haushalte. Laut einer von Robin zitierten AFI-Analyse gibt das wirtschaftlich stärkste Fünftel der Südtiroler Haushalte im Schnitt 6,7-mal so viel aus wie das wirtschaftlich schwächste Fünftel. Im Trentino liegt dieses Verhältnis bei 4,5, italienweit bei 4,9.

Preisbeobachtung gefordert

Ein Problem sieht Robin auch bei der Datengrundlage. Die laufende Verbraucherpreisstatistik bezieht sich auf die Gemeinde Bozen und könne deshalb nicht ohne Weiteres auf das gesamte Land übertragen werden. Mieten, Lebensmittelpreise, Mobilitätskosten oder Dienstleistungen könnten sich zwischen Städten, ländlichen Gebieten und stark touristisch geprägten Orten deutlich unterscheiden. Die Organisation fordert deshalb einen dauerhaften Preisbeobachtungsmechanismus für ganz Südtirol. Erfasst werden sollen unter anderem Mieten und Wohnkosten, Energie, Lebensmittel, Treibstoffe, Wasser- und Gemeindegebühren sowie Kosten für Betreuung, Bildung, Gesundheit und Pflege.

Unterstützungsmaßnahmen sollten sich nach Ansicht der Organisation zudem nicht ausschließlich auf Haushalte beschränken, die unter klassische Armuts- oder Bedürftigkeitsgrenzen fallen. Steigende Fixkosten belasteten zunehmend auch Familien mit mittleren Einkommen, die zwar formal nicht als einkommensschwach gelten, am Monatsende aber immer weniger finanziellen Spielraum hätten. 

Zusätzlich schlägt die Organisation einen eigenen „Südtiroler Warenkorb“ vor. Dieser soll regelmäßig zeigen, wie sich jene Ausgaben entwickeln, die für unterschiedliche Haushaltstypen tatsächlich relevant sind – und damit genauer abbilden, wie stark steigende Preise die Menschen im Alltag treffen.

(do)

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