Umwelt | Mobilität

„Ein historischer Moment“

Wolkenstein hat als erste Gemeinde eine Verkehrsberuhigung beim Grödner Joch beschlossen: Eine teilweise Straßensperre ist als Testlauf ab September 2026 geplant.
Grödner Joch
Foto: Seehauserfoto
  • Auf große Freude stößt der einstimmige Beschluss des Gemeinderats letzte Woche in Wolkenstein beim Alpenverein Südtirol (AVS). Die Gemeinde plant, von Mitte Mai bis Mitte Oktober 2027 den motorisierten Verkehr auf der Landesstraße in Richtung Grödner Joch mittels Straßensperre zu reduzieren. Bereits in diesem Jahr ist von Anfang September bis Ende Oktober eine Probesperrung geplant.  

    „Für uns als Alpenverein ist dies ein historischer Moment“, erklärt AVS-Präsident Georg Simeoni in einer Pressemitteilung. „Seit Jahrzehnten weisen wir auf die Belastungsgrenzen der Dolomitenpässe hin. Die Einführung einer verkehrsberuhigten Zone am Grödner Joch bedeutet einen entscheidenden Fortschritt für die Erhaltung dieser einmaligen Naturlandschaft.“ Dem Vorschlag der Gemeinde muss nun auch die Landesregierung in einem Beschluss zustimmen. 

  • Die Rahmenbedingungen

    Die Verkehrsberuhigung auf einer außerstädtischen Straße ist laut italienischem Gesetz maximal für fünf Monate zulässig. Da in den Sommermonaten die Verkehrsbelastung höher ist als im Winter, entschied die Gemeinde Wolkenstein die Straßensperre für diesen Zeitraum. Für die verkehrsberuhigte Zone sollen nur wenige Ausnahmen gelten: Weiterhin freie Durchfahrt wird Ansässigen, Personen mit Fahrgenehmigung und Gästen der drei Gastbetriebe am Joch gewährt. Eine Fahrgenehmigung ist zum Beispiel aus beruflichen Gründen erhältlich oder, wenn einer der 150 neuen Parkplätze am Joch gegen Bezahlung reserviert wird.  

  • Sellaronda Bike Day: An zwei Tagen im Jahr sind die vier Dolomitenpässe rund um den Sellastock nur für Radfahrende geöffnet. Foto: Seehauserfoto
  • Vor der Abzweigung zum Grödner Joch sollen auf Grödner Seite die Parkplätze in Pontives und bei Plan de Gralba als Auffangfläche dienen. Außerdem sind schon ab Waidbruck im Eisacktal Hinweise auf das Fahrverbot geplant. Gleichzeitig fordert die Gemeinde, dass die Busse im 15- und 20-Minuten-Takt verkehren und die Aufstiegsanlagen im Gebiet auch mit dem Abo des öffentlichen Nahverkehrs nutzbar sind. 

  • Ausweitung geplant

    Der AVS betont, dass die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs eine zentrale Voraussetzung für Umwelt- und Naturschutz sei. „Diese Entscheidung ist ein Anfang – aber kein Endpunkt“, betont Simeoni und fordert ebenso eine Verkehrsberuhigung für das Sellajoch. 

    Das Tagblatt Dolomiten berichtet, dass neben Wolkenstein auch die auf der anderen Seite des Grödner Joch liegende Gemeinde Corvara sowie St. Christina, St. Ulrich, Kastelruth, Lajen, Abtei, Wengen, St. Martin in Thurn und Enneberg Beschlüsse für eine Verkehrsberuhigung verabschieden wollen. Außerdem soll in Zusammenarbeit mit den angrenzenden Trentiner Gemeinden eine teilweise Straßensperre beim Sellajoch vorangetrieben werden.