Umwelt | Passverkehr

„Starkes Signal“

Südtirol schränkt organisierte Motorsportveranstaltungen ein. Die Debatte könne aber nicht nur über Verbote geführt werden, betont der Landeshauptmann.
Seehauserfoto

Dieser Artikel ist für dich kostenlos. Unabhängiger Journalismus in Südtirol braucht aber deine Unterstützung. Wir würden uns daher freuen, wenn du ein SALTO Abo abschließen würdest. Vielen Dank!

Jetzt S+ abonnieren

Die Landesregierung verbietet organisierte „Motorsportveranstaltungen“ auf Straßen in Schutzgebieten sowie oberhalb von 1.600 Metern. Mit der Maßnahme soll ein „starkes Signal“ gesetzt werden. Landeshauptmann Arno Kompatscher betont gegenüber SALTO: „Die Belastungsgrenze der Bevölkerung entlang der Passstraßen ist vielerorts erreicht.“ Dennoch lasse sich die Frage nicht allein durch Verbote lösen.

Link zum Beschluss

Der vollständige Beschluss der Landesregierung enthält die genaue rechtliche Regelung zu organisierten Motorsportveranstaltungen. In der Anlage A (Seite 9 des Dokuments) sind außerdem jene Straßen und Straßenabschnitte aufgelistet, auf denen das Verbot gilt.

Dort können Veranstalter, Vereine und Interessierte prüfen, ob eine geplante Route betroffen ist. Der Beschluss enthält zudem Hinweise dazu, welche Veranstaltungen erfasst sind, welche Fahrzeuge betroffen sein können und unter welchen Umständen die Regelung auch auf weitere Straßenabschnitte ausgedehnt werden kann.

Weitere Informationen sind hier zu finden.

Verbot trifft nicht nur „Motorsport“

Maßgeblich ist, ob eine Veranstaltung einen erkennbaren organisatorischen Rahmen hat: etwa einen Veranstalter, Verein, Club, Verband, ein Unternehmen oder eine organisierte Gruppe, die eine gemeinsame Route plant, bewirbt, koordiniert oder durchführt. Eine gemeinsame Strecke, ein Zeitplan, eine Anmeldung, Teilnahmebedingungen, ein festgelegter Treffpunkt oder eine Etappenplanung können Hinweise darauf sein, dass es sich nicht mehr um eine private Ausfahrt, sondern um eine organisierte Veranstaltung handelt.

 

Auch Oldtimer-Rallyes und organisierte Oldtimer-Ausfahrten sind vom Verbot betroffen.

 

Auch Oldtimer-Rallyes und organisierte Oldtimer-Ausfahrten sind vom Verbot betroffen. Zudem gilt die Regelung unabhängig von der Art des Antriebs. Betroffen sein können Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, Hybridantrieb und elektrischem Antrieb.

Roadmap: Straßenabschnitte, auf denen das Verbot gilt, sind in blauer Farbe markiert. LPA

Das Verbot kann im Genehmigungsverfahren auch auf weitere Straßen oder Straßenabschnitte ausgedehnt werden, wenn Bedenken hinsichtlich der Straßensicherheit oder Beeinträchtigungen des lokalen Verkehrs bestehen.

Spannungsfeld Gebietsschutz und Mobilitätsfreiheit

Landeshauptmann Kompatscher bezeichnet den Beschluss als „starkes Signal“. Um das Problem zu bekämpfen, brauche es ein Maßnahmenbündel, bei dem es neben den physischen Kontrollen auch fixe Radargeräte auf den Pässen zu installieren gelte, um die Geschwindigkeit dauerhaft und durchgehend zu drosseln. Die Zuständigkeit hierbei fehle aber, erklärt der Landeshauptmann. 

Kompatscher führt aus: „Seit dem letzten Jahr hat sich gesetzlich nichts geändert, von daher bleibt das wirksamste Mittel verstärkte Kontrollen vonseiten der Ordnungskräfte. Damit dies vermehrt geschieht, sind wir im regelmäßigen Austausch und die Medienberichte zeigen, dass hier vermehrt kontrolliert und auch geahndet wird.“ Die Gemeinden und zuständigen Ordnungskräfte seien gefragt, bestehende und neue Regeln konsequent zu kontrollieren, um die Lebensqualität der Bevölkerung zu schützen.

Landeshauptmann Arno Kompatscher: Das Verbot sei eine Maßnahme, die im Rahmen der Befugnisse der Provinz möglich sei. Für weitreichendere Regulationen, wie Radarfallen, brauche es die Mithilfe staatlicher Organe. USP/Luica Rose Buffa

Zudem ergibt sich hier ein Spannungsfeld, das nicht einfach aufzulösen ist: auf der einen Seite das Ziel, sensible Gebiete und die Bevölkerung entlang der Passstraßen zu entlasten; auf der anderen Seite die individuelle Mobilitätsfreiheit. „Aber genau auf diese Frage muss die Politik eine Antwort finden“, betont der Landeshauptmann. Grundsätzlich gebe es hier in Südtirol jedoch einen breiten Konsens, dass es Maßnahmen braucht, um den (Spaß)Verkehr in sensiblen Gebieten einzudämmen und die Belastungsgrenze der Bevölkerung entlang der Passstraßen ist vielerorts erreicht. 

Gleichzeitig verweist Kompatscher darauf, dass die Debatte nicht nur über Verbote und Kontrollen geführt werden könne: „Wir sollten nie vergessen, dass irgendjemand auch seinen Spaß daran findet, allein oder in der Gruppe auf den Passstraßen Gas zu geben. Vielleicht ist es auch Zeit über eine andere Haltung und Kultur zu unserer Natur nachzudenken und gemeinsam zu diskutieren.“