Eppaner Erweiterung
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Jetzt S+ abonnierenDas Rastwiesen-Areal, also die Ex-Mercanti-Kaserne in Eppan ist eines der größten städtebaulichen Entwicklungsfelder in Südtirol – und für Eppan ein Riesenbrocken. Die Großgemeinde mit ihren 15.000 Einwohnern bekäme rund 400 neue Einwohner. Das klingt vielleicht erst mal nicht viel, will aber gut geplant sein. Die 400 Einwohner mehr belasten Infrastrukturen, Verkehr, Schulen und Kindergärten und irgendwann auch die Altenheime.
Weil aber trotz des Großprojekts konkrete Zahlen bislang rar sind, lud der Eppaner Gemeinderat die Finanzierungsgesellschaft Euregio Plus und den zuständigen Landesrat Christian Bianchi nach Eppan.
Bianchi sagte kurzfristig ab – ein in Trümmern liegendes Landesgericht hatte sich vorgedrängelt – und schickte seine rechte Hand Daniel Bedin, Ressortdirektor für Hochbau, Vermögensverwaltung, Grundbuch und Kataster. Euregio Plus hingegen schickte die große Kapelle, darunter Generaldirektor Sergio Lovecchio und die für das Projekt zuständige Architektin und „Senior Program Manager“ Ariane Adelmann.
Der Mood? Unmut
Adelmann startete (nachdem man minutenlang gemeinsam versucht hatte, den Acrobat Reader in den Vollbildmodus zu schalten) ihre Präsentation, stellte die Euregio Plus vor, ihre Aufgaben (Auswahl der Planer, der Baufirma, der Lieferanten, Verkauf und Vermietung), sehr allgemein den „Fondo Rastwiesen“ sowie „Ziele und Nutzen für Eppan“: Neben 37 Prozent Wohnungen zu reduzierten Preisen auch eine Sporthalle, Parkplätze, Grünraum, ein „lebendiges Quartier mit Geschäften, Plätzen, Wohnen“, und einen „Kümmerer“ (oder Kümmererin) als „zentrale Figur der Aneignung“, der das Gelände für die Eppaner öffnen soll.
Als Adelmann zum Abschluss ihrer recht inhaltsleeren Präsentation noch ein paar sogenannte mood pictures zeigte war der einzige mood, der bei der Opposition aufkam, der Unmut. Kathrin Werth von Pro Eppan Appiano, die den Abend ursprünglich beantragt hatte, sagte, sie habe eigentlich geplant gehabt, sich für die Präsentation zu bedanken, aber danach sei ihr jetzt nicht mehr, und „da keine unserer 30 im Vorfeld eingereichten Fragen beantwortet wurde, stelle ich sie halt nochmal“ und begann damit.
Da grätschte der Eppaner Referent für Urbanistik Martin Haller flugs dazwischen, das alles sei nur ein Missverständnis, die Fragen würden jetzt alle beantwortet, man habe die Präsentation kurz halten wollen. Also zog sich eben die Fragerunde in die Länge, denn zu fragen gab es einiges.
Die Bäume müssen weg
Angefangen beim gefundenen Asbest, der die Abläufe durcheinanderbringt. Das ganze Areal muss saniert werden, die Bäume kommen weg. Die Mehrkosten für die Boninfizierung übernimmt der Staat, wie Ressortdirektor Bedin erklärte, das Land müsse um jenen Betrag dem Staat weniger Bauleistungen erbringen.
Dass die Bäume wegkommen, habe sie überrascht und sei bedauerlich, sagt Adelmann, „für mich wäre es auch leichter, Häuser im Schatten alter Bäumen zu verkaufen“. Wie groß die einzelnen Wohnungen werden, weiß man noch nicht, „wir sind noch nicht mal Eigentümer des Geländes“, man wolle aber alle Bedürfnisse abbilden, nicht nur Familien mit drei Kindern.
Geschäfte wird es geben, aber welche genau, weiß man ebenfalls noch nicht. Auch zu den Preisen könne man nichts sagen, ganz abgesehen vom regelmäßig ausbrechenden weltpolitischen Chaos könne man nicht abschätzen, welche Preise in zwei Jahren verlangt werden. Billiger dürfte es aber eher nicht werden.
100 Millionen im Fonds Rastwiesen
Zentraler Punkt des Abends war der Fonds „Rastwiesen“, mit dem das Gelände entwickelt, sprich bebaut wird.
Details zum Fonds werden aber keine veröffentlicht, es gebe „kein öffentliches Interesse“, heißt es von Euregio. Etwas ließen sich die Beteiligten unter vereinten Kräften der kritischen Räte von Bürgerliste und Pro Eppan dann doch aus der Nase ziehen: Der Fonds wird eine Laufzeit von 15 Jahren haben, um maximal drei Jahre verlängerbar. Der „Fondo immobiliare chiuso riservato“ stehe nur institutionellen Anlegern offen. Das Land Südtirol hat 20 Millionen und das Areal eingebracht, der öffentliche Investmentfonds Invimit weiter 20 Millionen, 60 Millionen muss man noch auftreiben. Aufgabe der Euregio sei es nun, Gelder einzusammeln, von institutionellen Investoren und regionalen Pensionsfonds.
Das Renditeziel seien vier bis sieben Prozent, ein möglicher Verlust gehöre zum Risiko der Investoren, sagte Lovecchio, es gehe aber nicht um Gewinne, „wir sind eine Inhouse-Gesellschaft“. Ab Genehmigung des Durchführungsplans könne Euregio Plus unabhängig entscheiden, müsse sich dabei aber an die von Land, Euregio und Gemeinde unterschriebene Planungsvereinbarung halten. Man werde zudem von der Banca d’Italia genauestens überwacht.
Baubeginn 2028, Bauende 2033
Jakob Falser von der SVP fragte, wie man die lokale Wirtschaft in die Bauarbeiten einbinden wolle, Adelmann konnte lediglich antworten, jedermann könne sich an den Ausschreibungen beteiligen, es zähle nicht nur das finanziell günstigste Angebot, sondern auch weitere Kriterien.
Martina Kager, SVP, fragte, ob Eppaner bei der Vergabe der Wohnungen bevorzugt werden, Gemeindereferent Haller, auch SVP, antwortete, die Gemeinde werde die Kriterien für die 37 Prozent Wohnungen mit Preisbindung festlegen, man achte auf Zugang für Ansässige, weniger begüterte und junge Menschen. Alle Wohnungen werden konventioniert, sagte Haller. Mit dem Verkauf der Wohnungen auf dem freien Markt sollen die Gelder für die preisgebundenen Wohnungen wieder reinkommen.
Euregio-Chef Sergio Lovecchio sagte, für Euregio Plus sei die Entwicklung des Rastwiesenareals keine Routine, sondern ein Vorzeigeprojekt. „Das Land hat uns gegründet für die Finanzierung und Umsetzung solcher Projekte.“ Auch Bedin sagte, der Auftrag der Politik an Euregio sei, größere Bauprojekte schneller umzusetzen.
Woraufhin Felix von Wohlgemuth von Pro Eppan einwandte, „wir hätten es lieber langsam“. In Eppan gibt es die Befürchtung, dass ein zu schnelles auf-den-Markt-werfen der Wohnungen viele Ortsfremde anziehen und die Infrastrukturen der Gemeinde überlasten könne. Adelmann entgegnete, wer früh eine Wohnung kaufe, wolle nicht neben einer Baustelle oder einer Brachfläche leben. „Auch der Bäcker tut nicht auf, wenn er noch nicht genügend Kunden in der Nähe hat. Die Bebauung war anders geplant, aber der Asbest hat alles durcheinander gebracht.“
Schließlich der Zeitplan: 2027 will Euregio Plus das sanierte Areal übernehmen, 2028 sollen die Bauarbeiten beginnen und bis 2033 andauern. Ab 2029 sollen Verkauf und Vermietung beginnen, 2035 enden und der Fonds geschlossen werden.