Wirtschaft | Energiewende

„Zuflüsse der Ahr versiegen“

Die Protestgruppe gegen den Ausbau der Wasserkraft in Sand in Taufers warnt vor Wasserknappheit im Tal: Großprojekte für das E-Werk St. Moritzen seien unrealistisch.
Protest mit dem Slogan „SOS Ahr“: Die Bevölkerung wehrt sich gegen den Ausbau der Wasserkraft in ihrer Gemeinde. Bild: privat

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Rund 200 Personen demonstrierten am letzten Donnerstag vor dem Rathaus von Sand in Taufers – zum Teil mit den gleichen Bannern wie vor 16 Jahren. „Schon damals gab es Pläne, im Moritzinger Berg Druckstollen für den Ausbau der Wasserkraft zu errichten. Die Energiewende ist richtig, aber in diesem konkreten Fall wäre der Ausbau im Ahrntal nicht sinnvoll“, erklärt Bernhard Winkler von der Initiativgruppe SOS Ahr. 

Anstatt neue Großprojekte trotz Wasserknappheit umzusetzen, sei der Ausbau der Solarenerige gefragt. In seinem Betrieb hat Winkler schon vor 20 Jahren Photovoltaikpaneele installiert, die erhöhten Förderbeiträge seien nun eine gute Gelegenheit für neue Investitionen in ganz Südtirol. Dabei gilt das Ahrntal eigentlich als einer der wasserreichsten Täler Südtirols, mehrere Kleinkraftwerke versorgen dort das Netz mit Strom. 

Neue Ausschreibung für Kraftwerk

Bernhard Winkler: Der Sprecher der Protestgruppe erinnert sich noch an den Widerstand im Jahr 2010. privat

Die Konzession des E-Werks St. Moritzen läuft im Jahr 2028 aus: Fünf Bewerber haben ihre Unterlagen samt Investitionsvorhaben für die neue Konzession vorgelegt. Drei der Bewerber, darunter auch der aktuelle Betreiber, schlagen lediglich vor, die bestehende Anlage zu modernisieren. Alperia Greenpower und der Pragser Hotelier Alexander Trenker wollen die Stromproduktion aber wesentlich erhöhen und einen neuen Druckstollen neben Wohnhäusern errichten. 

Dabei würden gleich mehrere Gründe gegen eine Potenzierung der Stromproduktion sprechen, ist die Initiativgruppe überzeugt. Die instabile Lage am Berghang, die Lärmbelastung durch die Stromproduktion für das Wohngebiet in St. Moritzen, die fortschreitende Gletscherschmelze und die fragliche Wirtschaftlichkeit der neuen Anlagen seien hierfür ausschlaggebend. 

„Wir wissen seit rund einem Monat von den neuen Plänen. Vor allem für die Familien, die in der neuen Wohnbauzone wohnen und dort investiert haben, bedeutet das einen Verlust von Lebensqualität, abgesehen von dem sinkenden Wert ihrer Immobilie, die dann neben einem Großkraftwerk steht“, kritisiert Winkler von der Initiativgruppe. 

Die Ahr bei Sand in Taufers: Das Tal gilt als eines der wasserreichsten in Südtirol. Michielverbeek

Zudem würde das verfügbare Wasser beinahe bis zum letzten Tropfen für die Stromproduktion genutzt, befürchtet die Protestgruppe. „Die Zuflüsse der Ahr versiegen de facto durch die fortschreitende Gletscherschmelze. Wasser ist eine endliche Ressource, die auch bei uns, obwohl wir an der Quelle sitzen, weniger wird. Der Wasserbedarf für die Großwerke würde fast die Menge übersteigen, die heute in der Ahr fließt. Der Fluss würde zu einem Rinnsal verkommen“, so der Sprecher. 

Der Bürgermeister Josef Nöckler (Bürgerliste Taufers 2010) spricht sich gegenüber dem Tagblatt Dolomiten gegen ein neues Kraftwerk in der Wohnzone aus. Nach dem Auslaufen der Konzession entscheidet allerdings das Land, welcher der Bewerber den Zuschlag erhält. 

Da die Gemeinde an dem Tauferer E-Werk Konsortial GmbH, die das Kraftwerk aktuell betreibt, 51 Prozent der Anteile hält, ist sie aber trotzdem von der Diskussion um die Zukunft des Kraftwerks betroffen. Deshalb seien mit Alperia Gespräche aufgenommen worden, um eine mögliche Zusammenarbeit auszuloten, erklärte Nöckler.